Sag eine Anleitung hat Blüten, Blätter oder beides und ich bin dabei – meistens zumindest. Sonst hätte ich nicht so gekämpft, um nach sechs Versuchen endlich einen (passenden!) Birkin-Pullover zu haben.
Oder jahrelang kleine Blätter gestrickt, die ich in unseren Ferien überall in Frankreich verteilt habe. Nun sind wir eine Weile nicht mehr gereist oder ich habe zu schnell gestrickt. Das kann auch sein. Fakt ist, dass hier noch ziemlich viele Blätter in einer schönen Blechkiste lagen.
Der Zufall wollte es dann, dass beim taz lab ein Stand der Omas for Future war, von denen ich vorher tatsächlich nie gehört hatte. Sie machten Werbung für das Projekt ARTagainstEcocide: Häkelblumen, mit denen auf Artensterben und Umweltzerstörung aufmerksam gemacht werden soll. Mehr noch, die Initiator*innen fordern, dass Ökozid politisch anerkannt wird und dass Umweltverbrechen konsequent bestraft werden.
Seit Beginn des Projektes haben sie überall in Deutschland Blüten gehäkelt. Leider ohne (für mich sichtbar) in den sozialen Medien dafür zu werben. Vielleicht war ich aber auch nur in einer anderen Blase. Wer hier mitliest weiß, dass ich zurückkhaltend bin, wenn es darum geht, irgendetwas mit „Oma“ zu benennen … Seien es Oma-Hobbys oder Oma-Vereine.
Wie dem auch sei, über den Winter sind überall in Deutschland nicht nur mehr als 30.000 kleine Kunstwerke entstanden. Menschen mit unterschiedlichen Ansichten und Überzeugungen sind miteinander ins Gespräch gekommen. Sie haben zu Themen wie Klimaschutz, Verantwortung und Nachhaltigkeit diskutiert und sich vernetzt. Sowas gefällt mir ja!
In den Tagen nach taz lab dachte ich, wer Blüten mag, mag auch Blätter. Also habe ich idie Berliner Omas for Future per Mail angeschrieben, ob sie Interesse an meinen Blättern hätten. Und siehe da – sie hatten! 125 kleine Blätter machten sich auf den Weg.
Klar wollte ich dann auch sehen, ob meine Blätter nun zu einem Teil des Kunstprojektes geworden sind und so sind der Mann und ich vergangenen Sonntag ans Brandenburger Tor gefahren.
Dort sollten die Blüten in einer Art Blütenteppich ausgelegt werden.
Und das wurden sie!
Verbunden mit einer Tanz-Perfomance von weiß gekleideten Menschen (nicht so meins leider), viele mit Blumenkränzen um die Stirn (auch nicht meins), wurden unfassbar viele kleine Blütenteppiche aneinander gelegt. Die Idee, die Einzelteile im Anschluß zusammenzulegen und wieder mitzunehmen, fand ich genial! So verrottet nichts oder wird Müll. Jeder der kleinen Teppiche kann immer wieder verwendet werden.
Aber zurück zur Veranstaltung: Passanten blieben stehen, die meisten lachten und freuten sich. Sie bewunderten einzelne Blüten und das Projekt als Ganzes. Manche tanzten sogar mit. Es wurden unglaublich viele Bilder und Selfies gemacht. Das Wetter war toll und mit dem Brandenburger Tor und dem sprichwörtlichen Himmel über Berlin als Kulisse, war es ein rundes, schönes Event.
Das sahen leider nicht alle so … Zwischen vielen begeisterten Kommentaren unter dem Instagram Post des ZDF stand dann auch “ Warum sammeln sie nicht einfach Müll auf und schwupps ist die Welt etwas besser. Häkeln in der warmen Bude ist natürlich viel bequemer.“ Oder: „Wieviel Steuergelder sind in dieses ABSTRUSE Projekt wieder geflossen!!?? Die Omis sollen mal jeden Tag in den Görlitzer Park gehen und unseren Fachkräften den Dreck hinterher räumen!! Das wäre mal eine Win – Win Situation!!“ und „Warum berichtet das links-grün-woke und zwangsfinanzierte ZDF über solch einen Unsinn?“
Keiner dieser Kommentare ist angemessen, keiner passt zu Thema oder Anlaß, keiner ist sachlich. Ich will denen auch gar nicht so viel Raum geben. Aber es hat mich geärgert. Ich werde nie verstehen, warum man andere nicht machen lassen kann. Aber offenbar ist das so.
Bei allem war es gar nicht so einfach, unter zwischenzeitlich 36.000 (!!) Blüten, meine kleinen Blätter zu finden. Umso glücklicher war ich über jedes einzelnen, wenn ich es entdeckt habe.
Zurück zu Hause, habe ich mich dann gleich wieder an Blätter aus Wolle gesetzt: wenn auch keine kleinen, sondern größere in der Passe einer täglich wachsenden Jacke. Die Wolle ist handgefärbt und heißt Feuermond. Finde ich super passend für den orangeroten Farbton, läßt sich nur leider überhaupt nicht fotografieren.

Die Anleitung ist zum dritten Mal Dahlia Barn. Nach zwei Kinderjacken stricke ich nun (nach der gleichen Anleitung) eine Jacke für mich. Dieses Mal allerdings mit dickerer Wolle (spart mir das Umrechnen) und verlängerten Raglanlinien. Und alles passt!
Bis hin zu den unfassbar schönen Knöpfen, die mir die Strickmamsell vor einiger Zeit geschenkt hat. Ich mag sie so sehr, dass ich sie – entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten – angenäht habe (die Knöpfe, nicht die Strickmamsell 😉), noch bevor die Jacke fertig ist.
Blüten und Blätter – genau mein Ding! Und das wird sich wohl auch nie ändern.
Verlinkt zum Samstagsplausch





Unter dem Motto „Jetzt mal Tacheles – liebevoll & rabiat“ fanden am 25. April 2026, im und um das taz Haus herum, Podiumsdiskussionen, Workshops, Lesungen, Vorträge und Podcasts parallel auf 11 Bühnen statt. Jede Veranstaltung eine gute Dreiviertelstunde lang, manche länger. Fast alle ohne Anmeldung. Wie immer man das dann nennt. Festival? Convention?
Damit waren wir übrigens nicht alleine. Es war phasenweise ziemlich voll, vielleicht auch bißchen chaotisch, aber alle waren – erwartungsgemäß – freundlich. Und grauhaarig. Auch das eher keine Überraschung. Trotzdem: die Jungen waren auch da. Das hat mich sehr gefreut!
Nach gut einer Stunde bin ich weitergezogen, um an einer anderen Bühne dem Soziologen
Echt interessant war auch „Marilyn Monroe und der männliche Blick“ mit 
Mittlerweile ist auch der Garten auf der Liste all dessen, was mich meinen inneren Frieden kostet. Giersch und Hopfen, Brombeeren und Löwenzahn. Ich fange an einem Ende an und am anderen wächst es wieder. Und sollte ich es doch unter Kontrolle bekommen, kommt vom Nachbargrundstück „Nachschub“.
Im Gegenteil. Mit jedem Jahr, das ich älter werde, wird der Garten größer. Zumindest fühlt es sich so an.
Mitte Mai ist Termin. Sie werden einen Tag brauchen, haben sie gesagt. Einen Tag, um zu mähen, zu vertikutieren und zu düngen wo immer möglich. Und alle Flächen, die nur so „halb gut“ sind, bekommen neuen Rasen. Vorausgesetzt, ich habe bis dahin alles, was da wuchtert, entfernt.
Erstaunlicherweise motiviert mich das. Immer, wenn ich kann, bin ich draußen, grabe und ziehe. Vielleicht, weil ich das Gefühl habe, da packt jetzt (außer mir) jemand mit an und am Ende wird alles gut.
Also habe ich mich die letzten Wochen immer mal wieder mit Sashiko Stickerei beschäftigt. Sashiko ist eine traditionelle japanische Sticktechnik, die ursprünglich aus der Notwendigkeit entstand, Kleidung haltbarer zu machen. Also genau das, was ich brauche. Übersetzt bedeutet Sashiko „kleine Stiche“ und nichts anderes ist es: kleine, einfache Stiche, in sich wiederholenden Mustern, mit denen man Stoffe reparieren und verstärken kann, während superschöne, geometrische oder florale Muster entstehen. In der Regel sind sie weiß auf indigo-blauem Stoff.
Können muss man eigentlich nichts dafür. So lange Stiche und Zwischenräume möglichst gleich lang werden, ist alles gut. Und auch die Materialkosten sind überschaubar. Ich habe zwei Sashiko-Nadeln gekauft (sie sind deutlich länger als andere Nadeln), Sashiko-Garn (fester als Stickgarn) und ein Blatt wasserlösliches Stickfliess. Das war’s.
Die ausgefransten Kanten der Taschen (ich hätte vorher ein Bild machen sollen, habe ich aber nicht), sind einfach nur mit Stickgarn eingefasst. Keine Ahnung, ob und wie lange das hält, aber da wollte ich Farben haben. Und jetzt sticke ich weiter, so lange mein Faden und der Bogen Stickfließ noch reichen.
Dem Sohn hat die Idee der Sashiko-Reparatur dann so gut gefallen, dass ich Sorge hatte, die Hose wieder rausrücken zu müssen. Nur passt sie ihm nicht mehr. Manchmal hat man eben Glück 😉
So sah es aus.
Warum ich das erzähle? Es gibt (unbedachte) Kommentare, die so unfassbar viel kaputt machen können. Das Kind ist mittlerweile erwachsen, ein Künstler wurde aus ihm nie. Er hätte Zuspruch gebraucht (nicht nur von seiner Mutter), Motivation und ja, er hätte vielleicht auch üben müssen. Aber da wurde nichts draus. Vielleicht, weil die Kunstlehrerin (und in Konsequenz auch die Schulnote) die gleiche blieb, bis er Kunst abwählen konnte.