Sleeve Island

Sleeve Island … die Insel der Ärmel (sagt kein Mensch) … das müßte doch eigentlich ‚was Tolles sein: Endspurt beim Pulloverstricken! Vorder- und Rückenteil sind fertig, jetzt noch fix die Ärmel. Easy-peasy.

Und überhaupt: Sleeve Island … ‚Island‘ 🏝 … Was da alles mitschwingt … Sommer, Wärme, überall Sandstrand, rundherum das blaue Meer, das in der Sonne glitzert. Ich kann förmlich hören, wie die Wellen ans Ufer plätschern. Bunte Fische, alles total entspannt …

So ist es aber nicht.

Genau genommen müßte es ‚place of no return‘ heißen, also ‚Ort ohne Wiederkehr‘ und nicht Sleeve Island. Oder Ärmel-Unterwelt à la Sisyphos oder so. Zumindest bei mir. Denn „jetzt nur noch schnell die Ärmel“ ist ein Witz! Das dauert (gefühlt) ewig. Wenn ich die Wahl habe, bevorzuge ich die Variante vom Handgelenk zur Achsel. Weil es dann nur Ärmel sind und nicht Ärmel, an denen schon der Pullover hängt, der mit jeder Runde mitgedreht werden möchte. Aber auch das dauert lange.

Wie dem auch sei: mein Sleeve Island ist grün und zieht sich seit geraumer Zeit. Immerhin, ein Ärmel ist fast fertig, den anderen fange ich mit bißchen Glück dieses Wochenende noch an.

Vielleicht liegt mein Zögern aber auch nicht nur am endlos dauernden Ärmel-Gestrick (gibt es eigentlich ein ‚Second Sleeve Syndrome‘, vergleichbar dem ‚Second Sock Syndrome‘?), sondern auch daran, dass ich nicht weiß, wie es danach weitergeht.

Jetzt kommt Strick-Theorie …

So schön das Muster ist, läßt es mir doch wenig Wahl, wenn es um Zu- und Abnahmen geht. Wenn ich möchte, dass es nicht unterbrochen wird, kommen deshalb eigentlich nur eingesetzte Ärmel in Frage. Ohne Anleitung, an der ich mich orientieren kann, will ich das nicht.

Die Alternative sind Raglanschrägen, die – natürlich – Einfluß auf das Muster haben und deshalb nach einer Maschenprobe vorab verlangen … Ich müßte das mal sehen, um zu wissen, ob mir so sichtbare Abnahmen und damit Muster-Unterbrechungen gefallen. Will ich auch nicht.

Denn der ganze Pullover ist eh schon wieder ein Ribbelkandidat (sag bitte nix, Stefanie …). Wenn ich ihn spanne, wird er weit genug sein, aber ich vermute, dass das Muster in seiner Rippenstruktur immer wieder zurück „schnurpsen“ wird. Zumal es ziemlich viele Maschen sind, wodurch das Gestrick schwer geworden ist. Das kann ja nicht anders als nach unten ziehen. Weite zugunsten von Länge. Es wird also eher Wurstpelle und das will ich überhaupt nicht.

Ich stricke die Regia Premium Merino Yak mit 3,5 Nadeln. Das sind (bei mir) normalerweise 22 Maschen auf 10 cm. Angeschlagen habe ich 240 Maschen, das wäre glatt rechts also knapp 110 cm, und damit rund 15 cm positive ease. Im jetzigen Muster haben 240 Maschen 80 cm. Das sind 15 cm negative ease. Schreibt mir, dass das schief geht bitte. Ich muss es lesen, um es zu verstehen.

Und so lange stricke ich noch ein paar Runden am eh schon langen Ärmel (der übrigens das gleiche Problem hat: theoretisch genug Maschen und Weite. Praktisch eher nicht).

Ach manno …

 

Samstagsplausch am dritten Adventswochenende 🕯🕯🕯

Zu viel – zu wenig

Zu viel – zu wenig. Zu viel zu tun, zu wenig gestrickt. Und ohne zu stricken läßt sich ein Blog über Wolle kaum füllen. Damit ist eigentlich alles gesagt.

‚Zu viel – zu wenig‘ passt auch, wenn ich an den Umzug der Schwiegermutter denke, der uns die letzten Wochen in Atem gehalten hat. Fast 40 Jahre war sie im alten Zuhause, erst mit dem Schwiegervater und den Kindern, später alleine. Unfassbare Mengen an Büchern, Papieren, Schubladen, Schränken, Porzellan und gelebtem Leben … 🙈. Wochenende für Wochenende sind wir hingefahren, (wer die Strecke kennt, weiß, dass das unter 5 Stunden nicht machbar ist), haben geräumt, verteilt, verschenkt, entsorgt und sind dann wieder zurückgefahren.

Viel zu viel Zeug und viel zu wenig Platz dafür im neuen Zuhause. Deshalb war der Caddy jedes Wochenende randvoll mit Dingen, die nun hier sind, einen Platz brauchen und benutzt werden wollen, weil ich es der Schwiegermutter versprochen habe.

Nach jedem Wochenende dann ein neuer Montag. Mit Arbeit, Haushalt, Garten. Und mit jedem Wochenende wurde ich einen Schritt langsamer.

Gestern dann Migräne. Überraschung? Eher nicht.

Heute nun ein erstes Wochenende ohne Pläne. Einfach nichts machen. Sortieren und räumen vielleicht. Wir waren zu viel unterwegs und zu wenig zu Hause. Wären die kleinen Engel nicht schon da, wäre hier noch nichtmal Advent.

Immerhin hat der Teenager einen Adventskalender. Ich war erstmalig unsicher, nachdem er vergangenes Jahr mit so viel Nachdruck meinte, den bräuchte er nun wirklich nicht mehr. Letztlich habe ich den Kalender dann doch befüllt. Weil ich ihn sehen möchte, um zu glauben, dass Weihnachten wird.

Kleine Geschenke an den Adventssonntagen, ein Nikolaus zu Nikolaus, Lieblingssüßigkeiten unter der Woche. Ohne Geschenkpapier, alles einfach nur in die kleinen Taschen gesteckt und siehe da – die Freude war unerwartet groß. Beim Teenager und damit auch bei mir.

Im Vorjahr steckte jeden Tag eine Frage zum Lieblingssport in den Taschen. Die kleinen Zettel habe ich dann über’s Jahr gehütet und vor wenigen Wochen an die Basketball-Freundin geschickt. Jetzt rätselt sie Morgen für Morgen mit ihrem Mann und schreibt mir, wieviel Spaß sie daran haben. Adventskalender-Recycling hat sie es genannt und mir im Gegenzug ihren Pinguin-Kalender aus dem Vorjahr geschickt. 365 Pinguine hinter 24 Türen – keine Ahnung, wann ich zuletzt einen Adventskalender hatte. Und auch das war große Freude. Adventsfreude sozusagen.

Das war auch nötig. Denn irgendwie hat es sich (für mich) noch nie so wenig nach Weihnachten angefühlt wie in diesem Jahr. Andrea schreibt heute morgen von Weihnachtsgerüchen und vollen Geschäften, vom üblichen ‚zu viel – zu wenig‘ im Dezember. Von zu vielen Menschen in der Stadt und alle mit zu wenig Zeit, wenn sie sich auf engstem Raum aneinander vorbei schieben.

Merkwürdige Zeiten, in denen wir leben. Wäre es doch so viel besser, wenn alle zu Hause blieben!

Sowas Ähnliches meinte auch der Teenager heute morgen. Es war noch dunkel als er sich auf den Weg in die Schule machte. Sein ‚zu viel – zu wenig‘ bedeutet: zu viel Unterrichtsstoff und zu wenig Zeit dafür. Deshalb müssen alle Zwölftklässler:innen heute, am Samstag, in die Schule, um eine vierstündige Philosophie-Klausur zu schreiben. Die nächste Arbeitist für kommenden Samstag angekündigt … 🙈.

Dann doch lieber räumen. Genau das werde ich tun, wenn der Mann und ich gefrühstückt haben. Und wenn ich irgendwann mal wieder gestrickt habe, kommen auch wieder Bilder dazu.

Bleibt mir bis dahin gewogen.

Rezension: Nordisch Stricken – Nahtlos mit der Strange Brew Methode

[Werbung] Alexa Ludeman und Emily Wessel sind die Frauen hinter TinCan Knits. Erst Kolleginnen in einem Wollgeschäft in Kanada, wurden sie bald Freundinnen, um 2010 ein gemeinsames Wochenende an der Pazifik-Küste Kanadas zu verbringen. Eine Reise, die das Leben der Beiden verändern sollte. „Sitting in the sand, under the stars“, schreibt Alexa auf ihrer website, „Emily suggested we might design a pattern together, but I said no – we should write a book. And that was the beginning of our Tin Can Knits journey.“

Heute (elf Jahre später) lebt die eine mit ihrer Familie in Schottland, die andere unverändert in Kanada und zusammen haben sie über 170 Anleitungen und 9 Bücher veröffentlicht. Zwei Männer, fünf Kinder und über 146.000 Follower lieben sie. Ich zähle mich sehr gerne dazu.

Weil sie das, was sie können, so wunderbar erklären und so großzügig zur Verfügung stellen. Weil ihre Anleitungen nicht nur schön, sondern immer auch intelligent gemacht sind. Weil beide sich mit ihren Familien für Gleichberechtigung, Respekt, Inklusion und gegen Diskriminierung einsetzen. Und weil sie bei allem so herzlich und „normal“ rüberkommen, dass jedes Bild und jeder Text einfach Spaß machen.

Wenn Ihr es nicht schon tut, folgt ihnen unbedingt und bald, sonst verpasst ihr die diesjährigen Weihnachtspullover 🎄.

Ihr Buch Nordisch Stricken – Nahtlos mit der Strange Brew Methode (im Original: Strange Brew. a colorwork knitting adventure), wurde jetzt ins Deutsche übersetzt. Als ich die Vorankündigung gelesen habe, wußte ich, dass ich es unbedingt haben möchte. Gestern wurde es mir vom Stiebner-Verlag als Rezensionsexemplar zugeschickt. (Danke! Danke! Danke! 😘)

Strange Brew heißt übersetzt ’seltsames Gebräu‘ – als solches beschreiben Emily und Alexa ihre (Design-)Reise nach Island 2017, zu der sie außer ihren Partnern und Kindern auch ziemlich viel Wolle mitnahmen. Aus eben dieser Wolle entwarfen sie dann ein Baukastensystem für alltagstaugliche Norweger-Pullover, die auch Anfänger:innen stricken können. Mit Rundpassen für jede Größe vom Neugeborenen bis 4XL (25 Größen insgesamt) und in drei verschiedenen Garnstärken. Kurz: Komprimiertes Wissen zu Techniken, Konstruktion, Größen, Garnen und Farben, schnell verfügbar und einfach anzuwenden – TinCan-Niveau eben. (Für die, die es nicht wissen: Tin Cans sind Konservendosen.

Natürlich kann man es sich einfach machen und eine der im Buch erklärten Anleitungen nacharbeiten. Gleichzeitig bieten die Designerinnen jedoch das Werkzeug, eigene Pullover zu entwerfen, top-down oder bottom-up, mit Zu- oder Abnahmen an den richtigen Stellen und überdies Erklärungen, wie man individuelle, eigene Muster komponiert.

All das vermittelt das Buch dreigeteilt: 45 Seiten erklären das Wie. Also von der Methode, über das Angleichen von Mustern, den Aufbau der Passe, verkürzte Reihen und die Keil-Methode bis zum Steg fürs Steeken. Das wirkt auf den ersten Blick fast ein bißchen furchteinflößend. Zumindest auf mich. Viele, andersfarbige Tabellen, unendliche Zahlen, Charts und Tipps, aber einmal damit vertraut, ist es einfach und unfassbar logisch.

Dann kommen die Anleitungen: Eröffnungsmuster (wenn es das Wort gibt) und dabei eine eigene Kollektion aus drei Teilen ist Anthologie: eine Mütze, ein Loop und ein Schlauch-Loop, an Hand derer Farben und Muster ausprobiert werden können – große Maschenproben sozusagen, wobei am Ende ein fertiges Accessoire steht. Dann folgen 12 Anleitungen. Die meisten gezeigt in zwei Farbkombinationen und zwei verschiedenen Größen. Und die sind so schön, dass ich auf Anhieb gar nicht wüßte, warum ich mir ein eigenes Muster oder andere Farben ausdenken sollte.

Am Schluß – das sind noch mal 20 Seiten – kommt das, was in anderen Büchern ‚Technik‘ heißt: alles von Garnempfehlungen, Vorlagen, Fertigstellung und Pflege bis hin zum Sinn von Maschenproben. Und ganz zum Schluß ein kurzer, liebevoller Dank an die Partner, (Sahneschnittchen nennen sie die in der Übersetzung) die das Modeln so leicht aussehen ließen – trotz eisigem Wind und zankenden Kindern.

Toll! Wirklich toll!

Es ist wirklich ein besonderes Buch. Natürlich kann man sich eine Anleitung rauspicken, nachstricken und sich darüber freuen – das wäre kurzfristiger Erfolg. Ich empfehle jedoch dringend die Alternative: erst lesen (und zwar von der ersten bis zur letzten Seite), lernen und verstehen, dann erst stricken. Denn dann kann einem langfristig keiner mehr was. Zumindest nicht wenn es um Rundpassen-Pullover geht.

Sollte ich meckern wollen (meckern auf hohem Niveau) wäre es die Sprache der Übersetzung. Es liest sich nicht „deutsch“, sondern „übersetzt deutsch“. Eine blumige Sprache, die sich (für mich) irgendwie gekünstelt anhört, Formulierungen, die ich so nie verwenden würde. Bei einem Pullover, der bottom-up gestrickt wirde, heißt es beispielsweise, „Stricken Sie ihn von unten nach oben, um in Fahrt zu kommen!“ Ich kann nur vermuten, dass im Original „to get going“ steht. Aber würde ich das so übersetzen? Eher nicht. Es tut allerdings dem Charme des Buches keinen Abbruch.

Ich werde das Buch auf jeden Fall nicht zu weit weg legen und dann (sobald wieder Pullover-Nadeln frei sind) neu anschlagen. Ihr seht es hier bei mir also bald wieder! (Übrigens nicht nur bei mir, sondern auch bei Andrea. Auf ihre Rezension bin ich sehr gespannt!)

 

 

 

 

 

 

Immer das Gleiche

Wieder Wochenende … Die Zeit geht so schnell gerade, die Wochen fliegen vorbei und doch passiert nichts. Gar nichts. Zumindest fühlt es sich so an. Morgens Büro, nachmittags Schreibtisch und Haushalt, abends Sofa. Immer das Gleiche.

Und jeden Tag weniger Licht.

Wenn dann noch die schönen Farben, all das Gold, Kupfer und Rot der Blätter, weg ist und sich nur noch nackte Äste in den grauen Himmel recken 🙈, muss ich mir tatsächlich Mühe geben, dem Herbst noch irgendetwas Schönes abzugewinnen.

Sorry, November – du machst es mir echt nicht leicht, dich zu mögen.

Zum Glück habe ich vorgesorgt: wenn meine Augen grün wollen, stricke ich einfach eine Runde am Pullover. Funktioniert zuverlässig. Allerdings ist es nicht mehr – confessions, confessions – der Pullover 09/17 nach der Anleitung von Lamana. Der hing hier zwar den ganzen Oktober am Bügel und sah prachtvoll aus, aber nach der ersten Anprobe (Andrea war dabei) habe ich nicht eine Masche mehr daran gestrickt.

Wir passten nicht zusammen (im wahrsten Sinne des Wortes).

Dabei sah er wirklich toll aus am Bügel – nur bin ich kein Bügel. Alleine durch sein Eigengewicht dehnte er sich an manchen Stellen, hing sich aus (Schultern und Brust), an anderen nicht (Arme, Bauch) und verlor dadurch an Charme, also an dem, was er am Bügel durch Licht und Schatten hatte.

Das konnte dann nicht mal die schönste Farbe der Welt in Regia Premium Merino Yak retten.

Egal, er ist längst geribbelt, das Thema ist durch. Ich muss jetzt nur noch gucken, wie ich das der Strickmamsell erkläre, die fast ein bißchen ungehalten war, als ich andeutete, mal wieder ribbeln zu wollen … 🙈 Sie hat ja Recht, es gibt durchaus Situationen, in denen ich das später bereut habe.

Dieses Mal nicht!

Denn jetzt macht mich schon das Stricken glücklich. Ich kann nicht genug bekommen von diesem Muster, das ich zuerst bei Elizabeth Felgate und ihrer Sweetly Kollektion (bestehend aus Mütze und fingerlosen Handschuhen) gesehen habe, später dann bei Ducathi und ihren Hazel Socken. Maschen, die sich alle vier Reihen wiederholen, immer das Gleiche und doch nie langweilig. Irgendwie ein Mantra – wenn stricken ein Mantra sein kann.

2017 schreibt Elizabeth auf Instagram über das Muster: „The stitch pattern is custom designed and features my current obsession, the k1 long stitch, which I use to create cable-like patterns without cabling„. Ich habe sie jetzt mal gefragt, ob sie ihm zwischenzeitlich einen Namen gegeben hat. Den würde ich dann noch ergänzen.

Aber zurück zum wachsenden Pullover: Spätestens morgen kann ich mit dem ersten Ärmel anfangen. Nach dem zweiten Ärmel habe ich dann alle Maschen auf der Nadel, es kommen Raglanschrägen, der Kragen und das wars.

Easy peasy! Ich freue mich!

Zumal hier schon das nächste Projekt liegt. Wieder ein Pullover und den will ich so dringend stricken, dass vielleicht sogar der Grüne ein bißchen warten muss.

Toffee und Mint heißen die Farben der schönen Regia Premium Alpaca Soft, aus der ich schon den Dinosaurier-Pullover für den Teenager gestrickt habe. Wie es der Zufall will, habe ich gestern eine Anleitung entdeckt, die exakt (aber wirklich EXAKT) mit meinen damaligen Maschenproben und Maschenzahlen übereinstimmt. Wenn das nicht Fügung ist!

Immer das Gleiche: die Aussicht auf ein neues Projekt und schon ist das Leben wieder bunt.

Schneller Nachtrag zum Post der vergangenen Woche: danke für Eure Reaktionen, Nachrichten und Kommentare. Wie cool, wenn es mir gelungen ist, der einen oder anderen einen Denkanstoß zu geben. Schadet nie, über eigenes Geld nachzudenken. Im Gegenteil!

Ich höre weiterhin den Podcast von Madame Moneypenny, wenn auch nicht mehr jede Folge. („MoneyTalk“ und „Quartalsbericht“ sind 2020 meine Favoriten, weiter bin ich noch nicht). Parallel recherchiere und lese ich im Netz zum Thema ‚Geldanlage‘ und führe ein Haushaltsbuch. Letzteres ist der Knaller … So grob wußte ich zwar immer, was wir haben und was nicht. Die nackten Zahlen sind dennoch in vieler Hinsicht eine Überraschung. Wüßtet Ihr aus dem Stand, wieviel Geld Ihr monatlich für Lebensmittel ausgebt? (… dachte ich mir …). Wissen wohl die wenigsten – auch das ist immer und bei allen das Gleiche 😉.

Altersarmut

In den vergangenen beiden Wochen habe ich mich weniger mit Wolle, als mit Geld beschäftigt. Genau genommen mit Altersarmut. Das war nicht geplant, es hat sich einfach so ergeben. Weil ich über den Podcast von Madame Moneypenny gestolpert bin. Ich habe reingehört und bin hängen geblieben. 93 Folgen später (insgesamt sind es Stand heute 206, das heißt da warten noch ein paar auf mich …) habe ich unfassbar viel recherchiert, gelesen, gehört und gelernt – und wenig gestrickt.

Dafür weiß ich jetzt, was ETFs sind und Anleihen und „analysis paralysis“, was Asset Allocation bedeutet, warum Diversifikation wichtig ist, wie meine Risikobereitschaft ist, was der Unterschied zwischen physischer und synthetischer Replikationsmethode ist und – das ist vielleicht das Wichtigste – dass sich der Umgang mit Geld lernen läßt. Es ist noch nicht mal schwer. Ein bißchen wie Vokabeln lernen.

Ich weiß auch, warum ich das jetzt lernen möchte. Was mein Ziel ist, wo ich hin will, wie das funktionieren könnte und dass ich das Thema nicht mehr loslassen werde. Nie mehr sowas wie „ja, … da müßte ich vielleicht auch mal ran“ oder „das verstehe ich eh nicht ….“ Klar war es praktisch, in Gelddingen immer einfach nur meine Mutter anzurufen, meine große Schwester oder – wenn beide nicht helfen konnten (kam eigentlich nicht vor) – die Bankberaterin und dann zu tun, was mir gesagt wurde. Aber noch cooler ist es, jetzt zu wissen, was ich tue, was es kostet (oder gerade nicht) und wo es mich hinführt.

Bei allem weiß ich, dass ich Glück habe. Nicht nur, weil ich gut ausgebildet bin. So lange ich denken kann, hat sich immer meine (berufstätige) Mutter um die Finanzen gekümmert, nicht mein Vater. Das hat mich geprägt. Ohne darüber nachzudenken, habe ich (haben wir: der Mann und ich) das übernommen.

Kein Konto auf meinen Namen? Kein eigenes Geld? Beides war nie eine Option. Alle Rechnungen, Daueraufträge, Versicherungen, Steuererklärungen landen bei mir. Alles (bisher) im Blindflug. „Ich leg Dir das mal auf den Schreibtisch“ ist ein Klassiker. „Haben wir Geld?“ auch.

Und doch ist unsere Arbeitsteilung ansonsten leider traditionell …. Auch wenn ich bis zur Geburt des Teenagers mehr gearbeitet und mehr verdient habe als der Mann – seither bin ich in Teilzeit. Bekloppt, oder?!

Und damit sind wir nicht alleine. Die Erwerbsbiografien von Frauen sind immer noch deutlich häufiger unterbrochen, als die der Männer. Egal, wie gut sie ausgebildet sind, egal, wie gleichberechtigt Paare leben. Spätestens, wenn das erste Kind auf die Welt kommt, sind traditionelle Rollenmuster wieder da: Haushalt, Kind(er), Teilzeitjob, Altersarmut für Frauen – Gehaltserhöhungen, Karriere, Altersvorsorge bei Männern. Ein Vorsprung, der sich nie mehr aufholen läßt und der mit jedem Kind krasser wird. Und so lange es Regelungen wie das Ehegattensplitting gibt, wird sich das wohl auch nie ändern.

„Über Geld spricht man nicht“ – war das bei Euch auch so? Geld als Tabuthema, das ist deutsch. Quer durch alle Bildungs- und Einkommensschichten. Anders in Oregon, als ich dort in den 90ern gearbeitet habe: Lohn, Gratifikationen, finanzieller Erfolg – alles wurde offen besprochen. Und gezeigt.

Statistiken zu Folge lebt heute jede vierte Frau in Deutschland unter 40 überwiegend vom Geld ihres Partners. Nochmal: Jede vierte Frau unter 40! Gleichzeitig lag 2020 die Scheidungsrate bei 38,52%. Ehevertrag? Absicherung? Pustekuchen. Alleinerziehende Mütter arbeiten häufig im Niedriglohnbereich und in systemrelevanten Berufen; 43% von ihnen gelten als „einkommensarm“*. Was das für die Rente bedeutet, kann man sich ausrechnen: Altersarmut ist weiblich!

Lösen läßt sich das nicht. Zumindest nicht so einfach. In der Theorie mag es ja funktionieren, dass Mütter Vollzeit arbeiten, dass Eltern sich die Arbeit im Haushalt teilen, dass beide einen gut bezahlten Job haben und in jungen Jahren anfangen fürs Alter vorzusorgen – aber in der Praxis ist es kompliziert. Vieles davon ist für viele Paare überhaupt nicht machbar. Weil es nicht genug Kindergartenplätze gibt oder keine Jobs oder jobbedingt Fernbeziehungen oder Scheidung(en) oder Schichtdienst oder pflegebedürftige Angehörige oder alles zusammen.

Und was dazu kommt: wenn sich Jede/r nur noch um sich selber kümmert, wenn Altersvorsorge und finanzielle Rücklagen in der Verantwortung des Einzelnen sind und nicht mehr gesellschaftliche Verantwortung, wenn weiterhin Reproduktionsarbeit der Produktionsarbeit nachgeordnet wird – was wird dann aus uns? Wer setzt sich dann noch für das Gemeinwohl ein? Wer kann sich das dann überhaupt noch leisten? Wie gesagt: es treibt mich um.

Wir müssen darüber reden!

So lang sollte dieser Blogpost gar nicht werden. So düster auch nicht, an einem so sonnigen Oktobertag. Und doch … Wenn Ihr es bisher nicht gemacht habt, kann ich Euch nur dringend dazu raten, Euch mit dem Thema privater Altersvorsorge, finanzieller Unabhängigkeit und vielleicht sogar Vermögensaufbau zu beschäftigen. Fangt einfach irgendwo an. Es muss ja nicht der Podcast von Madame Moneypenny sein. Könnte es aber.

Es ist so (so!) wichtig!

Für all jene, die jedoch in erster Linie wegen des Strick-Contents hierher gekommen sind: die Bilder zeigen meinen #IsabelsInfinity, das ist das neueste Design von Sophia. Ein superschöner … ja, was eigentlich … Loop, Schal, Tuch, Mantilla. Aus weicher Regia Premium Cashmere (2 Knäuel) und noch viel toller, als ich es erwartet hatte. So toll, dass ich unbedingt noch mehr und andere (Trage)Bilder machen will und werde.

Genau genommen hat dieses schöne Teil einen eigenen Blogpost verdient. Gleichzeitig weiß ich, dass Sophia wohl alles unterschreiben würde, was ich gerade geschrieben habe. Wahrscheinlich würde sie sogar noch einen drauf setzen. Lest bitte unbedingt die Lebensgeschichte der schönen Isabel Moctezuma in ihrem aktuellen Blogpost. Diese „royale Rebellin“ hat zwar auch nicht in die Rentenkasse eingezahlt, aber trotzdem ihren Weg gemacht.

Und jetzt auf zum #SamstagsRant, ähm … #Samstagsplausch

 

* Zu all den im Blogpost genannten Zahlen gibt es Studien, Statistiken, Nachweise im Netz. Wäre das hier eine wissenschaftliche Ausarbeitung, würde ich sie als Quellen angeben. Ist es aber nicht.