Es gibt Pullover, für die brauche ich eine Woche. Vielleicht zwei. Mehr nicht. Nicht, weil ich super schnell bin, sondern weil die Wolle dick und die Anleitung vorgegeben ist. Wie sagt Andrea immer? „Strick doch einfach, was da steht.“ Genau das mache ich. Nicht nachdenken, nicht rechnen. Nur stricken.
Gerade erst habe ich einen Olga Sweater angefangen (den vierten – I knooow) und bin ziemlich sicher, dass ich ihn diesen Winter noch tragen werde. Ich kenne die Anleitung, die Wolle lag hier, Streifen gehen eh schneller als einfarbig. Alles easy.
Dann gibt es aber auch andere Dinge – im konkreten Fall ein Schal – , an denen arbeite ich über drei Monate. Gleiche Maschenzahl von Anfang bis Ende, kein Hexenwerk, aber eben auch keine Anleitung. Da halten sich dann stricken und ribbeln, bzw. sticken und aufziehen die Waage.
Aber von Anfang an:
Meine Freundin liebt die kleine Raupe. Deshalb habe ich ihr vor einiger Zeit schon Raupen-Socken gestrickt. Auch die ohne Anleitung, aber mit genug Sockenwolle und genug Ideen (und tatsächlich nie verbloggt, kann das sein?!).
Sie hat sich total gefreut, trägt und liebt die Socken.
Deshalb jetzt also noch eine Raupe. Dem vorausgegangen war das Bild eines Schals, den ich auf Instagram gesehen, nicht geliked und (Überraschung) nie mehr wieder gefunden habe. Dann hat mir meine Nichte einen anderen Schal gezeigt, der ihr aufgefallen war. Da hatte die Raupe an einem Schal-Ende den Kopf und am anderen eine Art integrierten Beutel, in dem gehäkeltes Obst versteckt war. Beide Schals super originell, aber beide nicht das, was ich wollte. Ich wollte ein „Sophie Schal Äquivalent“. Einen kleinen Schal, der fix umgebunden ist und den Nacken wärmt.
Natürlich hatte ich nicht ein einziges Knäuel in der richtigen Farbe … Geholfen hat – wie so oft – Liljedal Verkhus und so waren die Ringel schnell gestrickt. Im Rippenmuster für mehr Haptik.
Dann kam der Kopf. Auch der im gleichen Rippenmuster, einfach, weil’s dann besser aussieht. Viel zu spät habe ich erkannt, dass das Aufsticken der Augen damit (für mich, weil Perfektionistin) unmöglich wurde. Aber italienisch angeschlagen und abgekettet. Nur das Beste für Raupe und Freundin 😉
Nach dem Kopf die Füße. Vorne vier, hinten zwei (warum eigentlich? Weiß das jemand?). Wie so oft war der Mann schärfster (und deshalb bester) Kritiker meines Werks … Jedes Raupendetail hat er mit mir überlegt, bedacht, und deshalb die (anfangs zu) langen Beine moniert. Er hatte Recht.
Kompliziert waren dann tatsächlich die kleinen gelben Haare auf dem Rücken der Raupe. Setae heißen sie, habe ich gelernt. Gefunden habe ich letztendlich bei La Laine ein ziemlich flusiges Garn von LanaGrossa mit einem Farbverlauf von Zitrone nach Dotter. Ein Einzelstück – manchmal hat man eben Glück! Oder eine Freundin, die schubst, wenn nötig …
Damit habe ich einmal Kettmaschen über den Raupenrücken gehäkelt. Anfangs sah das nach nichts aus, aber je öfter ich den Schal in der Hand hatte, um daran zu arbeiten, umso deutlicher entstand der „Halo“, den ich haben wollte.
Schließlich habe ich vom 20. Januar bis zum 2. Februar gehäkelt, geflucht, gestickt, gehadert, um der kleinen Raupe ein Gesicht zu geben. Klappte alles nicht. Geworden ist es am Ende eine gestrickte grüne Pupille, eingefasst von gehäkelter gelber Regenbogenhaut. Die fertigen Augen sind aufgenäht. Die Nase ist eine Noppe und die Fühler sind ein iCord, bei dem ich auf halber Strecke Maschen zugenommen habe.
Und so sah sie dann aus:
Fehlt noch was? Ich glaube nicht.
Also habe ich die fertige Raupe in Seidenpapier gepackt, in eine kleine, flache Kiste gelegt und losgeschickt. Natürlich kam es erst zu Lieferverzögerungen, ehe das kleine Paket nicht zugestellt werden konnte. Die Freundin musste es abholen.
Ein weiter Weg, ehe wir beide gejubelt haben: die Freundin über den Raupen-Schal und ich über die gelungene Überraschung.
Vielleicht ist das das Schönste am Stricken 🐛.


Nun ist er also wieder zu Hause. Es ist ein bißchen wie früher – nur eben doch ganz anders.
Früher konnte ich ihm hinterherrufen „Setz eine Mütze auf“ – heute beiße ich mir auf die Zunge, um genau das nicht zu tun. „Stehst Du bitte auf“, „Wann bist Du zu Hause?“, „Essen wir zusammen?“ … geht alles nicht mehr. Will ich auch nicht, hält sich aber hartnäckig.
Rückblickend gibt es da einiges, was mir heute hilft stillzuhalten und dem Sohn zu wünschen, dass er bald wieder ein Zimmer findet. Dass er wieder entscheiden kann, was wir wissen sollen und was vielleicht besser nicht.
Während der deutschen Besatzung Norwegens (1940 -1945) wurde eine rote Quastenmütze, gestrickt aus grober Wolle, anfänglich ganz normal im Alltag getragen. Mit der Zeit begannen dann Widerstandsgruppen und patriotisch gesonnene Norweger*innen, die Mütze bewusst zu tragen, um ihre Zugehörigkeit zum Widerstand oder ihre Ablehnung der Besatzer zu zeigen. Die wiederum verstanden bald, dass die Mütze zu einem stillen Symbol der Solidarität und des nationalen Zusammenhalts geworden war. Und das gefiel ihnen nicht.
Genau wie damals, soll die rote Mütze nun solidarisches Handeln und friedlichen Protest sichtbar machen – wenn auch in einem modernen Kontext und nicht in Norwegen, sondern in den USA. Durch das Stricken, Tragen und Teilen der Mütze zeigen Menschen, dass sie hinter den Betroffenen stehen. Gleichzeitig ist es eine gewaltfreie, kreative Form des politischen Ausdrucks, ähnlich wie die Norweger*innen damals ihre Mütze als Zeichen von Mut und Zusammenhalt nutzten.
Nachdem ich Mützen mit zwei Quasten auf Instagram gesehen habe, habe ich M. gefragt, ob sie ein Blatt möchte oder zwei – jeweils eines für Renée Nicole Good und Alex Jeffrey Pretti, die in Minneapolis erschossen wurden. Dazu habe ich ihr die Bilder geschickt, die hier jetzt auch sind. M. hat gejubelt. “ I LOVE it!!! Two leaves – please. You are so thoughtful.“
Unverändert eines meiner Lieblingstücher ist das Skyggen Tuch, zu dem Sophia (@stich.fest) die Anleitung geschrieben hat. Skyggen ist norwegisch für Schatten.
Den größten Erfolg habe und hatte ich im gleichen Jahr jedoch mit einem noch viel größeren Tuch, das ich aus Silk Mohair Resten unterschiedlicher Hersteller gestrickt habe. Ich habe es
Das dritte Tuch, mit dem ich besondere Erinnerungen verbinde, ist das Patchwork Tuch, eines der ersten Maschenfein Designs. Kaum das fertig, hat Ravelry es zu
2016 ist Jessica gestorben.
Es gab sogar eine Zeit, in der ich dort gelebt habe und eigentlich nicht geplant hatte, zurückzukommen. Aber das Leben wollte es anders. Wisst Ihr alles, weil ich immer mal wieder darüber geschrieben habe (
Auflösen kann ich das gerade nicht. Aber vielleicht muß ich das auch nicht. Es passiert ja eh alles gleichzeitig.