Auf den Nadeln

Normalerweise habe ich ein Projekt auf den Nadeln. Eins! Wenn ich viel mit den Öffentlichen unterwegs bin, wenn wir übers Wochenende wegfahren oder wenn ich zum Stricktreff gehe, kommt immermal ein kleines Zweites dazu. Socken, Pulswärmer, ein Schal. Irgendwas, was sich schnell und mit wenig nachdenken stricken läßt.

So ist es auch zur Zeit. Großes Projekt ist der birthday61 sweater, an dem ich seit Juni (und damit zugegeben schon ziemlich lange) stricke. An den Ärmeln muss im Patent abgenommen werden. Eigentlich nicht schwer und doch brauche ich alle 24 Runden die Videos, die mir – wieder und wieder – erklären, wie es geht. Rechtsgeneigt und linksgeneigt. Es will einfach nicht in meinen Kopf. Deshalb ist das ein klares Zuhause-Projekt, in Ruhe und bei Tageslicht. Also nie … Ich würde es hassen, wenn der nicht fertig wird. Wolle und Design sind zu schön!

Parallel stricke ich an also an mehr kleinen Dingen als sonst.  Momentan sind es Spüllappen. Der Erste krausrechts, der Zweite auch, aber diagonal. Der Dritte wird kariert. Bei keinem muss ich wirklich denken. Die stricken sich quasi von alleine. Das Anfangsfädchen ist mit einem kleinen Herz gekennzeichnet. So hübsch. Ich will die Fäden gar nicht vernähen. Könnte sein, dass ich deshalb einfach so lange Spüllappen stricke, wie ich noch Knäuel mit kleinen Herzen habe.

Zwei Projekte. Alles wie immer. Und dann war ich Dienstag beim Zahnarzt.

Was ein Routinetermin sein sollte, wurde ganz anders. Nicht zum Guten anders … Abends zu Hause, wollte ich dann nur noch die schwarzen Gedanken wegstricken. Kennt Ihr das? Ich bin ein Schisser, wenn es um Zahngeschichten geht. Auch wenn’s eigentlich harmlos ist (ist es dieses Mal nicht). Ich habe da wirklich Angst vor. Rescue-Tropfen hat eine Freundin gesagt. Meine Rescue-Tropfen sind Wolle und Nadeln, glaube ich. Nur waren die Pulloverärmel zu kompliziert für meinen wirren Kopf, die Spüllappen zu einfach und nichts anderes da.

Zum Glück lagen da zwei Knäuel neben mir auf dem Sofa, die eigentlich ein weicher, kleiner Schal werden wollten. Was soll ich sagen – sie werden jetzt ein Pullover. Noch Dienstagabend habe ich angeschlagen. Wie gesagt: zwei Knäuel. Zusammen 75 gr. Das reicht im Leben nicht für einen Pullover. Nicht mal für ein Kind. War mir egal. 5er Nadeln, Raglan von oben, genug, um mich zur Konzentration zu zwingen, gleichzeitig nicht so schwer, dass ich Fehler mache. Acht Zunahmen alle zwei Runden.

Wie im Zeitraffer habe ich gestrickt, die halbe Nacht, bis eins der beiden Fädchen zu Ende war. Und dann (gefühlt) das erste Mal Luft geholt. Es ging mir definitiv besser. Auch wenn ich Mittwoch ziemlich müde war. Vier Runden noch, dann kann ich die Ärmel abteilen. Aber vorher muss ich Nachschub kaufen. Danach kommen nur noch rechte Maschen.

Donnerstag war dann der nächste Zahnarzt-Termin und – was soll ich sagen – ich hatte ja weder Zeit noch Gelegenheit bis dahin Wolle zu kaufen. Also hüpfte morgens in der U-Bahn ein weiteres Projekt auf meine Nadeln. So schnell konnte ich gar nicht gucken. Dieses Mal Lettlopi, 4,5er Nadeln. Wieder spannend genug, um mich abzulenken, aber nicht so spannend, dass ich Fehler mache.

Kurz: Ein nächster Pullover. (Was sonst?) Die Anleitung für den Vængjatök habe ich bereits vor einiger Zeit gekauft und Idee ist es, die kleinen und kleinsten Lettlopi-Reste zu verstricken, die meine Schwester mir vermacht hat. Da muss ich nur erstmal hinkommen. Vor mir liegen erst noch 20 cm (von insgesamt 44 cm) Grün für den Körper und noch zweimal 48 cm Grün für die Ärmel. Dann erst kommt die prachtvolle, bunte Passe. Besser als Spüllappen ist es dennoch. Weil ich der Passe mit jeder Masche näher komme.

Zum Zahnarzt brauche ich eine Stunde. 45 Minuten davon sind U-Bahn. Termine kommen noch viele. Also stricke ich. Vielleicht hat all das ja doch etwas Gutes … (Vorausgesetzt, ich fange nicht vor jedem Termin einen neuen Pullover an).

 

Verlinkt zum Samstagsplausch

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