Aufräumen

Jeden Samstag ist hier Aufräumen und Putzen angesagt. Nicht alle Familienmitglieder sind immer darauf vorbereitet („Echt? Heute ist Samstag? Wußte ich nicht …“), aber in der Regel klappt es gut.

Je nachdem wer hier gerade wohnt, gibt es verschiedene Szenarien: Zettel aus einem Glas ziehen ist die am wenigsten beliebte. Denn auf jedem Zettel steht, was gemacht werden muss. Also Bügeln, Bad putzen, staubsaugen oben, staubsaugen unten. Staubwischen. Treppenhaus. Gezogen wird, so lange Zettel da sind.

Wenn wir zu zweit sind, teilen wir anders: eine oben (Bad, zwei Schlafzimmer), einer unten (Wohnzimmer, Küche, Eßzimmer). Oder – je nachdem wie lang die jeweiligen to-do Listen sind – eine drinnen / einer draußen. Für letzteres haben wir uns heute am späteren Vormittag entschieden und so fuhr der Mann erst zum Wertstoffhof, dann zum Baumarkt. Schließlich ein schneller Halt am Glascontainer, ehe er den Wocheneinkauf erledigt hat.

Das Haus und ich blieben hier.

Um es kurz zu machen: ich bin auf 100 qm mehr als 3 km gelaufen, treppauf, treppab und doch nicht fertig geworden. Wahrscheinlich, weil ich es einfach nicht schaffe, erst ein Zimmer aufzuräumen, dann das nächste. Und dann alles sauber zu machen.

Typischerweise läuft es eher so: ich bringe den Untersetzer, der noch im Wohnzimmer stand, in die Küche, nehme die Wolle weg, die da liegt (10 Knäuel Sockenwolle in Rottönen – wie kamen die denn dahin? Tsss …), bringe sie nach oben, mache bei der Gelegenheit im Bad die Waschmaschine an, nehme dann schnell die Wäsche ab, die noch im Flur hängt (Platz machen für später), räume sie weg und nehme nur die Spüllappen mit nach unten in die Küche. Unten angekommen, gehen die Lappen in den Schrank unter der Spüle, das Geschirr, das neben der Spüle trocknet, muß in den Schrank im Eßzimmer. Die Unterlagen, die auf dem Eßtisch liegen (mein home office Schreibtisch), packe ich in den Rucksack und stelle den dann in den Flur. Die Schuhe im Flur …

Das könnte ich endlos so weiterschreiben.

Drei Waschmaschinen später sind die Betten ab- aber nicht neu bezogen, das Erdgeschoß ist aufgeräumt und sauber. Oben ist immerhin aufgeräumt. Draußen ist es mittlerweile wieder dunkel. Kein Käsekuchen für mich. Nicht an diesem Wochenende 😉.

Ich weiß, dass ich viel geschafft habe – zufrieden bin ich dennoch nicht. Denn es gibt andere, bessere Systeme und doch falle ich immer in dieses zurück. Überall Zeitfallen, unordentliche Ablageflächen, um die ich mich lange schon kümmern wollte und so dauert „Wolle nach oben bringen“ gerne mal eine halbe Stunde …

Dabei habe ich pünktlich zum Jahresbeginn überall Challenges gesehen: den Januar über jeden Tag 5 Dinge aufräumen. Oder – vielleicht effizienter? – jeden Tag 3 Dinge aussortieren. Über jede dieser Challenges habe ich nachgedacht und sie dann doch wieder verworfen.

Wie macht Ihr das? Wie räumt Ihr auf?

„Erkauftes Kümmern“, also Frauen, die Frauen ersetzen, die Frauen ersetzen (ein 2015 in der SZ erschienener Artikel, unverändert sehr lesenswert) ist für mich übrigens keine Option. Denn so lange Care-Arbeit nur funktioniert, wenn (mehrheitlich) Frauen aus anderen (ärmeren) Ländern einspringen, aufräumen, putzen, sind wir von Gleichberechtigung weit entfernt. (Wer sich mit dem Thema bisher nicht beschäftigt hat, dem sei ein Blogpost (ebenfalls aus 2015) von kleinerdrei empfohlen: „Damit Stefanie und Christian gleichberechtigt sind, putzt Oksana das Klo„).

Jetzt ist hier bei mir wirklich erstmal Wochenende. Nichts als Sofa & Wolle, damit ich kommende Woche wieder Strick-Content liefern kann. Wäre doch schade, wenn nicht.

Vielleicht hole ich heute Abend schon mal das eine oder andere Knäuel Wolle wieder nach unten … 😬.

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6 Comments
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Andrea Karminrot
4 Tage zuvor

Mir kommt dein Aufräumrhythmus irgendwie bekannt vor. Treppauf und -ab. Und immer fällt mir etwas in die Hände, das genauer bearbeitet werden muss. Ich kann nicht nur einen Raum aufräumen. Und was soll ich sagen, meistens bin ich es, die aufräumt. Der Kerl hat ja nur einen Schrank! Ich könnte ja auch einfach mal abwarten was passiert, aber dann würde ich mich nicht mehr wohlfühlen …
Käsekuchen ist mir da lieber!
Andrea

Regua
3 Tage zuvor

Schön, wenn man die Hausarbeit aufteilen kann. Bei uns funktioniert das nicht so toll. Liegt vermutlich an mir, weil ich mich nicht als Einsatzleiterin sehen möchte. Ich haushalte gerne und räume gerne auf und bin da effizient. Natürlich gibt es Aufgaben, da verschätze ich mich total in der Zeit. Oft geht es halt nicht „schnell“, wie man so oft sagt. Haushalten ist mein Fitnessprogramm. Wenn ich zu lange gesessen bin, zum Beispiel beim Stricken, mache ich zur Auflockerung etwas im Haushalt: Hühner misten, Kompostkübel leeren, Staubsaugen, Wäsche zusammenlegen und versorgen. Nachher kann ich wieder sitzen. Liebe Grüsse von Regula

Yvonne
3 Tage zuvor

Hallo du Liebe,
wie sympathisch! Meine Schwester ist der Typ, es ist immer aufgeräumt und sauber machen geht total strukturiert voran. Ich bin eher so wie ihr unterwegs. Die Idee mit dem Glas und Aufgaben ziehen finde ich übrigens super (geht hier nicht, ich bin alleine *lach*). Ich wäre auch gerne viel strukturierter, was aufräumen und sauber machen angeht. Ich habe inzwischen aber akzeptiert, dass ich andere Stärken habe. Damit gebe ich mich zufrieden.
Ich wünsche euch einen schönen Sonntag
Viele Grüße
Yvonne