Als der Sohn klein war und noch zur Schule ging, hatte er natürlich auch Kunst-Unterricht. Und irgendwann in der 5. oder 6. Klasse haben sie gemacht, was alle Kinder irgendwann machen: sie haben aus schwarzer Pappe Formen ausgeschnitten und die entstandenen Löcher mit Pergament-Papier hinterklebt.
Gesprochen hat er nie darüber, nur dass er mit der Lehrerin nicht so gut zurecht käme. Das erinnere ich noch. Ich weiß sogar noch ihren Namen.
Dann kam er irgendwann mit dieser Papprolle nach Hause … Wochenlang hatte er an seinem Werk gearbeitet. Und in so ziemlich jeder Unterrichtsstunde habe die Lehrerin mit hochgezogenen Augenbrauen gefragt, was das denn werden solle. Immer wieder habe sie ihn aufgefordert, neu anzufangen, wenn er keine 5 haben wolle. Aber das wollte er nicht – beides nicht: Weder neu anfangen, noch die 5.
In seiner Not habe er in der letzten Stunde gesagt „das werde ich verschenken“. „Wer soll das denn schön finden?!“ sei Frage der Lehrerin gewesen. „Meine Mutter“ war seine Anwort. Er nahm die Rolle mit (übrigens auch die 5) und ging nach Hause.
All das erzählte er mir, in einer Mischung aus verzweifelt und hoffnungsvoll, während ich die Rolle aufmachte.
So sah es aus.
Ich habe die Arbeit gesehen, die er da reingesteckt hat. Die Farben, die Idee eines Monsters, aber auch die Mühe, die er sich gegeben hat. Also habe ich ihn umarmt, jedes Detail des Bildes gefeiert, gefragt, wie er es gemacht hat und mich gefreut.
Was Mütter halt so machen.
Am nächsten Tag habe ich das Bild mit ins Büro genommen und dort ans Fenster gehängt. Da hing es dann fast 10 Jahre, bis das Büro nicht mehr mein Büro war. Ab und an (meistens in den Ferien) kam der Sohn mit mir mit und war immer wieder stolz, es dort hängen zu sehen.
Seit einigen Jahren hängt es nun zu Hause in der Küche. Wieder am Fenster. Die Farben sind matt geworden und ab und an denken wir darüber nach, die Folie zusammen zu erneuern. Aber vielleicht auch nicht. Sicher ist nur, dass es dort weiter hängen wird. Weil ich es wirklich gerne mag.
Ich finde es schön.
Die Lehrerin habe ich damals übrigens angeschrieben. Sie stand zu einem Gespräch leider nicht zur Verfügung. Auch auf meine Mail kam nie eine Antwort.
Warum ich das erzähle? Es gibt (unbedachte) Kommentare, die so unfassbar viel kaputt machen können. Das Kind ist mittlerweile erwachsen, ein Künstler wurde aus ihm nie. Er hätte Zuspruch gebraucht (nicht nur von seiner Mutter), Motivation und ja, er hätte vielleicht auch üben müssen. Aber da wurde nichts draus. Vielleicht, weil die Kunstlehrerin (und in Konsequenz auch die Schulnote) die gleiche blieb, bis er Kunst abwählen konnte.
Am vergangenen Montag habe ich auf Deutschlandradio Kultur ein Gespräch mit dem Künstler Yadegar Asisi gehört. Jeder kann zeichnen sagt er (so heißt übrigens auch sein gleichnamiger YouTube Kanal in dem er Zeichnen lehrt – große Empfehlung!). Man kann es lernen, wie schreiben oder lesen. Goethe zum Beispiel konnte zeichnen. Nicht, weil er Talent hatte, sondern weil er es gelernt hat – so Asisi.
Mit ausschneiden und Folie hinter Formen kleben ist es meiner Ansicht nach nicht anders – man kann es lernen. Ich bin überzeugt davon, dass jedes Handwerk – egal, ob zeichnen, ausschneiden oder stricken – ein Mittel ist, um die Welt bewusster wahrzunehmen, nicht nur zu konsumieren, sondern aktiv zu begreifen.
Aber wem sage ich das – Ihr wisst es ja auch. Jeder und jede kann beim telefonieren Würfel zeichnen, sagt Asisi. Wer Würfel kann, kann Pyramiden. Mit Übung irgendwann auch Schattierungen.
Ich habe große Lust, das zu probieren.
Verlinkt zur Samstagsplausch


Um es kurz zu machen: ich bin auf 100 qm mehr als 3 km gelaufen, treppauf, treppab und doch nicht fertig geworden. Wahrscheinlich, weil ich es einfach nicht schaffe, erst ein Zimmer aufzuräumen, dann das nächste. Und dann alles sauber zu machen.
Zugegeben, einen Moment war ich gestern versucht, mich Eddna anzuschließen mit der
Keine Vorsätze! Keine Jahresprojekte. Definitiv nicht. Die erfordern eine Disziplin, die ich nicht habe. Oder doch? Es gibt mittlerweile durchaus das Eine oder Andere, für das ich keinen Vorsatz mehr brauche. Dinge, die längst Teil meines Lebens sind und es auch bleiben.
Und – wer drauf gewartet hat – Wolle wird weiterhin mein Yoga bleiben. Auch das ist sicher. Genauso sicher ist, dass ich Feministin bleibe. Über Beides werde ich, wie bisher auch, in den kommenden Wochen und Monaten schreiben.


Und nun trage ich ihn, fühle mich wie Balu, der Bär und möchte eigentlich nichts anderes mehr anziehen.
Letzte Woche setzte ich mich in der U-Bahn in einen Vierer, wo bereits eine Frau mit großem Koffer, großen Kopfhörern und großem Laptop saß. Auch sie mit gebeugtem Kopf. Kaum dass ich saß, packte ich (wie eigentlich immer) mein Strickzeug aus. Dieses Mal war es ein schöner Strang Tosh Merino und die Idee, eine neue