Geschenkte Zeit – daran denke ich so oft diesen Sommer. Es ist immer noch lange hell, die Abende sind lau und es fühlt sich an, als hätte jeder Tag mehr als 24 Stunden. Und jede dieser Stunden ist voll, weil neben Job und Haus noch so viel mehr Zeit ist. Verrückt, wie sehr das für mich an Tageslicht gekoppelt ist.
Jeder Wintertag ist genauso lang wie ein Sommertag. Ich stehe zur gleichen Zeit auf und gehe zur gleichen Zeit ins Bett. Und doch ist es anders.
Vergangene Woche habe ich drei Paar Socken gestrickt. Geplant war eigentlich nur eins in 6-fädiger Sockenwolle für eine Amerikanerin, die im November (ausgerechnet im November) nach Berlin kommen wird. Ob sie weiß, wie unfreundlich dieser Monat sein kann? Ich möchte ihr deshalb Socken in die Wohnung legen.
Für das erste Paar – Koffieboontje heißt die Anleitung – habe ich 80gr. verstrickt. Und weil das Knäuel hier noch lag, habe ich die restlichen 70gr. für ein zweites Paar mit grün „gestreckt“: Bündchen, Ferse und Spitze in grün. Außerdem grüne Ringel. Logisch eigentlich, dass dann immer noch lila Garn übrig blieb …
Also ein drittes Paar. Vielleicht mit lila Ferse. Oder mit lila Spitze. Am Ende wurde es nur grün, weil ich zu bequem war zu entscheiden. Auch gut. Ich habe keine Ahnung, wieso das so schnell drei Paare wurden. Da muss geschenkte Zeit im Spiel gewesen sein. Ein paar dieser Stunden, die nur der Sommer hat.
Geschenkte Zeit sind auch die Tage mit dem Sohn. Immer noch wünsche ich ihm eine Wohnung in der Stadt und jetzt, wo das tatsächlich klappen könnte, merke ich, wie sehr ich es genieße, ihn immer noch um mich zu haben. Er macht sein Ding, ich mache meins. Ab und an machen wir auch was zusammen. Ich liebe es, wenn er mich im Büro anruft und fragt, ob wir zusammen essen. Er würde dann kochen. Ein echtes Geschenk – nicht nur geschenkte Zeit. Zu sehen, wie er hier Wochenende für Wochenende mit anpackt, Fenster abschleift, spachtelt und den Kitt erneuert, macht mich stolz.
Geschenkte Zeit dachte ich auch gestern, als ich der Freundin beim Packen der Kisten geholfen habe. Als wir in ihrem Zimmer saßen, das mal Wohnzimmer war und Pizza aus Pappkartons gegessen haben. Mag sein, dass es schlauer gewesen wäre, weiter zu packen. Vielleicht aber auch nicht. So war auch das ein Geschenk. Ein vorläufig letzter Abend nach so vielen in den vergangenen Jahren. Montag kommt der Umzugswagen und sie verläßt die Hauptstadt. Ihr Job bleibt hier, sie wird also immer wieder herkommen. Sie hat viele gute Gründe zu gehen und doch … Wehmut ist da schon auch.
Geschenkte Zeit ist es auch, wenn ich mich gleich auf die Veranda setze und Melone esse. Was immer Ihr macht, ich hoffe, es fühlt sich auch nach einem Geschenk an.
Verlinkt zum Samstagsplausch


Dann halfen wir der Schwiegermutter vom Haus in eine Wohnung zu ziehen, um wenige Jahre später eben diese Wohnung aufzulösen. Anfänglich waren wir sorgsam, Alles sollte ein neues Zuhause bekommen. Und so gingen die riesigen Monstera Pflanzen an die Töchter eines Freundes, ein Teil des Porzellans ist jetzt in Freiburg, die andere Hälfte in Berlin bei einer Nachbarin. Ein anderes Design begeisterte die Tochter von Freunden in München. Der Schreibtisch des Schwiegervaters kam zu uns. Auch die vielen, kugeligen Weck-Gläser sind seither hier. Aus der Wolle in ihrer Schublade habe ich einen
Für mich hat Berlin unverändert die allertollsten Flohmärkte. Am schönsten ist wohl der an der
Aber zurück zu den Flohmärkten. Immer wieder gerne gehen wir auch zum 
Gestrickt wird von unten nach oben, also die Füße zuerst. Die Arme sind sehr clever eingestrickt; die dunkle Nase ist ebenso aufgestickt wie Mund und Augen. Der Kontrast ist dabei tatsächlich größer, als in meinen Bildern.
Mit 8-fädiger Sockenwolle, weil ich kein anderes Braun hatte. Das ist einerseits gut, weil die robust ist und nicht pillt. Andererseits ist es nicht so schmusig geworden, wie ich es gerne gehabt hätte. Aber der Bauch ist rund und weich – das versöhnt mich. Cappybaras sind Schmuser. Wußte ich auch nicht.
An einem Abend war mein Capybara fertig. Am nächsten Abend dann sein Blumen-Kragen. Wobei mir der tatsächlich weniger Spaß gemacht hat. Muß man doch Blatt für Blatt einzeln stricken, ehe alle Blätter dann zusammengehäkelt werden. Jedes hat zwei Fädchen, die vernäht werden wollen … Ziemlich kleinteilig alles und doch denke ich, dass sich die Mühe gelohnt hat. Der Kragen steht ihm einfach gut.
Nach dem traditionellen Glauben der Yanomami (der größten indigenen Volksgruppe im Amazonas-Gebiet – auch das weiß ich aus Wikipedia) gibt es nämlich für jeden neugeborenen Menschen einen Doppelgänger in Form eines Capybaras, der dessen Lebenskraft teilt.
Zwei der Knäuel wogen 60gr, das dritte knapp über 100gr. Gefühlt war es Sockenwolle. Trotzdem habe ich spontan entschieden, da einen
Gestrickt habe ich einen Raglan-von-oben aus dem 100gr. Knäuel. Mit kleinem Schlitz und Knopf im Nacken, damit ein Kinderkopf sicher durchpasst. Für die Ärmel habe ich jeweils eins der kleineren Knäuel genommen und abgewickelt, bis der Farbverlauf passte. So sind sie identisch, wenn auch nicht identisch zum Körper. Aber das klappt bei Farbverlauf-Garnen sowieso nicht, weil – logisch – ein Armumfang schmaler ist, als ein Bauchumfang.
Von den kleinen Knäueln blieb so viel Wolle übrig, dass ich da nun 
In der Not haben wir doppelseitiges Klebeband entlang der Fußleisten geklebt, um zu sehen, von wo sie kommen. Denn Ameisenstrassen gab es nicht. Sie waren einfach überall.