Wolle mit Farbverlauf mochte ich früher sehr gerne. Zwischenzeitlich denke ich jedoch immer öfter, dass mir der Strang (oder das Knäuel) besser gefällt, als das daraus Gestrickte. Manche Stränge hebe ich deshalb einfach auf, überlege ab und an, was ich draus machen können und entscheide dann: gar nichts! Sie bleiben, wie sie sind.
Nun war der Kollege mit seiner Frau in Urlaub und an einem der letzten Tage – wer kennt’s nicht?! – sollte die Reise mit Wolle-Einkäufen gekrönt werden. Groß und bunt im Internet angekündigt, stellte sich der „Ausflug ins Paradies“ (so nannte es der Kollege) jedoch als eher frustrierendes Erlebnis heraus. Ein dunkles, kleines Lager, Knäuel in Kartons und Metallregalen und Menschen, die eher wie Wachpersonal wirkten, nicht aber wie Woll-Enthusiasten.
Trotzdem kaufte die Frau des Kollegen drei Knäuel eines Garns mit grünem Farbverlauf, jedoch ohne Banderole und brachte sie mit zurück. Sie habe sich im Laden zum Kauf genötigt gefühlt. Zu Hause angekommen überwog dann der Frust über das Einkaufserlebnis und so brachte der Kollege mir die drei Knäuel mit ins Büro. Seine Frau wolle sie nichtmal mehr im Haus haben, so sehr würde sie sich mittlerweile darüber ärgern.
Zwei der Knäuel wogen 60gr, das dritte knapp über 100gr. Gefühlt war es Sockenwolle. Trotzdem habe ich spontan entschieden, da einen Pullover in Größe 86 für die kleine Enkeltochter der Beiden draus zu machen. Hier lagen noch zwei Knäuel Schachenmayr Tahiti in sowas wie erbsengrün (ich glaube nicht, dass die Farbe so heißt, aber sie sieht so aus) von einem knit along bei dem ich zerst ur „knit along-Schnecke“ wurde und dann geribbelt habe (…), was sich jetzt als Vorteil herausgestellt hat.
Sockenwolle mit 75% Schurwolle und 25% Polyester, dazu ein Fädchen aus 99% Baumwolle. Das Ergebnis ist nicht weich, aber eben auch kein Polyester mehr. Es hat diese kühle Baumwoll-Haptik und hat vor allen Dingen dem Farbverlauf richtig gut getan. Finde ich zumindest.
Die eher harten Übergänge von fast weiß zu dunkelgrün sind deutlich abgemildert und die Farben sind deutlich lebendiger.
Gestrickt habe ich einen Raglan-von-oben aus dem 100gr. Knäuel. Mit kleinem Schlitz und Knopf im Nacken, damit ein Kinderkopf sicher durchpasst. Für die Ärmel habe ich jeweils eins der kleineren Knäuel genommen und abgewickelt, bis der Farbverlauf passte. So sind sie identisch, wenn auch nicht identisch zum Körper. Aber das klappt bei Farbverlauf-Garnen sowieso nicht, weil – logisch – ein Armumfang schmaler ist, als ein Bauchumfang.
Von den kleinen Knäueln blieb so viel Wolle übrig, dass ich da nun Socken draus stricke. Auch die werden für die Frau des Kollegen. Damit sie sieht, wie der eigentliche Farbverlauf aussieht. Ich stricke toe-up und so weit das Fädchen des kleinsten Knäuels reicht. Das reicht tatsächlich für lange Schäfte.
Bei allem wünsche ich mir, dass beides, Pullover und Socken, die Frau des Kollegen mit dem eher unschönen Kauferlebnis versöhnt. Ob’s klappt?
Verlinkt zum Samstagsplausch



Und plötzlich war alles ganz einfach. Keine fünf Tage später lag Goostavo auf der Sofalehne. Da liegt er bis heute. Er sieht so gut aus mit einem kleinen Sophie Schal in der Farbe seiner Augen.
Es hat echt Spaß gemacht ihn zu stricken, zu stopfen, zum Leben zu erwecken. Angefeuchtet und gespannt habe ich am Ende nur die schönen Füße. Damit sie noch ein bißchen gansiger werden. Das sind sie jetzt.
Bisher habe ich nicht entschieden, ob er ein Einzelkind bleibt. Vielleicht bleibt er auch gar nicht hier. Mal sehen. Auf Dauer wäre ihm vielleicht doch eher langweilig mit uns beiden Alten, denke ich. Goostavo braucht jemanden, der oder die ihn so um den Hals fasst, wie das Kind der Designerin seine Gans. Er möchte Abenteuer erleben, nachts nicht alleine schlafen und Spaß haben.
Um es kurz zu machen, irgendwann setzte sich der Mann in ein Café und wie durch Zauberhand landeten wenig später Pullovermengen in meinem Arm. Keine Ahnung, wie das passiert ist. Das Grün ist wirklich unglaublich schön. Außerdem wollte ich schon immer Wollmeisen haben, nur schienen die bisher zu teuer.
Eigentlich hat der Birthday61 kein Bündchen am Hals. Nachdem ich sicher sein will, dass er nicht zu weit wird, habe ich dennoch mit einem provisorischen Maschenanschlag begonnen. wenn’s nötig sein sollte, kann ich also anstricken. Bei allem tue ich, was ich kann, damit er beidseitig tragbar sein wird. Halbpatent hat zwei verschiedene Seiten. Beide toll.
Für den Moment bin ich nichtmal beim Abteilen der Arme angekommen. Und das obschon ich tatsächlich jeden Tag daran gearbeitet habe. Macht aber nichts. Das schöne Material in den Händen, die tolle Farbe und die Aussicht auf den Pullover sind immens befriedigend.
Im Frühjahr habe ich eine kleine
Sicherheitshalber hatte ich
Bekanntermaßen sind aller guten Dinge drei und so habe ich zuletzt
Was soll ich sagen – es ist gut gegangen! Ich mußte die Raglanlinien verlängern (logisch), habe die Knopfblende nicht angestrickt, sondern am Ende angenäht und die Ärmelabnahmen neu berechnet. Das Ergebnis begeistert mich! Wirklich alles! Die Jacke sitzt perfekt, die Farbe ist der Knaller, die Knöpfe wie gemacht dafür und das Muster ist super schön.
Sogar tragen konnte ich sie noch für ein paar Tage, weil es doch nochmal kühler wurde. Nun werde ich bis Herbst warten müssen, weil reine Schurwolle eben doch richtig warm ist. Macht aber nichts. Vorfreude hat auch was.
Was soll ich sagen – wenn es eine Gartengöttin gibt (ich bin sicher, die gibt es), habe ich sie erzürnt …
Damit nicht genug, ließ sich das Absperrventil des Brauchwasser-Anschlusses (mein Plan B) nicht einen Millimeter bewegen. Weil wir den Hahn seit gut acht Jahren nicht geöffnet haben, hat der Monteur später gesagt.
Nur die Gänseblümchen kommen bisher nicht wieder.