Authentisch

Authentisch – das ist eins der Worte, bei denen ich mir nie sicher bin, ob ich es richtig schreibe. Vielleicht wegen des „th“ in der Mitte. Eben bin ich wieder daran hängen geblieben und habe daraufhin mal nachgesehen, woher das Wort eigentlich stammt und ob seine Bedeutung immer die gleiche war.

Und – siehe da – war sie nicht.

In der Antike wurde authentisch nur für Dokumente verwendet, die als Original galten. Im Mittelalter stand es eher für „beglaubigt und nicht gefälscht“ und wurde entsprechend bei offiziellen Dokumenten oder religiösen Texten genutzt. In der Neuzeit konnten dann auch Kunstwerke, historische Gegenstände oder Traditionen authentisch sein und heute ist der Begriff noch mal weiter gefasst: Verhalten, wenn es zu den eigenen Werten oder Gefühlen passt, zum Beispiel. Und dann gibt es authentische Menschen – die gelten als natürlich, unverstellt, ehrlich.

Fand ich spannend!

Wenn ich also in meinem Blog stärker auf Authentizität achten würde, würde sich dann der Inhalt verändern oder vielmehr nur die Haltung, aus der heraus ich schreibe? Denn authentisch zu schreiben bedeutet ja nicht, alles preiszugeben oder jeden Gedanken ungefiltert zu veröffentlichen. Es bedeutet eher, dass das, was ich teile, wirklich meiner eigenen Perspektive entspricht.

So gesehen, ist das hier dann doch ziemlich authentisch.

Ganz authentisch ist, dass ich aktuell mit einer Kinderjacke hadere: Dahlia Barn. Ein kleines Mädchen soll sie tragen, wenn es bei der Hochzeit seiner Tante Blumen streut. Und plötzlich ist da immenser Druck. ALLE werden das Kind sehen und ALLE seine Jacke.

Das Maschenbild ist nicht so schön (wie es sein könnte), die Wolle vielleicht doch zu dünn, die Jacke sicherlich zu klein bis zur Hochzeit … Bekloppt! „Wenige Menschen haben ein so geschultes Maschen-Auge“ hat mir eine Strickfreundin geschrieben, der ich ein Bild geschickt habe und dass die Jacke sicher passen wird, wenn ich mich an die Maße gehalten habe (habe ich).

Sie hat Recht. Und doch …

Ich stricke sicherheitshalber eine zweite. Andere Wolle, dickere Nadeln, mehr Konzentration. Wunderbares Maschenbild, am Ende auch bißchen größer, aber wahrscheinlich zu warm und zu schwer für den Sommer.

Authentischer kann man wohl kaum beschreiben, was im Kopf strickender Menschen vorgeht … 🙃.

 

 

Verlinkt zum Samstagsplausch

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4 Comments
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Andrea Karminrot
21 Tage vor

Warum nur habe ich nichts anderes von dir erwartet. Als ich die Jacke gesehen habe, hast du schon gehadert (auch ein schönes altes Wort) Ich habe schon gedacht, entweder ribbelt sie oder macht noch eine. Ich finde sie in dünn schön, ich finde, sie ist perfekt und wird passen und das Kind unglaublich stolz und glücklich machen, dass sie mit deiner Jacke Blumen streuen darf.
Frohes stricken
Andrea

nina wippsteerts
21 Tage vor

Egal, welche Deiner Jacken es dann wird, die Trägerin wird sie bestimmt gern tragen, denn das was ich jetzt schon sehe, ist wunderschön. Und das kommt von einer, die zur Kommunion eine selbstgestrickte Jacke ihrer Patentante trug, die furchtbar kratzte, die aber (als Weste ohne Ärmel nun) immer noch existiert, weil meine Tante sich so angestrengt hat.
Liebe Grüße
Nina