Mit jedem Jahr, das ich älter werde, verändert sich offenbar, was mich glücklich macht. Früher waren es Reisen, Sprachen, viele Menschen, grundsätzlich alles Neue. Heute reicht mir meistens der Garten denke ich, während ich das 12tel Blick Bild vom Holzregal im Mai mache.
Und so ist auch in diesem Frühling die Veranda mein Lieblingszimmer. Nicht, weil ich zur Gärtnerin geworden bin, sondern weil es so schön ist. Gerade fangen alle Rhododendren an zu blühen, die Hortensien auch. Mehr gibt es eh nicht in meinem Garten (wenn man mal von Hopfen, Giersch, Efeu und wildem Wein absieht …).
Der Rasen (oder das, was ich so nenne) ist satt, grün und zeimlich hoch mittlerweile. „No Mow May“ für Wildkräuter und Artenvielfalt, aber auch für die Insekten, Vögel und alle anderen, die da unterwegs sind.
Vor allem letztere machen mir Spaß. Früher hätte ich sie kaum registriert, heute freue ich mich über die vielen Vögel (der Grauspecht ist wieder da und erstmalig auch eine Mönchsgrasmücke), die Eichhörnchen, die Bienen und gemütlichen Hummeln. Irgendeiner summt oder knispelt immer. Und laut ist es obendrein 🙂 Was die sich wohl zu erzählen haben?
Mein Holzregal verschwindet langsam hinter Büschen und Blättern und ist momentan tatsächlich das einzige meiner 12tel Blick Motive, das mich freut.
Die anderen beiden … nun ja. Es tut sich nichts. „Galeria Berlin Hermannplatz“ ist zwar unverändert geöffnet, aber es ist Monate her, dass ich zuletzt dort war. Auf dem Hermannplatz gibt es immer noch einen Wochenmarkt, aber der Platz als solches vergammelt in Rekordzeit.
Dazu tragen sicher die wärmeren Temperaturen bei, aber auch die zahlreichen Menschen, die in ihrer Not Zuflucht an diesem Ort suchen. So viele mit Suchtproblemen, so gruselig, wenn sie offen konsumieren. Die gebrauchten Spritzen liegen überall. Menschen, die die Nächte im Freien verbringen, umgeben von Hausrat und Müll.
Die hohe Verkehrsbelastung und Verschmutzung machen all das nicht besser.
Wie jeden Monat bin ich dann weitergegangen zur Kirche am Südstern. Auch hier wächst das Grün, alles andere ist unverändert. Kirche halt. Wobei es schon ziemlich cool ist zu verfolgen, wie sie hinter all dem Grün verschwindet. Ist nicht ohne Grund meine Lieblingsfarbe.
12 Bilder braucht es für den 12tel Blick – vier Monate sind vergangen. Mal sehen, wie lange ich noch dabei bleibe.
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Der 12tel-Blick ist eine kreative Foto-Challenge im Blog von Eva Fuchs. Die Regeln sind einfach: jede*r sucht sich ein Motiv, fotografiert es in 2025 jeden Monat einmal (an egal welchem Tag), wobei Standort und Blickwinkel im besten Fall identisch sind und zeigt monatlich die so entstanden Bilder. Dadurch entsteht bis Ende des Jahres sowas wie ein Zeitraffer, der zeigt, wie sich die Welt an diesem Ort in 12 Monaten verändert hat – oder auch nicht.
Verlinkt zum Samstagsplausch





Und bei allem habe ich mal wieder gelernt, was ich längst wußte: nämlich das, was Stricken und Schreiben – jegliches kreatives Tun – gemeinsam haben: Einfach anfangen, drauflosschreiben oder -stricken, Fehler zulassen (da muckt er wieder, der Monk). Irgendwas wird dabei rumkommen. Nicht jedes Stück muss perfekt sein, nicht jeder Satz ein Kunstwerk. Manchmal reicht es, die Fäden aufzunehmen und zu sehen, was daraus wird.
Glückliche Fügung, dass ich eine Freundin habe, die alle Farben des Regenbogens liebt und am liebsten wohl alle zusammen. Deshalb also eine dritte Olga. Ein oversized Pullover, der – so die Idee – mit doppeltem Faden gestrickt unglaublich bunt werden würde und unglaublich viele Wolle verbrauchen würde, ohne dass man es ihm ansehen würde. Das war die Hoffnung.








Aber von vorne: vor gut 14 Tagen wollte ich die Gasttochter (
Was ich bei allem nicht gesehen habe, war, dass es auch einen Nachbarraum gab und aus diesem kamen nach einer Weile zwei Frauen und gingen Richtung Ausgang. Eine der beiden sah mich ganz merkwürdig an, ging an uns vorbei, kam dann aber doch nochmal zurück. „Toller Pullover“, sagte sie, „den möchte ich auch unbedingt stricken!“ und für einen Moment wußte ich tatsächlich nicht, was ich sagen sollte. Hatte ich doch 
Aber der Reihe nach: den Sunday Sweater habe ich zuerst an einer Frau in einem Kreuzberger Café gesehen. Ich sah sie, ihren schönen Pullover, aber egal, wie sehr ich versuchte, mich zuerinnern – ich kam nicht auf den Namen des Designs. Sie war im Gehen begriffen, merkte, dass ich sie ansah, sah zurück und ich musste lachen. „Wie heißt der Pullover? Ich komme nicht auf den Namen,“ habe ich sie gefragt. „Sunday Sweater“ hat sie geantwortet und erzählt, dass es der erste Pullover sei, den sie je gestrickt habe. Ich dachte, dass man das an den Zunahmen sieht. Gesagt habe ich es natürlich nicht.
Mein Bild für Instagram war schon fertig, aber anstatt es zu posten, habe ich eine WhatsApp-Nachricht an Sophia geschickt.
Einen Abend lang habe ich erleichtert immer mal wieder auf die Knäuel geguckt. Danach habe ich die Anleitung förmlich auf den Kopf gestellt: bottom-up statt top-down! Provisorischer Maschenanschlag für den Körper (um später die Länge noch variieren zu können), viele eintönige Runden in der Farbe von Haferflocken, schließlich die Ärmel. Italian Cast-On (den mag ich sehr gerne mittlerweile) und ganz normale Ärmel, nicht die Ballonärmel der Anleitung. Schließlich alles auf eine lange Nadel, dann die verkürzten Reihen gestrickt und endlich die schönen Strahlen, die den Sunday Sweater zum Sunday Sweater machen.
Die erste Abnahme inmitten der linken Maschen machte sich gut, eine weitere Abnahme wenige Reihen später in den rechten Maschen auch und jetzt weiß ich, dass es gut wird.