Das 1 x 1 der Maschenproben

Wenn ich die Wahl habe zwischen einem Buch und einem Film, dann möchte ich das Buch. Wenn es eine Anleitung als Text gibt oder als Video, entscheide ich mich für den Text. Wenn es keinen Text gibt, gucke ich das Video; aber nicht gerne und immer ohne Ton.

Nun hat Makerist mich gefragt, ob ich mir nicht mal eine ihrer Videoanleitungen ansehen möchte, um dann darüber zu schreiben.

Meinem Sohn sage ich immer, dass man erst über Etwas urteilen darf wenn man es kennt. Also habe ich zugesagt. Drei Videos kamen in die engere Wahl und letztlich hat dann Makerist entschieden: „Das 1 x 1 der Maschenproben,“ ausgearbeitet und vorgestellt von Marisa.

Makerist Maschenfein Maschenproben Häkelmonster

Maschenproben. Jetzt mal ehrlich: macht ihr Maschenproben? … Dachte ich mir. Ich auch nicht. Oder sagen wir: eher selten. Und wenn ich tatsächlich eine mache, dann wasche und spanne ich sie nicht, sondern ribbel die wenigen Zentimeter wieder auf, sobald ich gemessen habe was mich interessiert. Bisher ist das gut gegangen, aber bisher habe ich auch erst eine Strickjacke gestrickt.

Kein Fan von Videos und zu faul für Maschenproben – beste Voraussetzungen also für einen Kurs zum Thema.

Um es kurz zu machen: Marisa zuzuhören war unglaublich kurzweilig und interessant. Der Kurs war viel umfassender als ich zuerst angenommen habe und gelernt habe ich auch noch dabei.

Neun Episoden bauen aufeinander auf und ziemlich schnell ist klar, dass es Marisa dabei um deutlich mehr geht als um das reine Stricken von Maschenproben.

Garnkunde zum Beispiel: welche Garne gibt es und warum spricht man überhaupt von Garnen (und nicht von Wolle)? Was sind die Unterschiede und worauf sollte man achten, damit Projekt und gewähltes Material perfekt zusammenpassen?

Oder Stricknadelarten, -stärken und -typen. Was gibt es da und warum? Was gehört zu einer Basisausstattung und wie kann ich damit Stricktechniken vereinfachen?

Erst danach kommt das Stricken der Maschenprobe. Und wer glaubt das wäre schnell gemacht bzw. dafür braucht es kein Tutorial, dem sei gesagt: diese Episode dauert gute 23 Minuten. Marisa erzählt vom Lesen der Banderole, zeigt das Wickeln eines Stranges und – das fand ich total genial – verrät wie sie Maschenproben „codiert“ um später auch ohne Zettel noch zu wissen, mit welcher Nadelstärke sie diese gestrickt hat zum Beispiel. Erst dann wird gestrickt. Nicht eine, sondern drei Maschenproben.

Damit ist alles gesagt sollte man meinen – dem ist aber nicht so. Denn nun kommen vier (vier!) Episoden was mit Maschenproben möglich ist bzw. verhindert werden kann. Diese vier Episoden sind wirklich richtig gut. Und so wird aus Materialkunde und Maschenprobe ein Spiel mit fast unbegrenzten Möglichkeiten. Denn dadurch, dass alles variabel ist, ist auch das, was dabei raus kommt, immer anders.

Garn + Nadelstärke + Behandlung (also waschen, spannen oder dämpfen) führt zu einem immer anderen Ergebnis, irgendwo zwischen Erfolg und Mißerfolg.

Ich wollte zählen wie viele Maschenproben Marisa vorbereitet hat. Bei 20 habe ich aufgehört. Es sind bestimmt über 100. Am meisten beeindruckt hat mich dabei die Probe mit ein und demselben Garn, wenn auch mit unterschiedlichen Nadelstärken gestrickt. So simpel und doch – wenn mans einmal vor Augen hat – so überzeugend.

Kreativität und Inspiration pur.

Bei allem macht es Spaß Marisa zuzuhören. Ein bißchen merkwürdig am Anfang, weil wir uns kennen, da war ich dann doch in Sorge nicht objektiv zu sein. Aber das war unnötig. Sie ist unglaublich strukturiert und alles ist so aufbereitet dass man wahrscheinlich auch einzelne Episoden auslassen könnte, in der Annahme schon alles zu einem Thema zu wissen – würde ich aber nicht zu raten. Denn immer dann, wenn ich dachte „ach, das kenne ich alles“, kam doch irgendwas Unerwartetes, irgendwas Tolles.

Und bis zum Schluß stolpert sie nicht über „Strickstück stricken“! (Das kann ich schon ohne Kamera nicht dreimal nacheinander sagen, geschweige denn mit).

Wenn ich meckern wollte, wäre das zur Musik. Anfang und Ende jeder Episode sind untermalt mit etwas was ich Gitarren-Geschrammel nennen möchte. Es erinnert mich an deutsche Fernsehserien und gefällt mir nicht. Letztlich tut es aber der Professionalität des Videos keinen Abbruch. Wirklich, wenn die alle so sind, möchte ich mehr davon.

Die Gesamtzeit des Maschenproben-Kurses beträgt um die zwei Stunden. Das ist geschätzt und nicht gestoppt. Zwei Stunden sind lang. Und nachdem ich morgen noch Büro, Familie, Garten habe, um dann am Samstag nach South Carolina zu fliegen, habe ich mir die letzte Episode noch aufgehoben. Ein Bonus-Track – so wie bei Musik-CDs. Das sehe ich mir an, wenn ich zurück bin. Something to look foward to :o)

Zukünftig gibt es dann wohl auch bei mir einen Karton mit ordentlich gestapelten und codierten Maschenproben.

 

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71 gr. Nomade

Januar war es, als ich über mein Patchwork-Tuch gebloggt habe. Kommt mir viel länger vor. Das war mein erster Teststrick für Marisa. Und mein erstes Dreieck-Tuch, wenn ich das richtig erinnere. Bunte Sockenwoll-Reste habe ich damals dafür genommen und als Hauptgarn Wollfaktor’s Nomade.

Gestern, auf der Suche nach einem anderen Garnstrang, habe ich dann (wieder)entdeckt was im Januar übrig blieb: 71gr Nomade. Das reicht für Socken.

Socken Nomade HäkelmonsterUnd die stricke ich jetzt. Einer ist fast fertig. Und Reihe für Reihe liebe ich dieses Garn, diese Farbe ein bißchen mehr. So sehr, dass es mich jetzt fast ärgert, den Sock nicht von oben (top down) anfangen zu haben, sondern (wie meistens) an der Spitze (toe up). Wenn diese also irgendwann kaputt geht, wird sie nur schwierig zu reparieren sein. Anders herum wäre es einfacher gewesen.

Müßig. Jetzt mache ich das nicht mehr auf.

Aber bei der Ferse habe ich mitgedacht: die wird ein Afterthought Heel. Kennt Ihr, oder? (Erst den Sock und zum Schluß die Ferse – Anleitungen sind überall im Netz). Und wenn sie später mal ein Loch haben sollte, ribbel ich sie einfach auf und stricke eine neue. Auf dass mir diese hinreissende Farbe noch lange an den Füßen bleibt!

Aber erstmal stricke ich jetzt vor mich hin. Runde um Runde.

Patenkinder, Ferien und mein grünes Tuch

Es ist nicht so, dass ich nicht stricke – ich blogge nur nicht. Irgendwie fehlt dazu momentan die Zeit. Schulferien, Job, Besuch, Garten: „Days are packed“ um Calvin zu zitieren. Kennt Ihr Calvin & Hobbes? Die liest der Sohn gerade mal wieder rauf und runter. Auf der Veranda oder zusammengerollt auf dem Sofa – ich liebe es ihn irgendwo giggelnd mit einem der Bücher zu finden.

Bis gestern war eine meiner großen Patentöchter zu Besuch. 23 ist sie. Bald 24. So erwachsen und dann irgendwie doch noch mein Patenkind. Dreimal bin ich 1992 Patentante geworden. Drei kleine Mädchen: die Tochter meiner Cousine, die Tochter einer uralt-Freundin, die Tochter eines Arbeitskollegen. Alle drei sind längst erwachsen. 1996 kam der erste Patensohn, 1999 dann noch zwei: der Sohn meiner Schwester und der Sohn einer Freundin. 2002 wieder eine Patentochter, 2008 ein Patensohn und schließlich 2014 die kleine Patentochter von der ich schon so oft im Blog geschrieben habe.

Neun Patenkinder. 24, 23, 23, 19, 17, 16, 14, 8 und 2 Jahre alt. Zwei habe ich über die Jahre verloren. Wir hören uns nicht mehr. Zu zwei weiteren ist der Kontakt immer mal schwierig. Fünf sind eng und wichtig und wunderbar. Eine von ihnen hat mich gerade besucht, die andere sehe ich übernächstes Wochenende.

Ich fliege zu ihr nach North Carolina. Dort leben ihren Eltern, sie und ihre drei Schwestern. Eine Woche USA! Teuer, zu kurz, zu knapp vor Schulbeginn. Egal! Ich freue mich so : )

Lacetuch Häkelmonster50 cm habe ich an dem grünen Tuch aufgeribbelt. Es ist jetzt immer noch zwei Meter lang. Das reicht. Und den Rand habe ich neu gemacht: nicht mehr die in der Anleitung vorgeschlagenen Häkel-Picots sondern iCord. Passt viel besser finde ich.

Trotzdem habe ich en bißchen den Spaß an rechteckigen Tüchern verloren. Vielleicht, weil ich nicht weiß wie ich sie tragen soll. Mal sehen, ob das grüne Tuch mich jetzt umstimmen kann.

 

 

Happy Pom Poms

Neulich in Halle hat Claudia – die Chefin in der Fadenliebe – mir die Anleitung zu Maria Kostamovaaras Happy Pom Pom Schal mitgegeben.

Und egal ob Sommer oder nicht – den wollte ich sofort haben. Nun war meine Garnwahl leider suboptimal … Tolle fröhliche Farben, Ringel die wunderbar zur Idee des kleinen Tuchs passen, ein richtig schönes Maschenbild, aber: gar nicht weich leider.

IMG_2472Kratzt – findet auch der Sohn, aber fürs Bild hat er es ausgehalten. Wir haben so viel Spaß gehabt beim familiären Photo-Shooting. Als er sich die Pom Poms hinter die Brillenbeinchen gesteckt hat und dann aussah wie ein grinsendes kleines Schaf. Ach ja … seufz … wie lange machen Kinder sowas mit? Einmal quer durch die Pubertät bitte.

Trotzdem: kein Bild vom (kompletten) Kindergesicht in meinem Blog. Und zur Farbwiedergabe der Bilder sagen wir jetzt auch nichts.

15°C in der Hauptstadt, wenig Aussicht auf Besserung. Trocken genug für Gartenarbeit (grummel) am Nachmittag. Bis dahin Schreibtisch.

Und wie sieht Eure Woche aus?

YarnCrawl in Berlin

YarnCrawl – schon mal gehört? Für die, die es nicht kennen: Übersetzen würde man es wohl am besten mit … Ja, mit was? Wenn ein „PubCrawl“ eine Kneipentour ist – ist ein YarnCrawl dann eine Wolltour? Ein Zug um die Häuser in Sachen Wolle? Mag sein, dass es dafür (wie so oft) gar kein deutsches Wort gibt.

Die Idee kommt aus USA. „An organized event focused on exploring the yarn shops of an area over a specific time period. It’s a great event for fiber enthusiasts“ – so beschreibt es Portland / Oregon. Wollgeschäfte laden ein mit besonderen Aktionen (vielleicht Rabatten oder Gewinnspielen) und oft gibt es eine Art Pass in dem – ähnlich wie bei der Einreise in ein Land – gestempelt wird, welche der teilnehmenden Geschäfte man besucht hat.

YarnCrawls sind wunderbar um Menschen kennenzulernen, die die Leidenschaft für Wolle teilen, um vielleicht in Gegenden der Stadt zu kommen, in die man sonst nicht kommt und um Garne zu kaufen, die man nicht braucht, aber dennoch haben muss.

Und das gab es nun auch in Berlin. Organisiert von Hanna Lisa, Strickfan mit Online-Shop und im „richtigen“ Leben Consultant und Verena, Strickdesignerin und Bildungsforscherin.

Getroffen haben wir uns mittags in Reinickendorf an der U-Bahn (eine Weltreise für mich: 29 Stationen mit der U-Bahn – gefühlt deutlich mehr – und damit ein Ort, an dem ich wirklich nie bin). Wir waren um die 20 Teilnehmerinnen (ja, ausnahmslos Frauen) und ich kannte keine. Mag sein, dass ich die eine oder andere schon mal gesehen habe, aber kennen? Nein.

Irgendwie macht mich das immer latent nervös, aber viel Zeit darüber nachzudenken war nicht, weil wir gleich los gegangen sind. Ein bißchen wie früher in der Schule: Hanna Lisa und Verena vorneweg, alle anderen hinterher. Viele waren zu zweit gekommen und so ergaben sich fast automatisch Zweierreihen wie bei Schulausflügen. Nur Handgehalten haben wir nicht : )

#BerlinYarnCrawl16 Häkelmonster FridaFuchsErste Station waren die Verkaufsräume von Frida Fuchs. Unfassbar schöne Garne! Insbesondere Schickimicki hat es mir angetan und wäre da nicht mein Vorsatz, in 2016 nur meine Vorräte zu dezimieren und nichts Neues zu erwerben, dann hätte ich ganz sicher den einen oder anderen Strang gekauft. So habe ich zugesehen wie andere das taten, habe bewundert und befühlt, was sich bewundern und befühlen ließ und dabei zugelassen, dass Mondrians Quadrate Tuch nun ganz weit oben auf meiner Wunschliste ist.

Dazu gab es winzige Cup Cakes in rot und weiß, während Jana und Julia, die Macherinnen hinter Frida Fuchs, beraten, gezeigt und erklärt haben. Kein Wunder, dass es ziemlich schnell lauter wurde, dass erste Unsicherheiten verschwanden und dass das eine oder andere Strickzeug zum Vorschein kam.

Von dort sind wir weitergefahren nach Kreuzberg in das Café Nest. Viele Stationen mit der U-Bahn, viele Frida Fuchs Papiertüten, viele (schon jetzt) hochzufriedene Gesichter.

Im Café Nest hat uns Molly von A Homespun House ihre Garne gezeigt: wilde Farbverläufe, oft mit Glitzer und wunderbaren Namen: Fried Pickles Gold Sparkle zum Beispiel oder Digital Bath. (Die Bilder sind hier leider farblich nicht so schön weil das Licht schlecht und die Kamera klein war …). Wir hatten wir einen großen Raum für uns alleine, saßen, schwatzten und strickten, während es draußen wie aus Eimern schüttete.

Erst als wir aufbrachen hörte es auf und so kamen wir glücklich und trocken nach Friedrichshain zu Wollen Berlin. Ich war vorher tatsächlich noch nie dort. Die, die es kannten, wurden den Tag über nicht müde davon zu schwärmen und so wunderbar wie sie es beschrieben haben, war es dann auch. Tolle Garne, tolle Beratung und ein heller, großer, schöner Laden. Alles perfekt!

Damit nicht genug, war Jule da von HeyMamaWolfYarns und hatte eine Auswahl ihrer Garne mitgebracht: mit Pflanzenfarben handgefärbte Biogarne von hier (soll heißen aus Deutschland). Jule lebt außerhalb von Berlin in der Prignitz und überlegt dort nächstes Jahr Kurse anzubieten – salopp formuliert „vom Schaf zum Endprodukt“ – das finde ich superspannend!

#BerlinYarnCrawl16 Häkelmonster HeyMamaWolfAber dann war für mich auch gut. So viele Eindrücke, so viel Wolle, so viele neue Gesichter und Geschichten – ich war tatsächlich dankbar, dass wir dann „nur noch“ zusammen essen gegangen sind. Abends um elf war ich schließlich zu Hause.

Fazit? Klasse! Wie so oft haben mich in erster Linie die Menschen begeistert: die „Waldorf-Mama“ Janine, die sich genau die Strickjacke gestrickt hat, die ich schon so lange haben möchte (vielleicht mache ich doch die lange Version …); Saskia die genauso gerne bei Liljedal in Treptow ist wie ich (warum haben wir uns da noch nie getroffen?); Linda, die mit mir einen Strickkurs geben würde; Lisa, die meine Decke nachgehäkelt hat; Julia von Alpaka me! deren Blog ich schon so lange kenne, Alexandra und ihre Freundin Kornelia mit denen es so herrlich war zu schwatzen; Sarah, die mich auf die Idee gebracht hat eine Mütze für meine Schwester zu stricken, und alle anderen, mit denen ich gesprochen habe: die Melanie-Berg-strickende Töchter-Mama Sylvia, die Socken-Strickerin die ich über Fringe entdeckt habe und Orit mit der ständig routierenden Handspindel – ach schade, dass wir so wenig Zeit hatten, dass ich so viele Namen nicht weiß und überhaupt …

#BerlinYarnCrawl16 HäkelmonsterEs war ein wunderbarer Tag und ich bin richtig froh, dass ich dabei war. Der Hashtag #BerlinYarnCrawl16 läßt hoffen, dass es in 2017 eine Fortsetzung gibt.

Ich kann sie Jedem und Jeder nur empfehlen.

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