Teststricken – will ich eigentlich schon lange nicht mehr und doch mache ich es immer wieder. Warum weiß niemand.
Ich bekomme also eine Anleitung. Manchmal ist es die erste, die eine (werdende) Designerin jemals geschrieben hat. Vielleicht schreibt sie auch in einer Sprache, die nicht ihre Muttersprache ist. Sie betont Dinge, die für mich selbstverständlich sind, läßt dafür andere aus, die ich gebraucht hätte, um die Anleitung zu verstehen. Sie schreibt viel zu viel (20 Seiten sind keine Seltenheit) oder viel zu wenig. Ich versuche alles zu verstehen, während ich stricke, inhaltliche und Rechtschreibfehler korrigiere, die Maschenprobe im Auge behalte und in einer Gruppe bin, wo über alles geschrieben wird, nur nicht über die Anleitung.
Für all das bekomme ich in der Regel … nichts.
Aber nicht nur das. Ich muss mich vorab um eine Teilnahme bewerben. Voraussetzung ist ein schöner Feed auf Instagram, ein aktiver Ravelry-Account und zunehmend gerne auch viele Follower. Eine Garantie, dass ich angenommen werde, ist das nicht.
Als Teststrickerin muss ich mich außerdem verpflichten, Bilder dessen, was ich stricke, zu zeigen, im Anschluß einen Fragebogen auszufüllen und zu einem vorab festgelegten Zeitpunkt fertig zu sein. Bei Kindersachen geht das. Bei großen Größen für mehrgewichtige Menschen stelle ich mir das nicht immer einfach vor.
Die Wolle (ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor) kauft übrigens jede Teststrickerin selber.
Und je länger ich das jetzt schreibe, umso mehr möchte ich das nie wieder machen. Wirklich nie wieder. Auch wenn eine Freundin (ich gucke jetzt niemanden an) mich immer wieder dazu verführt … Ich möchte lieber warten, bis die korrigierte und fertige Anleitung verfügbar ist, die ich dann – wann und wie ich möchte – nachstricken, zeigen oder ribbeln kann. Lieber 5 Euro zahlen, als Stunden meiner Zeit zu investieren. Stunden, letztlich ohne Gegenleistung.
Zuletzt habe ich eine kleine Kinderjacke gestrickt, die die portugiesische Designerin Sandra Magalhães entworfen hat. Ich folge ihr schon eine Weile auf Instagram (@agasalhosebugalhos). Sie entwirft das, was ich „klassische Kindermode“ nennen würde oder „Kleidung, die südländische Kinder tragen“. Mag ein Vorurteil sein, aber zumindest für mich ist das, was in Frankreich, Spanien, Portugal oder Italien entworfen wird, ein ganz eigener Stil. Zeitlos und irgendwie unaufgeregt edel. Macht das Sinn? Was die Kleinen tragen, haben wahrscheinlich ihre Großeltern schon angehabt und trotzdem sieht es nie altbacken aus. Mag ich sehr!
Die Anleitung für den Brownie Kids Cardigan ist für Anfängerinnen geschrieben und deshalb (zurecht) sehr umfangreich. Viel Text, viele Erläuterungen, viele Bilder.
Die kleine Jacke ist eigentlich zweifarbig, also mit andersfarbigen Ärmeln und Bündchen. Sie hat dadurch so eine College-Jacken-Anmutung. Aber nachdem hier noch genug Merino ExtraFine 120 lag, habe ich meine einfarbig gestrickt.
Zuerst habe ich Metallknöpfe dran genäht und die dann gestern doch wieder abgetrennt. Sie waren einfach zu schwer und taten der Blende nicht gut. Mit Holzknöpfen ist es nun eine ganz andere Jacke. Aber wenigstens passt jetzt alles. Es fehlt nur das Kind, dem ich sie schenke.
Auch so was – warum möchte ich teststricken, ohne zu wissen für wen?! Als ob meine Strickliste nicht lang genug wäre. Ganz zu schweigen von dem, was hier noch liegt. Der Birthday61 Sweater, der Mud Season Pullover, wieder mal Last Minute Handstulpen …
Ach, was soll’s! Die Kinderjacke ist fertig und geht in die Geschenkekiste. Wieder bißchen Wolle verstrickt und wieder was gelernt. Als Dank konnte ich mir eine andere von Sandras Anleitungen aussuchen. Die werde ich sicher auch bald stricken.
Nur teststricken werde ich so bald nicht mehr. Hoffentlich nicht …


Sophia ist die Personifikation von „Stricken ist Mathe“. Sie strickt FairIsle Kleider in Nadelstärke 2,5, steekt (d.h. zerschneidet Wolle) mit der Gelassenheit mit der andere rechte Maschen stricken und gradiert Pullovergrößen im Kopf. Mich fasziniert das total! Gleichzeitig spornt es mich an, es ihr gleich zu tun (also nicht das mit dem FairIsle Kleid). Ich liebe es, mit ihr über Anleitungen zu sprechen, schätze ihren scharfen Verstand und über allem dieses latent nerdige, coole, eigene.
Eins noch vorab, ehe ich Euch „mit ins Buch“ nehme: Es ist eins der wenigen Male, dass ich ein Strickbuch rezensiere, ohne auch nur eins der Modelle nachgestrickt zu haben. Nicht, weil ich das nicht möchte, sondern weil ich bisher nicht dazu gekommen bin. (Das Buch ist so neu, es ist noch „warm“). Allerdings habe ich in der Vergangenheit bereits mehrfach Designs der Beiden gestrickt, so dass ich sicher bin, eine Erfahrungsgrundlage zu haben, die über einen bloßen ersten Eindruck hinausgeht. Anders formuliert: ich weiß, dass beide super sorgfältig arbeiten, ihre Anleitungen fachlich beherrschen und so hohe Ansprüche an sich selbst und ihre Veröffentlichungen stellen – es wäre wohl vermessen, das in Frage zu stellen 😉
Natürlich gibt es Socken (Tanja), aber auch Fäustlinge (Sophia), einen Rundpassenpullover (Tanja) und einen Cardigan (Sophia) – es ist verrückt, wie ich die Modelle ansehe und jedes gibt die „Stricksprache“ der Designerin wieder. Ich weiß einfach, wer was entworfen hat! – außerdem Mützen, Stirnbänder, Lacetücher, ein Untersetzer, Küchentücher, Pulswärmer und so viel mehr, dass ich das Inhaltsverzeichnis fotografiert habe. Seht also selbst:
Mein spontanes Highlight war der kleine Adventskalender-Handschuh. Musste ich drüber lachen. 2023 brauchte ich einen von mir initiierten knitalong, um monatlich zwei vergleichbar kleine Handschuhe zu schaffen und dann zum Jahresende einen Adventskalender zu haben.
Sophia hat da jetzt einfach einen Geschenkanhänger draus gemacht, für alle, die (wie ich im ersten Anlauf) nicht über den ersten Handschuh hinauskommen. Es lohnt definitiv einen Versuch!
Stricken werde ich aber wohl trotzdem zuerst den Untersetzer. (Aus Gründen). Und auf jeden Fall die Puschen. Die sind echt schön und mit 7er Nadeln gestrickt bestimmt auch super warm.
Ich habe mit den Wollresten meiner Schwester gestrickt. Jede Farbe, so weit das Fädchen gereicht hat. Farbwechsel, wo immer sie sich ergeben haben und irgendwie passte alles zusammen. Wie die bunten Blätter im Herbst. Und am Ende auch so viele Fädchen wie Blätter … (Ein „Nachtbild“, deshalb die matten Farben).
Die Anleitung für den
Und jetzt ist er fertig! Also fast. Noch hängt er hier rum und trocknet. Aber in den nächsten Tagen wird er fertig sein für (dann hoffentlich wieder goldene) Spaziergänge im Herbst, für hellere Gedanken im Kopf. Wenn auch nicht meine. Die zukünftige Besitzerin hatte ich ab der ersten Masche im Kopf und wünsche mir jetzt sehr, dass sie sich freut!
Ist doch normal, denkt jetzt vielleicht die eine oder andere. Ich würde ihr sogar Recht geben, wären meinem Mann von seinen Eltern nicht fünf Vornamen mitgegeben worden. Fünf Vornamen, die zusammen (Leerzeichen eingeschlossen) 42 Zeichen haben. Dazu kommen weitere 17 Zeichen für den Nachnamen. Allerdings sind schon die Vornamen fast ebenso lang wie das, was das Überweisungsformat abbilden kann. Das heißt, wenn ich eine Überweisung mache, stehen als Absender die fünf Vornamen meines Mannes und die ersten Buchstaben seines Nachnamens (der nicht meiner ist).
Und so bekloppt es ist: hier liegen vier Rechnungen, die ich am Wochenende überweisen wollte und ich tue es nicht. Nicht so. Stattdessen habe ich der Bank geschrieben. Einen ersten Entwurf, den ich dann stündlich überarbeitet habe, bis er sachlich genug war, um ihn abzuschicken. Ich wünsche mir, das morgen alles wieder gut ist.
Parallel stricke ich an also an mehr kleinen Dingen als sonst. Momentan sind es Spüllappen. Der Erste krausrechts, der Zweite auch, aber diagonal. Der Dritte wird kariert. Bei keinem muss ich wirklich denken. Die stricken sich quasi von alleine. Das Anfangsfädchen ist mit einem kleinen Herz gekennzeichnet. So hübsch. Ich will die Fäden gar nicht vernähen. Könnte sein, dass ich deshalb einfach so lange Spüllappen stricke, wie ich noch Knäuel mit kleinen Herzen habe.
Zum Glück lagen da zwei Knäuel neben mir auf dem Sofa, die eigentlich ein weicher, kleiner Schal werden wollten. Was soll ich sagen – sie werden jetzt ein Pullover. Noch Dienstagabend habe ich angeschlagen. Wie gesagt: zwei Knäuel. Zusammen 75 gr. Das reicht im Leben nicht für einen Pullover. Nicht mal für ein Kind. War mir egal. 5er Nadeln, Raglan von oben, genug, um mich zur Konzentration zu zwingen, gleichzeitig nicht so schwer, dass ich Fehler mache. Acht Zunahmen alle zwei Runden.
Kurz: Ein nächster Pullover. (Was sonst?) Die Anleitung für den