Rezension: Wollfühlreise in den Norden

Wollfühlreise in den Norden. Wollfühlreise … hm. Ein Kunstwort. Ich verstehe die Motivation dahinter und doch ist es (um das Ende vorweg zu nehmen) neben dem vielen Gold auf dem Cover, das einzige, was ich an diesem Buch nicht so gelungen finde.

Alles andere ist perfekt!

Und ich war wirklich neugierig vorab! Zum einen, weil sich meine Wege mit denen der beiden Autorinnen seit Jahren überschneiden. (Eine der beiden ist eine Freundin. Die andere wäre es vielleicht, lägen nicht so viele Kilometer zwischen uns). Aber auch, weil ich weiß, dass beide Profis sind. Sie stricken dabei gleichermaßen besonders, wie unterschiedlich und auf die Kombination war ich echt gespannt!

Sophia ist die Personifikation von „Stricken ist Mathe“. Sie strickt FairIsle Kleider in Nadelstärke 2,5, steekt (d.h. zerschneidet Wolle) mit der Gelassenheit mit der andere rechte Maschen stricken und gradiert Pullovergrößen im Kopf. Mich fasziniert das total! Gleichzeitig spornt es mich an, es ihr gleich zu tun (also nicht das mit dem FairIsle Kleid). Ich liebe es, mit ihr über Anleitungen zu sprechen, schätze ihren scharfen Verstand und über allem dieses latent nerdige, coole, eigene.

Tanja ist eine Designzauberin. Sie ist unglaublich kreativ (297 Designs auf Ravelry), mit einem feinen Gespür für Warderobe-Essentials, aber auch für das, was in der nächsten Saison gefragt ist. Damit trifft sie zuverlässig ins Schwarze. Ihr Gefühl für Muster und Garne geht weit über die jährliche Socktober-Socke hinaus.

Ich wußte also, dass es ein schönes Buch werden würde, ohne auch nur eine der 20 Anleitungen vorab gesehen zu haben. Klar freue ich mich jetzt, dass es genauso gekommen ist.

Eins noch vorab, ehe ich Euch „mit ins Buch“ nehme: Es ist eins der wenigen Male, dass ich ein Strickbuch rezensiere, ohne auch nur eins der Modelle nachgestrickt zu haben. Nicht, weil ich das nicht möchte, sondern weil ich bisher nicht dazu gekommen bin. (Das Buch ist so neu, es ist noch „warm“). Allerdings habe ich in der Vergangenheit bereits mehrfach Designs der Beiden gestrickt, so dass ich sicher bin, eine Erfahrungsgrundlage zu haben, die über einen bloßen ersten Eindruck hinausgeht. Anders formuliert: ich weiß, dass beide super sorgfältig arbeiten, ihre Anleitungen fachlich beherrschen und so hohe Ansprüche an sich selbst und ihre Veröffentlichungen stellen – es wäre wohl vermessen, das in Frage zu stellen 😉

Aber jetzt zum Buch: inspiriert von den Landschaften und der textilen Tradition Skandinaviens, der Britischen Inseln und des Baltikums haben Tanja und Sophia eine Kollektion zusammengestellt, in der ganz sicher jede fündig wird.

Natürlich gibt es Socken (Tanja), aber auch Fäustlinge (Sophia), einen Rundpassenpullover (Tanja) und einen Cardigan (Sophia) – es ist verrückt, wie ich die Modelle ansehe und jedes gibt die „Stricksprache“ der Designerin wieder. Ich weiß einfach, wer was entworfen hat! – außerdem Mützen, Stirnbänder, Lacetücher, ein Untersetzer, Küchentücher, Pulswärmer und so viel mehr, dass ich das Inhaltsverzeichnis fotografiert habe. Seht also selbst:

Mein spontanes Highlight war der kleine Adventskalender-Handschuh. Musste ich drüber lachen. 2023 brauchte ich einen von mir initiierten knitalong, um monatlich zwei vergleichbar kleine Handschuhe zu schaffen und dann zum Jahresende einen Adventskalender zu haben.

Sophia hat da jetzt einfach einen Geschenkanhänger draus gemacht, für alle, die (wie ich im ersten Anlauf) nicht über den ersten Handschuh hinauskommen. Es lohnt definitiv einen Versuch!

Stricken werde ich aber wohl trotzdem zuerst den Untersetzer. (Aus Gründen). Und auf jeden Fall die Puschen. Die sind echt schön und mit 7er Nadeln gestrickt bestimmt auch super warm.

Dieses Wochenende möchte ich mir die vorgestellten Techniken ansehen. Steeken habe ich (dank Sophia) schonmal gemacht, Thrumming oder Roosimine sind allerdings neu. Da gucke ich vielleicht auch noch mal nach den jeweiligen Anleitungen. Sieht so aus, als würde die Liste all dessen, was ich stricken möchte, länger, bereits während ich schreibe …

Kurz: ein schönes Buch, auf schönem Papier mit schönen Bildern und sehr verführerischen Designs. Das bleibt auf jeden Fall bei mir und (hoffentlich!) bald zeige ich, was ich daraus gemacht habe.

Danke für das Rezensionsexemplar! Das hat mich echt gefreut (und tut es noch).

 

Transparenzhinweis: Das besprochene Buch wurde mir vom Frech-Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Die in dieser Rezension geäußerten Ansichten und Bewertungen spiegeln ausschließlich meine persönliche Meinung wider und wurden in keiner Weise vom Verlag beeinflusst oder vorgegeben.

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