Manchmal fühlt sich Schreiben falsch an. Im Moment zum Beispiel. Klar könnte ich über die Kälte und den Schnee schreiben, über die Socken, die gestern fertig geworden sind oder über die nächsten fünf Projekte, die ich am liebsten sofort anschlagen würde. Nur fühlt sich das so belanglos an im Vergleich zu dem, was mich umtreibt, wie so viele andere auch.
Ich schreibe hier schon seit Jahren über Wolle und Maschen, über schöne Dinge, die Zeit brauchen und über meine Welt drumherum. Aber ich bin auch Amerikanistin. Das habe ich studiert, weil Sprache, Kultur, Geschichte und Politik dieses Landes mich immer schon fasziniert haben.
The land of the free …
Es gab sogar eine Zeit, in der ich dort gelebt habe und eigentlich nicht geplant hatte, zurückzukommen. Aber das Leben wollte es anders. Wisst Ihr alles, weil ich immer mal wieder darüber geschrieben habe (hier zum Beispiel und hier). Und doch verfolge ich unverändert, was auf der anderen Seite des großen Teiches passiert, intensiver als das, was in anderen Ländern vorgeht und kann das tatsächlich immer schlechter aushalten.
Es verändert meinen Blick – auch auf das, was ich hier tue.
Mag sein, dass ich deshalb momentan stricke, wie besessen. Ich bin dankbar für Zeit (Privileg!) und Ruhe (Privileg!) diesen Rückzugsort zu haben und etwas Schönes tun zu können, während so viel Scheußliches passiert. Aber die Gedanken daran gehen davon nicht weg.
Stricken ist allerdings keine Alternative zum Hinsehen. Also zähle ich Sorgen und Maschen. Lese die Tageszeitung und Strick-Anleitungen. Und schreibe dann doch.
Auflösen kann ich das gerade nicht. Aber vielleicht muß ich das auch nicht. Es passiert ja eh alles gleichzeitig.
Und weil kein Post ohne Bild rausgeht, habe ich die schöne, weiche Volla Mütze fotografiert, gestrickt nach einer Anleitung von Olya Kilic. Eine Ukrainerin, die ihre Anleitung kostenfrei zur Verfügung stellt. Auch das wäre einen Blogpost wert.
Strickt bitte alle die schöne Mütze.
Verlinkt zum Samstagsplausch


Nachdem ich die erste Variante seit Wochen trage und nicht mehr missen möchte, habe ich mich vergangene Woche (endlich!) drangesetzt, alles aufgeschrieben und nochmal nachgestrickt. Bisher passt alles und das sieht eine erste Teststrickerin (danke 💛) hoffentlich genauso.
Vorder- und Rückseite sind nicht gleich (wie auch?), außerdem sieht man auf der Rückseite den blauen und weißen mitgeführten Faden. Stört aber nicht. Weder sie, noch mich. Alle Enden (jeweils zwei weiße, blaue und rote) sind im iCord versteckt.
Nun also Jahresende. Rauhnächte. Aus der Zeit gefallene Tage. Und dann alles neu. Oder anders. Oder auch nicht.
Pink ist keine klassische Sockenfarbe. Und doch war die Farbe in diesem Fall alternativlos. Denn die
Schwarz wurde die Mütze, die ich mir noch am Vorabend für die Beerdigung der ehemaligen Kollegin gestrickt habe. Naßkaltes Wetter, ein friedlicher Platz auf einer kleinen Anhöhe mit Blick auf den See. Ein Blumenmeer und viele Kerzen in der Kapelle, ein Rückblick auf ihr Leben in Fragmenten. So schön gesprochen, dass alle innerhalb der kleinen Trauergemeinschaft irgendwann nach Taschentüchern griffen.
Außerdem habe ich vergangene Woche mit einer weißen Mütze ein kleines Baby begrüßt. Es wohnt seit vergangenem Montag mit seinen Eltern in der Wohnanlage, in der auch mein Büro ist. Weiß mag eine Awareness-Farbe sein, aber danach habe ich nicht geguckt. Mein Weiß steht für Frieden und Hoffnung, Reinheit und Neubeginn. Die 
Ich stricke mit Cotton-Merino von Drops. Das Grün ist in sich meliert und deshalb viel schöner als in meinen Bildern. Vom
15 Hühner laufen um die Passe. Seit gestern Abend ist der Körper fertig. Mit rotem Rand. Mal sehen, ob ich es heute Abend schaffe, mit den Ärmeln anzufangen. Am 20. Dezember würde ich den fertigen Henny Penny Sweater gerne zur Post bringen. Das ist das Ziel.





Und nun trage ich ihn, fühle mich wie Balu, der Bär und möchte eigentlich nichts anderes mehr anziehen.