Olga

Eine vierte Olga und ziemlich sicher auch die letzte. Wer hätte das gedacht!

Letztes Jahr habe ich meine erste Olga gestrickt (lange Geschichte) im Februar dann eine zweite: grün geringelt und aus Lettlopi. Die habe ich anfänglich sehr gerne und oft getragen, habe aber mittlerweile das Gefühl, dass mir das alles zu weit und zu groß ist. Zu kastig, zu viel Wolle. Auch wenn es einer der Pullover ist, auf die ich immer wieder angesprochen werde. Bisschen weniger Weite wäre bequemer.

Nachdem hier noch ausreichend rosa und natur lag, habe ich also dieses Jahr Anfang Februar erneut angeschlagen: M statt L und zuversichtlich, dass das dann schon werden würde.

Bis es so aussah, als ob die Wolle nicht reicht (…), und dass (wenn doch) der Unterschied beider Pullover marginal sein würde: 6 cm im Umfang, 4 cm am Oberarm. Seither stagnierte mein Werk …

Letztlich habe ich also (mal wieder) entschieden, zu ribbeln. Eine andere Anleitung für einen ebenfalls geringelten Pullover lag hier schon. Nur … so ganz entschieden war das wohl doch nicht … Wäre es Andrea sonst so mühelos gelungen, mich am letzten Wintertag mit guten Argumenten („ich finde die Farben schön“ und „sind schon ziemliche Säcke, die PetitKnit da macht“ 😉) zu überzeugen, weiter zu stricken?

Das mache ich seither.

Mittlerweile ist mein rosa „Sack“ fast fertig. Drei himbeerfarbene Ringel im einen Ärmel, drei mittelgraue im anderen. Mittelgrau auch am Körper. Der Kragen von innen weiß. Hätte es vielleicht alles nicht gebraucht, denn wie durch Zauberhand scheint die Wolle nun doch zu reichen. Macht aber nichts. Ich ziehe durch!

Ringel mal anders.

Noch ein halber Ärmel, dann waschen und spannen. Seit gestern ist draußen Frühling. Könnte also sein, dass die rosa Olga nach dem Trocknen erstmal in einen tiefen Sommerschlaf fällt. Aber das Gute ist ja: irgendwann wird wieder Wollewetter. Dann wird sie bereit sein.

Die beiden anderen – die eine blau-rot geringelt die andere in den Farben des Regenbogens – werden in Freiburg und Berlin von Freundinnen getragen und geliebt. Immermal wieder denke ich, die Freude darüber ist tatsächlich schöner, als das Tragen einer eigenen Olga.

Könnte also sein, dass auch die rosa Olga hier nicht bleibt.

 

Oma Hobbys

Fällt außer mir jemandem auf, wie oft zur Zeit über „Oma Hobbys“ (gerne auch synonym verwendet mit „uncoole Hobbys“) geschrieben und berichtet wird?

Ich kann Euch gar nicht sagen, wie mich das anstrengt: unqualifizierte, oberflächliche und historisch unpräzise Aussagen zur Arbeit mit Wolle. Was da zwischen Ironie, Herablassung und vermeintlicher Trendanalyse schwankt, offenbart doch vor allem eines: ein erstaunlich stabiles Klischee.

Deshalb ein kleiner Ausflug in die Historie des Strickens und – wo ich schonmal dabei bin – auch eine Einordnung:

Während und nach dem zweiten Weltkrieg war Stricken nicht in erster Linie Idylle, sondern Notwendigkeit. Wer warm bleiben wollte ,strickte und stopfte. Kleidung war teuer, Material knapp – also entstand Wert durch Können, nicht durch Kaufkraft.

Mit dem Wirtschaftswunder kippte das. Plötzlich galt nicht mehr das Selbstgemachte als Wert, sondern das Gekaufte als Fortschritt. Handarbeit verlor ihren Status, weil Konsum ihn ersetzte. Was vorher Kompetenz war, wurde nun als Mangel an Modernität gelesen.

In den 1970er Jahren verschärfte sich die Abwertung: Handarbeit galt als Symbol der alten Geschlechterordnung – Kinder, Küche, Kirche. Kritisiert wurde also nicht die Tätigkeit an sich, sondern die damit verknüpfte soziale Rolle (was in Folge dann eben doch dazu führte, dass handwerkliche Fertigkeiten abgewertet wurden).

Spätestens in den 1990ern war die „strickende Oma“ zur popkulturellen Figur geschrumpft: nett, harmlos, etwas schrullig – und vor allem nicht ernst zu nehmen. Aus Erfahrung wurde Folklore, aus Können Nostalgie.

In den letzten Jahren ist Stricken plötzlich wieder angesagt – handmade statt Fast Fashion, slow living statt ständiger Beschleunigung. Ironischerweise wird nun also genau das wiederentdeckt, was so lange belächelt wurde: handwerkliches Wissen, Geduld, Nachhaltigkeit und Selbstbestimmung.

Nur gilt das leider nicht für alle.

Strickende Olympioniken? – Mein Instagram-Feed ist voll davon!

Strickende junge Frauen? – Total angesagt!

Strickende Männer egal welchen Alters? – Wie ungewöhnlich!

Strickende Frauen jenseits der 40? – Oma mit Hobby …

Da meint man doch, beim Stricken zählt nicht Können, sondern Alter und Geschlecht. Immer noch werden Frauen über ihr Alter, also über eine Zahl, definiert. Und wenn diese Zahl steigt, werden sie abgewertet.

Ich bin keine Oma mit Hobby! So wenig wie Stricken ein „Oma Hobby“ ist. Die Arbeit mit Wolle ist Handwerk, gelegentlich eine Protestform, oft Kunst! Egal, wer die Nadeln in der Hand hat! Ich würde sogar behaupten. wie bei den meisten Dingen nimmt die Erfahrung zu, je länger man dabei ist. Wer stricken kann, kann zaubern. Zeit, Wissen und Erfahrung verwandeln ein Fädchen in ein perfektes Einzelteil.

Sogar Socken.

Die Socken im Bild sind übrigens für’s Kind. Größe 47 und in den Farben des Lieblingsvereins. Goat hat er mich dafür genannt. Für alle, die in der Sportsprache nicht so bewandert sind: goat steht für greatest of all time und ich hab’s gerne genommen. Weil so viel Freude mitschwang, sowas wie „wow“ und Dank. Ganz anders als in „Oma Hobby“.

 

Verlinkt zum Samstagsplausch

Die kleine Raupe

Es gibt Pullover, für die brauche ich eine Woche. Vielleicht zwei. Mehr nicht. Nicht, weil ich super schnell bin, sondern weil die Wolle dick und die Anleitung vorgegeben ist. Wie sagt Andrea immer? „Strick doch einfach, was da steht.“ Genau das mache ich. Nicht nachdenken, nicht rechnen. Nur stricken.

Gerade erst habe ich einen Olga Sweater angefangen (den vierten – I knooow) und bin ziemlich sicher, dass ich ihn diesen Winter noch tragen werde. Ich kenne die Anleitung, die Wolle lag hier, Streifen gehen eh schneller als einfarbig. Alles easy.

Dann gibt es aber auch andere Dinge – im konkreten Fall ein Schal – , an denen arbeite ich über drei Monate. Gleiche Maschenzahl von Anfang bis Ende, kein Hexenwerk, aber eben auch keine Anleitung. Da halten sich dann stricken und ribbeln, bzw. sticken und aufziehen die Waage.

Aber von Anfang an:

Meine Freundin liebt die kleine Raupe. Deshalb habe ich ihr vor einiger Zeit schon Raupen-Socken gestrickt. Auch die ohne Anleitung, aber mit genug Sockenwolle und genug Ideen (und tatsächlich nie verbloggt, kann das sein?!).

Sie hat sich total gefreut, trägt und liebt die Socken.

Deshalb jetzt also noch eine Raupe. Dem vorausgegangen war das Bild eines Schals, den ich auf Instagram gesehen, nicht geliked und (Überraschung) nie mehr wieder gefunden habe. Dann hat mir meine Nichte einen anderen Schal gezeigt, der ihr aufgefallen war. Da hatte die Raupe an einem Schal-Ende den Kopf und am anderen eine Art integrierten Beutel, in dem gehäkeltes Obst versteckt war. Beide Schals super originell, aber beide nicht das, was ich wollte. Ich wollte ein „Sophie Schal Äquivalent“. Einen kleinen Schal, der fix umgebunden ist und den Nacken wärmt.

Natürlich hatte ich nicht ein einziges Knäuel in der richtigen Farbe … Geholfen hat – wie so oft – Liljedal Verkhus und so waren die Ringel schnell gestrickt. Im Rippenmuster für mehr Haptik.

Dann kam der Kopf. Auch der im gleichen Rippenmuster, einfach, weil’s dann besser aussieht. Viel zu spät habe ich erkannt, dass das Aufsticken der Augen damit (für mich, weil Perfektionistin) unmöglich wurde. Aber italienisch angeschlagen und abgekettet. Nur das Beste für Raupe und Freundin 😉

Nach dem Kopf die Füße. Vorne vier, hinten zwei (warum eigentlich? Weiß das jemand?). Wie so oft war der Mann schärfster (und deshalb bester) Kritiker meines Werks … Jedes Raupendetail hat er mit mir überlegt, bedacht, und deshalb die (anfangs zu) langen Beine moniert. Er hatte Recht.

Kompliziert waren dann tatsächlich die kleinen gelben Haare auf dem Rücken der Raupe. Setae heißen sie, habe ich gelernt. Gefunden habe ich letztendlich bei La Laine ein ziemlich flusiges Garn von LanaGrossa mit einem Farbverlauf von Zitrone nach Dotter. Ein Einzelstück – manchmal hat man eben Glück! Oder eine Freundin, die schubst, wenn nötig …

Damit habe ich einmal Kettmaschen über den Raupenrücken gehäkelt. Anfangs sah das nach nichts aus, aber je öfter ich den Schal in der Hand hatte, um daran zu arbeiten, umso deutlicher entstand der „Halo“, den ich haben wollte.

Schließlich habe ich vom 20. Januar bis zum 2. Februar gehäkelt, geflucht, gestickt, gehadert, um der kleinen Raupe ein Gesicht zu geben. Klappte alles nicht. Geworden ist es am Ende eine gestrickte grüne Pupille, eingefasst von gehäkelter gelber Regenbogenhaut. Die fertigen Augen sind aufgenäht. Die Nase ist eine Noppe und die Fühler sind ein iCord, bei dem ich auf halber Strecke Maschen zugenommen habe.

Und so sah sie dann aus:

Fehlt noch was? Ich glaube nicht.

Also habe ich die fertige Raupe in Seidenpapier gepackt, in eine kleine, flache Kiste gelegt und losgeschickt. Natürlich kam es erst zu Lieferverzögerungen, ehe das kleine Paket nicht zugestellt werden konnte. Die Freundin musste es abholen.

Ein weiter Weg, ehe wir beide gejubelt haben: die Freundin über den Raupen-Schal und ich über die gelungene Überraschung.

Vielleicht ist das das Schönste am Stricken 🐛.

Früher

Früher konnte man in Berlin einfach so eine Wohnung mieten. Früher … das liest sich wie eine Geschichte von Großeltern, also lange her. Ist es aber nicht. Nur 15 Jahre, vielleicht 20.

Als ich nach Berlin kam, habe ich mir überall in der Stadt Wohnungen angesehen. Eine war dabei, der ich immer noch ab und an hinterher weine: 120 qm, 4 Zimmer, für 800 DM (DM!). Sie liegt keine 500m von der Wohnung entfernt, in der der Sohn bis Ende Januar ein WG-Zimmer hatte. 20 qm für 650 Euro.

Die Zeiten haben sich geändert.

Nun ist er also wieder zu Hause. Es ist ein bißchen wie früher – nur eben doch ganz anders.

Kinder, die einmal ausgezogen sind, wollen nicht zurück in ihr Kinderzimmer. Und Eltern, die natürlich immer Eltern bleiben, sind im Idealfall auch ziemlich gerne einfach nur ein Paar. Zumindest bei uns ist es so.

Einkauf und Wäsche, Aufgabenteilung, Abläufe – alles hatte in den vergangenen zwei Jahren einen Rhythmus. Den hat es jetzt nicht mehr. Das hat sein Gutes, zumal ich merke, wie schwer es mir fällt, Gewohnheiten zu ändern. Und doch ist es gelegentlich auch mühsam.

Finden wir alle.

Früher konnte ich ihm hinterherrufen „Setz eine Mütze auf“ – heute beiße ich mir auf die Zunge, um genau das nicht zu tun. „Stehst Du bitte auf“, „Wann bist Du zu Hause?“, „Essen wir zusammen?“ … geht alles nicht mehr. Will ich auch nicht, hält sich aber hartnäckig.

Und dann das nachsichtige Grinsen anderer – na? Hotel Mama? Auch das will ich nicht. Trotzdem räume ich Schuhe Größe 47 aus dem Flur, bevor ich drüber stolpere, wasche die Wäsche für drei und schlafe erst richtig, wenn ich weiß, dass er zu Hause ist.

Gestern Abend open gym, Basketball bis Mitternacht irgendwo in Neukölln. Heute früh die erste Klausur an der Uni. Hätte ich anders gemacht, sage ich aber nicht.

Stattdessen erinnere ich mich, wie es bei mir früher war. Eine Nacht nicht geschlafen? Egal. Frische Bettwäsche alle zwei Wochen? Pfffft … Rechtzeitig lernen? Ja, wollte ich ja, aber dann hat’s doch irgendwie nicht geklappt. Was immer ich tat oder nicht tat, war meine Entscheidung.

Nicht jede dieser Entscheidungen war vernünftig. Aus allen habe ich gelernt. Alleine. Meine Eltern waren 8 Bahnstunden entfernt.

Rückblickend gibt es da einiges, was mir heute hilft stillzuhalten und dem Sohn zu wünschen, dass er bald wieder ein Zimmer findet. Dass er wieder entscheiden kann, was wir wissen sollen und was vielleicht besser nicht.

Bis dahin mühen wir uns alle in unserer WG, die keine ist, weil wir eben doch Familie sind und keine Wohngemeinschaft.

Heute Abend kocht er, hat er gesagt. Nach der Klausur kauft er ein, was er dafür braucht. Mein wunderbares, großes Kind.

 

 

Corrugated heißt gewellt, gerippt, geriffelt oder gefaltet. Musste ich nachgucken. Corrugated hat ist der Name der schönen Mütze auf den Bildern, die ein Freund des Sohnes sich gewünscht hat.

Sie sei Zeitenspringerin schreibt Andrea heute in ihrem Blog. Ich bin es auch. Nur anders.

Rote Mützen

Rot ist die Farbe der Wut. Momentan sind viele Menschen wütend in Minnesota und ich kann sie nur zu gut verstehen! Umso mehr beeindruckt es mich, wie friedlich sie dennoch sind. Sie ziehen bei minus 20 Grad durch die Straßen der Stadt, um gegen das Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE zu protestieren.

Friedliche Proteste sind in den USA durch das First Amendment der Verfassung, das Recht auf freie Meinungsäußerung und Versammlung, geschützt. Behörden dürfen friedliche Demonstrant*innen nicht willkürlich festnehmen oder Gewalt anwenden, solange sie nicht die Rechte anderer verletzen. Erst wenn eine Demonstration nicht mehr als friedlich gilt – etwa weil Teilnehmende Gewalt anwenden, Sachschäden verursachen oder Polizeianweisungen ignorieren – kann die Polizei sie für illegal erklären und eingreifen. Der ist dann der Moment der Nationalgarde. Ich bin überzeugt davon, dass der Orange Man genau darauf lauert.

Wird aber nicht passieren!

Stattdessen werden überall rote Mützen mit Quaste gestrickt, getragen und die Bilder geteilt. Diese Mützen sind eine Neuinterpretation einer historischen Protest‑Mütze, die Norweger:innen im Zweiten Weltkrieg als Zeichen des Widerstands gegen die Nazibesatzung trugen. Binnen kurzer Zeit wurde sie damals zu einem Symbol der Hoffnung und des gemeinsamen Widerstands und das kam so:

Während der deutschen Besatzung Norwegens (1940 -1945) wurde eine rote Quastenmütze, gestrickt aus grober Wolle, anfänglich ganz normal im Alltag getragen. Mit der Zeit begannen dann Widerstandsgruppen und patriotisch gesonnene Norweger*innen, die Mütze bewusst zu tragen, um ihre Zugehörigkeit zum Widerstand oder ihre Ablehnung der Besatzer zu zeigen. Die wiederum verstanden bald, dass die Mütze zu einem stillen Symbol der Solidarität und des nationalen Zusammenhalts geworden war. Und das gefiel ihnen nicht.

Qua Gesetz verboten wurde die rote Mütze damals zwar nicht, aber Menschen, die offen damit auftraten, konnten als verdächtig gelten und riskanten Repressalien ausgesetzt sein. Denn jedes sichtbare Widerstandssymbol wurde streng überwacht.

Genau wie damals, soll die rote Mütze nun solidarisches Handeln und friedlichen Protest sichtbar machen – wenn auch in einem modernen Kontext und nicht in Norwegen, sondern in den USA. Durch das Stricken, Tragen und Teilen der Mütze zeigen Menschen, dass sie hinter den Betroffenen stehen. Gleichzeitig ist es eine gewaltfreie, kreative Form des politischen Ausdrucks, ähnlich wie die Norweger*innen damals ihre Mütze als Zeichen von Mut und Zusammenhalt nutzten.

Eine erste Anleitung wurde vor wenigen Tagen auf Instagram von dem Wollgeschäft Needle & Skein in St. Louis Park / Minneapolis vorgestellt und (zum Preis von gut 5 US$) verkauft. Der gesamte Verkaufserlös geht dabei an lokale Unterstützungsorganisationen in der Region um Minneapolis/St. Paul, um Menschen zu helfen, die von Maßnahmen der US‑Einwanderungsbehörde ICE betroffen sind. Über 400.000 US$ haben sie bereits eingenommen.

Rot ist nicht nur die Farbe der Wut, es ist auch die Farbe der Liebe.

„I’m sure you’ve heard of the things going on in Minneapolis“, schreibt eine Freundin und ich ahne, was kommt: Es geht um Familienangehörige, die Angst vor einer Festnahme haben. Auch sie hat Angst und findet es unfassbar, dass man sich im eigenen Land nicht mehr sicher fühlen kann. Die Angst der anderen belaste sie sehr. „M. is going into the city tonight to demonstrate – despite the extreme cold.  I hope she will be OK.  It’s not a good vibe right now.  People are angry, on both sides.“

Wie antworte ich darauf?

Wie so oft, ist meine Antwort aus Wolle.  Ich habe eine Mütze für M. gestrickt. Eine eher freie Interpretation der eigentlichen Melt-the-ICE Mütze: mit kürzerem Bündchen, geänderten Abnahmen und einem Blatt (statt Quaste) als Symbol der Lebens, als Zeichen für Hoffnung. Man kann meine Mütze (mit umgeklapptem Bündchen) wie eine Beanie tragen. Oder als eine Art Zipfelmütze, bei der das Blatt zur Seite oder nach hinten fallen.

Nachdem ich Mützen mit zwei Quasten auf Instagram gesehen habe, habe ich M. gefragt, ob sie ein Blatt möchte oder zwei – jeweils eines für Renée Nicole Good und Alex Jeffrey Pretti, die in Minneapolis erschossen wurden. Dazu habe ich ihr die Bilder geschickt, die hier jetzt auch sind. M. hat gejubelt. “ I LOVE it!!!  Two leaves – please. You are so thoughtful.“

Morgen schicke ich die Mütze nach Minneapolis.

Was das bringt? Es ist eine friedliche, kreative Art, Solidarität zu zeigen, Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken und Gemeinschaft zu schaffen. Wie geschrieben, fließt der Verkauf der Anleitung (aber auch von fertigen Mützen) direkt an Organisationen, die Betroffene unterstützen. Und – last but not least –  gibt das Stricken denen, die stricken, aber ebenso denen, die die Mützen tragen, ein Gefühl von Einfluss und Engagement – ein kleines, sichtbares Zeichen für einen größeren Zweck.

Wer weiß – vielleicht ist auf der nächsten Mütze die Flagge von Grönland.

 

Verlinkt zu Andreas Samstagsplausch