Familientag

Alle zwei Jahre trifft sich die Großfamilie (also die Mitglieder meiner Familie, die Lust dazu haben) zu einem Familientag. Zuletzt immer wieder in einem Hotel in Hessen, das zwar nicht alle mögen, aber das für unsere Zwecke wunderbar geeignet ist: Jeweils zwei Doppelzimmer und Bäder sind in kleinen Bungalows untergebracht, das Gelände ist weitläufig, die Gegend hübsch und für die meisten gut erreichbar.

Das Ganze allerdings mit dem Charme einer Jugendherberge … Viel unternehmen kann man auch nicht, aber wenn’s nach mir geht, sind lange Spaziergänge an einem solchen Familientags-Wochenende auch absolut ausreichend. Schließlich haben sich viele Familienmitglieder zwei Jahre nicht gesehen.

Die meisten kommen Freitagabend an. Da braucht es dann nichts weiter, als Abendbrot in einem großen Raum. Die Geräuschkulisse – die Stimmen, das Lachen – ist unglaublich. Samstagmorgen dann wahlweise Ausflug oder Spaziergang und nach dem Mittagessen wird traditionell Fußball gespielt bzw. zugeguckt. In diesem Jahr war der älteste Spieler fast 60, der jüngste 12. Spielentscheidung erst im 11-Meter-Schießen.

Später dann Kuchen und die Familienversammlung. Abends ein Fest mit Buffet und Tanz.

Sonntags gab es früher einen Vortrag zur Familie, den wir in den letzten Jahren jedoch durch ein Familien-Quiz ersetzt haben. Eine Mischung aus Historie und Gegenwart. Wann wurde die Familie urkundlich zum ersten Mal erwähnt? Welches ist derzeit der häufigste weibliche Vorname? 23 Fragen waren es dieses Jahr, gestellt über Kahoot.

Wer’s nicht kennt: Kahoot ist ein interaktives Quiz, bei dem die Fragen wie bei einer Präsentation auf einer Leinwand eingeblendet werden. Die Teilnehmenden beantworten sie über ihr Smartphone – zum Beispiel durch Richtig/Falsch, Auswahl mehrerer Antworten oder die Zuordnung von Farben. Spielstände, also wer die meisten Punkte hat (was sich naturgemäß nach jeder Frage ändert), sind sofort sichtbar, was insbesondere die jüngeren Familienmitglieder befeuert. Wer schlau ist, bildet ein Team aus jung und alt – weil „alt“ mehr Familienwissen hat und „jung“ in der Regel schneller ist, wenn es darum geht, die Antwort ins Handy einzugeben. Über einzelne Fragen diskutiert wird in jedem Fall noch lange danach.

Dann Mittagessen, Umarmungen, letzte Gespräche und schließlich die Abreise. Puh!

Ein Cousin und ich planen all das über Wochen. Die Absprachen mit dem Hotel (er), Druck und Versand der Einladungen (ich), Samstagvormittag (er), Nachhalten der Zu- und Absagen (ich), DJ für Samstagabend (beide), Zahlungseingänge der Familienmitglieder (er), Fußballspiel (ich), Sonderwünsche (beide) … Eine Cousine übernahm die Umsetzung des Quiz, ein anderer Cousin fasste überall mit an und so kam der Termin rasant schnell näher.

Für dieses Jahr hatte sich eine Vielzahl an Familienmitgliedern für Veränderung ausgesprochen. Das wußten wir, weil ich vor zwei Jahren einen Fagebogen erstellt hatte, in dem genau das gefragt wurde: wo wollt Ihr feiern? Wieder hier oder woanders? Und wenn woanders – wo? Und siehe da, sie wollten in den Osten Deutschlands, dahin, wo die Familie ursprünglich herkommt. Also haben wir das gemacht. Ein Hotel gefunden und all das geplant und umgesetzt, was ich vorab schon beschrieben habe: ein Wochenende für die Großfamilie.

Am Tag selbst wollte ich dann eigentlich gar nicht mehr hinfahren. Die Vorbereitungen hatten mich mehr angestrengt als in den Jahren zuvor. Der Mann und die Jungs wollten jedoch unbedingt. So, wie 109 weitere Familienmitglieder, die durchgehend oder wenigstens phasenweise dabei waren. Die Älteste 90 Jahre alt, der Jüngste 5. Und augenscheinlich fühlten sich alle wohl. Das neu gefundene Hotel und sein Personal gaben sich allergrößte Mühe, die Räume waren hell und groß, das Essen war wunderbar, die Betten bequem – alles lief, wie es laufen sollte und die Zeit verflog unfassbar schnell.

In all dem nicht ein Moment für einen Blogpost.

Zurück in Berlin hing uns dann allen das trubelige Wochenende, die kurzen Nächte, die vielen Menschen, der ganze Familientag in den Knochen. Entsprechend müde war der Start in den Montag, in Job und Uni.

Fast zwei Wochen ist das jetzt her. Heute morgen habe ich die Kiste mit allem, was hier noch lag, wieder auf den Dachboden gebracht. Die Fußballtrikots und übrig gebliebenen Medaillen, die von einer Nichte gemalten Tischnummern, Listen und Ablage. Auf dem Dachboden bleibt die Kiste jetzt, ehe wir im Sommer 2028 erneut mit den Planungen beginnen. Mal sehen, ob ich dann wieder dabei bin oder ob sich jüngere Familienmitglieder finden, die die Organisation übernehmen wollen. Frischer Wind sozusagen.

Gibt es sowas in Euren Familien auch? Feiert Ihr Familientage?

Und weil’s hier eigentlich immer um Wolle geht, noch schneller Woll-Content am Ende: ich dachte, ich würde auch beim Familientag stricken. Zwei Projekte hatte ich mitgenommen (ich Schaf) … und mit zurückgebracht, ohne auch nur eine einzige Masche gestrickt zu haben. Zwischenzeitlich sind immerhin die Pulswärmer fertig. Die Pulloverärmel meines Birthday61 leider noch lange nicht. Sleeve island …

 

Verlinkt zum Samstagsplausch

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2 Comments
Regula
1 Tag vor

Wow, beeindruckend, diese 109 Familienmitglieder. Wir hatten eben auch Cousinentreffen, und ich denke, wir werden das nun öfters machen, weil so langsam alle mehr Zeit haben.

Es war trotzdem gut, die Strickarbeit einzupacken. Was, wenn du Zeit und Lust gehabt hättest, aber nichts dabei?

Liebe Grüsse von Regula