Klimaschal & Klimawandel

Ob dieser Schal nun tragbar ist oder nicht – darüber kann man sicher streiten. Über seine Aussage jedoch nicht:

Vier Reihen sind ein Streifen; ein Streifen steht für ein Jahr. Und waren die Streifen um 1880 (am einen Ende des Schals) noch blau, so sind sie mittlerweile (am anderen Ende des Schals) rot. Dunkelrot!

Jahr um Jahr hat die Erderwärmung weltweit zugenommen und jetzt ist Alarm. Auch wenn ein Mann in Amerika behauptet, das das nicht stimmt.

Die Idee zum Schal kommt von Dr. Eva Stegen, Informationen zum Projekt und zur (kostenlosen) Anleitung findet Ihr auf www.klimaschal.com; guckt es Euch doch einfach mal an! Es wäre toll, demnächst viel mehr von diesen Schals zu sehen!

Vielleicht habt Ihr ja noch das eine oder andere Knäuel in passender Farbe? Ich habe meinen mit Schachenmayrs oeko-tex zertifizierter Merino ExtraFine gestrickt. Die Farbpalette ist unglaublich und der fertige Schal fasst sich genauso an, wie sich für mich ein Schal anfühlen muss.

Und wer nun meint, der Schal sei zu bunt und deshalb nicht tragbar, dem lege ich die Bilder der warming stripes von Ed Hawkins ans Herz. Die kann man sicherlich auch in Wolle „übersetzen“ (wie das geht, steht im Text von Eva Stegen) und ein blau-rot-weißer Klimaschal wäre dann ebenso unmißverständlich in seiner Aussage wie ein bunter.

Anläße ihn zu tragen gibt es genug. Zum Beispiel kommenden Freitag.

Da findet weltweit der dritte globale Klimastreik von #fridaysforfuture statt. In rund 2.000 Städten in 129 Staaten werden Menschen gegen den Klimawandel auf die Straße gehen – dieses Mal ausdrücklich auch Erwachsene.

In fast 300 deutschen Städten sind Demonstrationen angekündigt. Wichtigste Forderung  ist die Einhaltung des 1,5°C-Ziels. Es geht um den Kohleausstieg, um Treibhausgase und um staatliche Subventionen für fossile Energieträger. Umweltverbände, Kirchen und Gewerkschaften, zusammen mehr als 200 Organisationen aus den verschiedensten Bereichen engagieren sich.

Kurz: ALLE, weil es uns alle betrifft! Seid Ihr dabei? Was macht Ihr?

Was immer es ist – Hauptsache, Ihr macht was! (Für die, die jetzt denken „was kann ich denn schon tun?“ – lest es nach bei Greenpeace. Ihr müsst ja nicht demonstrieren – weniger fliegen, weniger Fleisch essen, weniger Plastik und weniger heizen wäre ein Anfang).

Und dann bewegt sich vielleicht hoffentlich endlich, wirklich was!

Meinen Schal habe ich übrigens erstmalig zur Langen Nacht des Klimas am vergangenen Wochenende in der Kulturfabrik Moabit ausgeführt. Im Sinne der Sache hätte diese Veranstaltung wohl kaum besser laufen können. So viele interessierte, offene Menschen! Das war wirklich richtig toll! Allerdings waren wir auch in Starbesetzung vor Ort. (Danke, dass wir das zusammen gemacht haben 💚).

 

 

 

Der Janker

Vor vielen Jahren, also vor richtig vielen Jahren (vielleicht 30?) hat meine Mutter meinem Vater einen Janker gestrickt. Mein Vater war 187 cm – der Janker wurde also eher groß und es steckte viel Arbeit drin.

Viel Arbeit. Viel Wolle. Viel Liebe. Meine Schwester behauptet, nur deshalb habe mein Vater ihn getragen 😉.

Ob das stimmt? Ich kann ihn nicht mehr fragen. Er ist vor dreieinhalb Jahren gestorben. Und seither hing der Janker in seinem Kleiderschrank.

Zeit genug für die Motten, um ihn zu finden – zum Glück zu wenig Zeit, um ihn zu vernichten. Meine Mutter wollte ihn trotzdem wegwerfen, vielleicht hat sie das aber auch nur gesagt in der Gewissheit, dass ich das nicht zulassen würde.

Habe ich auch nicht. Statt dessen habe ich ihn mit nach Berlin genommen, gewaschen und dann erst mal so gezogen und gespannt, dass er dem Mann passt (der ist 2 Meter groß). Danach habe ich die Mottenlöcher gestopft. Mit Originalgarn! Das fasziniert mich am meisten, denn auch das fand sich noch im Haus meiner Eltern.

Da, wo Löcher waren, habe ich die Maschen mit der Wolle „nachgezeichnet“, das ging ganz einfach und in der gewalkten Jacke fällt es kaum auf. Mottenlöcher entlang der Blende waren bißchen komplizierter zu flicken, aber auch die sind unter einer Reihe Kettmaschen nicht mehr sichtbar.

In einer der Taschen war ein kleiner Nagel (so typisch für meinen Vater), den ich leider erst nach der Wäsche entdeckt habe. So war das Reparieren der Tasche am aufwendigstens. Aber auch das ist jetzt erledigt.

Der Mann liebt die Jacke. Und ich liebe es, wenn er sie trägt. Im Herbst wird er dazu hoffentlich oft genug Gelegenheit haben.

Habt Ihr auch handgestrickte Dinge, die jahrzehntelang halten und dann weitergeben werden?

Yoga socks

It is cold in Berlin. Way too old for summer and for me. Cold enough for wool and knitting though. Hence, before I forget until fall, here comes the pattern for the yoga socks I knit (and gave away) earlier this year. (See ravelry for details on yarn and needle size).

Knitting toe-up, cast on 60 stitches and knit about 4 inches (probably 30 rows) in k2 / p1. As the heel needs to be bare when doing yoga, bind-off 30 stitches, only to cast on another 30 in the next row.

Knit in rounds for another 20 rows. Then double each purl stitch (kfb);  k2 / p2 until the ball of yarn is almost finished. Bind off loosely.

The finished yoga socks fit tightly at foot and ankle, with more of a loose fit around the leg. Very comfortable. I think they are pretty perfect, but I don’t do yoga.

Therefore, constructive criticism is very welcome.

This is no (!) pattern. Hence, I am neither willing nor able to calculate different sizes, to give precise information on circumference and length of these socks or to name gauge. Please take it as it is (inspiration at its best) and forgive me …

Yoga-Socken

Es ist kalt in der Hauptstadt. Zu kalt für Sommer und zu kalt für mich. Aber kalt genug für Wolle. Und deshalb, ehe ich das bis zum Herbst vergesse, hier eine schnelle Beschreibung, wie ich die Yoga-Socken, die ich Anfang des Jahres bereits verschenkt habe, gestrickt habe.

Gestrickt von unten nach oben, (also vom Fuß zur Wade) habe ich 60 Maschen angeschlagen und knapp 10 cm in 2 re/1 li gestrickt. Damit die Ferse frei bleibt, habe ich dann die Hälfte der Maschen (30) abgekettet und in der nächsten Reihe neu wieder angeschlagen.

Nach weiteren 20 Reihen wird jede linke Masche verdoppelt (kfb), danach wird in Runden mit nunmehr 80 Maschen in 2 re / 2 li gestrickt bis das Knäuel dem Ende zugeht und schließlich werden alle Maschen locker abgekettet.

Die fertigen Yoga-Socken sitzen eng an Fuß und Knöchel und dann eher nicht so eng am Bein. Ich finde sie ziemlich perfekt, mache allerdings kein Yoga.

Konstruktive Kritik ist deshalb sehr willkommen.

Dies ist ausdrücklich keine (!) Anleitung. Ich bin deshalb weder willens noch in der Lage unterschiedliche Größen zu berechnen, genauere Angaben zu Umfang und Länge der Socken zu machen oder eine Maschenprobe zu benennen. Seht es mir bitte nach …

 

Fünf Fragen am Fünften

Jeden 5. eines Monats stellt Luzia Pimpinella fünf Fragen. Fragen – willkürlich zusammengestellt – die nichts mit Wolle zu tun haben (gar nichts) und vielleicht gerade deshalb genau das sind, was mein Kopf und mein Blog zur Zeit brauchen. Hier sind ihre Fragen im Juli (die ich dann doch nicht so ganz woll-frei beantworten konnte):

Bestellst du im Restaurant immer das Gleiche?
Das gleiche Essen im Restaurant, der gleiche Flohmarkt am Sonntag, die gleiche Fernsehserie, der gleiche Ferienort, die gleiche Strickanleitung – comfort zone at its best … Im Winter, wenn es draußen kalt und dunkel ist, noch mehr als im Sommer. Manchmal langweilt mich das, dann mache oder esse oder stricke ich auch was anderes, aber spätestens wenn der Alltag mich mal wieder überrollt, kehre ich zu dem zurück, was sich bewährt hat: Pizza mit eingelegtem Gemüse, Flohmarkt am Ostbahnhof, Ferien in Frankreich und die Tomten Jacke von Elizabeth Zimmermann. Getreu dem Motto: Never change a winning team …

Bei der neuesten Tomten-Jacke (die fünfte übrigens), ist mir beim zweiten Ärmel die Wolle ausgegangen und ich habe mit den letzten Resten improvisiert. Deshalb sind die Ärmel nicht identisch. Und nachdem kein passendes Kind in der Nähe war, um die Jacke einmal anzuziehen, sind auch die Bilder Improvisation. Jacke mit Melone. Irgendwann werde ich den Reißverschluß eingenäht haben. Wie ich mich kenne, ist es dann auch längst kälter draußen und wer weiß – vielleicht finde ich dann das Kind, das die Jacke bekommt.

Genierst du dich dafür, dass du bestimmte TV-Formate schaust?
Wenn man dem Teenager glauben darf, ist unser Haushalt im 20. Jahrhundert stecken geblieben. Kein Netflix. Kein Amazon prime. Und Fernsehen eigentlich nur um Nachrichten sehen zu können. Immerhin ein Flachbildschirm. Das wars dann aber auch.

Ich sehe das anders. Die meisten Menschen, die ich kenne, sind für mein Empfinden übermäßig viel an Medien und deshalb bin ich entschlossen, wenigstens zu Hause so lange es geht gegenzuhalten, die Spaßbremse zu sein.

Mit einer Ausnahme: Navy CIS. Egal, welche Staffel oder Folge. Alles wird aufgenommen. Und wenn der Mann dann Freitag Abend zum Ende der Nachrichten hoffnungsvoll fragt „Und? Möchtest Du noch was sehen?“ weiß er eigentlich schon was kommt. Die schönsten Filme bietet er mir dann an, aber schlußendlich gucken wir doch wieder eine Folge Navy CIS … (Er: „Aber die Folge kennen wir doch schon“ – Ich: „Echt? Glaube ich nicht …“).

Comfort Binge heißt das, habe ich von Alexis Nedd gelernt.

Engaging in the comfort binge can barely be classified as seeking entertainment, it’s more of an attempt to let familiar voices, beats, and plots flow through pre-made grooves on an exhausted brain. The comfort binge is about minimizing effort while maximizing pleasure

Sinngemäß übersetzt heißt das, am Ende einer Woche habe ich gar nicht mehr den Anspruch, dass mich eine Serie unterhält. Ich möchte nur noch mit vertrauten Stimmen und Handlungen berieselt werden. Größtmögliches Vergnügen bei minimalem Aufwand, weil mein Gehirn zu mehr einfach nicht mehr in der Lage ist.

Außerdem mag ich die Charaktere, die Dialoge und wenn mir einzelne Episoden (trotz mehrmaligem Sehen immer noch) zu spannend sind, halte ich mich an meinem Strickzeug fest.

Ob ich mich deshalb geniere? Nö.

Wann hast du zuletzt deine Frisur geändert?
Als der Sohn in die erste Klasse ging, fragte ihn ein ebenso kleines Mädchen, warum seine Mutter graue Haare habe. „Die sind nicht grau, die sind silber!“ hat er ihr empört geantwortet und ich kann nicht ausschließen, dass das Mädchen ihn ein bißchen um die Mutter mit den silbernen Haaren beneidet hat 😉.

Sie sind immer noch silber und immer noch alle gleich lang. Manchmal kinnlang, meistens schulterlang, selten länger. Und so wird es wohl auch bleiben. Und wenn mir wirklich nach Abwechslung wäre, könnte ich ja eine Mütze tragen.

 

Wann hast du zum letzten Mal einen Sonnenaufgang beobachtet?
Das könnte ich eigentlich mal machen. Aber ehrlich gesagt entsprechen Sonnenuntergänge mehr meiner inneren Uhr. Nur erwische ich auch die meistens eher zufällig. Es sei denn, wir sind in Frankreich am Meer. Da bleiben wir dann gerne noch bißchen länger am Wasser.

Welches Kunstwerk hat dich stark beeindruckt?
Beeindruckt? Keine Ahnung. Aber es gibt eins, das mir wichtig ist:

Auf dem Berliner Flohmarkt am 17. Juni hat Tom Elbo, ein Däne, seinen Stand mit Gemälden (vorrangig) skandinavischer Maler. Jahrelang führte uns unser Sonntagsspaziergang zu eben diesem Flohmarkt und immer war Zeit für einen Schwatz mit Tom Elbo. Nie versäumte er, uns auf ein Bild besonders hinzuweisen: weil er es mochte, mehr noch als die anderen, weil es eine Geschichte hatte oder weil er es gerade erst erworben hatte.

So war es auch mit dem Bild dieses alten Paares. Sie halten sich aneinander fest und gehen auf ein kleines Haus zu. Man sieht den Wind in den Bäumen und in ihren Kleidern, den Regen auf der Strasse, es ist unwirtlich draußen, aber sie gehen unbeirrt auf dieses Haus zu. Es ist weiß und ich glaube, es ist ihr Zuhause.

Tom Elbo meinte, irgendwann würde sicher mal ein Paar an seinen Stand kommen, bei dem er das Gefühl habe, dass sie zusammenhalten, egal wie stürmisch es um sie herum auch sein mag. Ein Paar, das sich im Alter stützt und das ein Ziel hat, ein Zuhause.

Dann guckte er uns eine Weile nachdenklich an, nahm das Bild vom Haken und drückte es dem Mann in die Hand. Er lachte ein bißchen und wir lachten auch.

Seither hängt das Bild über meinem Schreibtisch und immer wenn ich es ansehe, wünsche ich mir, dass Tom Recht behält und dass wir dieses Paar sind.

Das wars schon wieder mit den #5FaF – der nächste Blogpost wird wolllastiger, versprochen.