Rezension: Nordisch Stricken – Nahtlos mit der Strange Brew Methode

[Werbung] Alexa Ludeman und Emily Wessel sind die Frauen hinter TinCan Knits. Erst Kolleginnen in einem Wollgeschäft in Kanada, wurden sie bald Freundinnen, um 2010 ein gemeinsames Wochenende an der Pazifik-Küste Kanadas zu verbringen. Eine Reise, die das Leben der Beiden verändern sollte. “Sitting in the sand, under the stars”, schreibt Alexa auf ihrer website, “Emily suggested we might design a pattern together, but I said no – we should write a book. And that was the beginning of our Tin Can Knits journey.”

Heute (elf Jahre später) lebt die eine mit ihrer Familie in Schottland, die andere unverändert in Kanada und zusammen haben sie über 170 Anleitungen und 9 Bücher veröffentlicht. Zwei Männer, fünf Kinder und über 146.000 Follower lieben sie. Ich zähle mich sehr gerne dazu.

Weil sie das, was sie können, so wunderbar erklären und so großzügig zur Verfügung stellen. Weil ihre Anleitungen nicht nur schön, sondern immer auch intelligent gemacht sind. Weil beide sich mit ihren Familien für Gleichberechtigung, Respekt, Inklusion und gegen Diskriminierung einsetzen. Und weil sie bei allem so herzlich und “normal” rüberkommen, dass jedes Bild und jeder Text einfach Spaß machen.

Wenn Ihr es nicht schon tut, folgt ihnen unbedingt und bald, sonst verpasst ihr die diesjährigen Weihnachtspullover 🎄.

Ihr Buch Nordisch Stricken – Nahtlos mit der Strange Brew Methode (im Original: Strange Brew. a colorwork knitting adventure), wurde jetzt ins Deutsche übersetzt. Als ich die Vorankündigung gelesen habe, wußte ich, dass ich es unbedingt haben möchte. Gestern wurde es mir vom Stiebner-Verlag als Rezensionsexemplar zugeschickt. (Danke! Danke! Danke! 😘)

Strange Brew heißt übersetzt ‘seltsames Gebräu’ – als solches beschreiben Emily und Alexa ihre (Design-)Reise nach Island 2017, zu der sie außer ihren Partnern und Kindern auch ziemlich viel Wolle mitnahmen. Aus eben dieser Wolle entwarfen sie dann ein Baukastensystem für alltagstaugliche Norweger-Pullover, die auch Anfänger:innen stricken können. Mit Rundpassen für jede Größe vom Neugeborenen bis 4XL (25 Größen insgesamt) und in drei verschiedenen Garnstärken. Kurz: Komprimiertes Wissen zu Techniken, Konstruktion, Größen, Garnen und Farben, schnell verfügbar und einfach anzuwenden – TinCan-Niveau eben. (Für die, die es nicht wissen: Tin Cans sind Konservendosen.

Natürlich kann man es sich einfach machen und eine der im Buch erklärten Anleitungen nacharbeiten. Gleichzeitig bieten die Designerinnen jedoch das Werkzeug, eigene Pullover zu entwerfen, top-down oder bottom-up, mit Zu- oder Abnahmen an den richtigen Stellen und überdies Erklärungen, wie man individuelle, eigene Muster komponiert.

All das vermittelt das Buch dreigeteilt: 45 Seiten erklären das Wie. Also von der Methode, über das Angleichen von Mustern, den Aufbau der Passe, verkürzte Reihen und die Keil-Methode bis zum Steg fürs Steeken. Das wirkt auf den ersten Blick fast ein bißchen furchteinflößend. Zumindest auf mich. Viele, andersfarbige Tabellen, unendliche Zahlen, Charts und Tipps, aber einmal damit vertraut, ist es einfach und unfassbar logisch.

Dann kommen die Anleitungen: Eröffnungsmuster (wenn es das Wort gibt) und dabei eine eigene Kollektion aus drei Teilen ist Anthologie: eine Mütze, ein Loop und ein Schlauch-Loop, an Hand derer Farben und Muster ausprobiert werden können – große Maschenproben sozusagen, wobei am Ende ein fertiges Accessoire steht. Dann folgen 12 Anleitungen. Die meisten gezeigt in zwei Farbkombinationen und zwei verschiedenen Größen. Und die sind so schön, dass ich auf Anhieb gar nicht wüßte, warum ich mir ein eigenes Muster oder andere Farben ausdenken sollte.

Am Schluß – das sind noch mal 20 Seiten – kommt das, was in anderen Büchern ‘Technik’ heißt: alles von Garnempfehlungen, Vorlagen, Fertigstellung und Pflege bis hin zum Sinn von Maschenproben. Und ganz zum Schluß ein kurzer, liebevoller Dank an die Partner, (Sahneschnittchen nennen sie die in der Übersetzung) die das Modeln so leicht aussehen ließen – trotz eisigem Wind und zankenden Kindern.

Toll! Wirklich toll!

Es ist wirklich ein besonderes Buch. Natürlich kann man sich eine Anleitung rauspicken, nachstricken und sich darüber freuen – das wäre kurzfristiger Erfolg. Ich empfehle jedoch dringend die Alternative: erst lesen (und zwar von der ersten bis zur letzten Seite), lernen und verstehen, dann erst stricken. Denn dann kann einem langfristig keiner mehr was. Zumindest nicht wenn es um Rundpassen-Pullover geht.

Sollte ich meckern wollen (meckern auf hohem Niveau) wäre es die Sprache der Übersetzung. Es liest sich nicht “deutsch”, sondern “übersetzt deutsch”. Eine blumige Sprache, die sich (für mich) irgendwie gekünstelt anhört, Formulierungen, die ich so nie verwenden würde. Bei einem Pullover, der bottom-up gestrickt wirde, heißt es beispielsweise, “Stricken Sie ihn von unten nach oben, um in Fahrt zu kommen!” Ich kann nur vermuten, dass im Original “to get going” steht. Aber würde ich das so übersetzen? Eher nicht. Es tut allerdings dem Charme des Buches keinen Abbruch.

Ich werde das Buch auf jeden Fall nicht zu weit weg legen und dann (sobald wieder Pullover-Nadeln frei sind) neu anschlagen. Ihr seht es hier bei mir also bald wieder! (Übrigens nicht nur bei mir, sondern auch bei Andrea. Auf ihre Rezension bin ich sehr gespannt!)

 

 

 

 

 

 

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
8 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
Andrea Karminrot
Andrea Karminrot
23 Tage zuvor

Ich sehe mir mein Buch auch immer wieder an.
So schön finde ich es. Da bleibt einem doch nichts anderes übrig als kreativ zu werden.
Liebe Sonntagsgrüße
Andrea

Tüt
Tüt
23 Tage zuvor

Das sieht ziemlich interessant aus, ist sicherlich auch ein guter Weihnachtswunsch 🙂 Merke ich mir!

Magda
Magda
22 Tage zuvor

Ich habe das Buch auch schon adoptiert und auch daraus schon ein Projekt auf den Nadeln. Deine Begeisterung kann ich nur teilen. Das ist auf meiner Strickbuch Rangliste echt weit oben.

pia
pia
22 Tage zuvor

Accessoires als große Maschenproben. Das gefällt mir!
Tolles Buch. Schöne Idee, statt gecasteter Modells die eigene Familie abzubilden. Auch wenn in meinem Kopfkino gerade eine Zeitreise in die 90er zur Kelly-Family abgeht 😀