Mein UFO

Es gab mal eine Zeit, da habe ich behauptet, keine UFOs (also ‚unfinished objects‘ für die Nicht-Stricker:innen unter uns) zu besitzen. Bestenfalls das eine oder andere WIP (‚work in progress‘), also Dinge, die hier nicht nur ‚rumliegen, sondern die irgendwann auch fertig werden. Ja, manches dauert dann vielleicht bißchen länger, manches sogar ziemlich lange, aber irgendwann ist bisher noch alles fertig geworden.

Bis auf eins … das, was mal ein Caramida-Tuch nach der Anleitung von Marisa werden sollte. Im Juni 2016 habe ich damit angefangen. Zu dicke Wolle, zu viele Farben und deshalb zu viele Fäden gleichzeitig. Immermal habe ich dann darüber gebloggt, wohl in der Hoffnung, dass das den Druck erhöhen würde das Tuch fertig zu stricken, hat aber nicht geklappt. Ab und an habe ich nochmal eine Reihe dran gestrickt, aber seit 2017 liegt es nun in einer Plastikkiste bei meiner Wolle.

Ich gebe zu: als es mir irgendwarum gestern Nacht vor dem Einschlafen wieder einfiel, hatte ich die leise Hoffnung, in der Kiste könnten mittlerweile vielleicht Motten sein. Oder dass heimlich jemand an dem Tuch weiter gestrickt haben könnte.

Beides ist nicht passiert.

Also habe ich es mal wieder aus seiner Kiste geholt und auf dem Wohnzimmer-Fußboden ausgebreitet … 11 Fäden hängen dran. Jetzt liegt es da …. Die Voraussetzungen, es endlich fertig zu machen, sind gut. Ich habe nichts auf den Nadeln, weil ich auf Sockenwolle warte. Und doch habe ich Null Bock fehlt ein wenig die Motivation … Während ich also darüber nachdachte, ob es nun an der Zeit wäre, das Ganze zu ribbeln, kam der Mann dazu. Der, der sich nie zu meinen Strickereien äußert, sagte nun „Oh, das ist aber schön. Tolle Farben! Was wird das?“

Wenn ich das wüßte. Ein Tuch sicher nicht. Zu viel, zu schwer, zu bunt.

Was wäre, wenn ich eine Decke daraus mache? Keine Ahnung, wie weit ich mit der Wolle noch komme, aber ich glaube, das wäre einen Versuch wert. Stand jetzt ist eine Seite 110cm lang. Das könnte die Schmalseite sein. Eine Länge von 150cm müßte drin sein, glaube ich. Ich muß das noch zu Ende rechnen.

Das Garn ist echt schön und in schöner Qualität. Da habe ich schon mal ausführlich drüber gebloggt. Die einzelnen Knäuel sind entweder 50% Wolle / 50% Baumwolle oder 85% Wolle / 15 % Polyester oder 25% Wolle / 55% Viskose / 20% Leinen oder eine Wolle-Viskose Mischung 42/58%). Und die Farben mag ich auch. Mehr steht bei Ravelry.

Nachdem ich 4 Knäuel der grauen Wolle habe und von allen anderen nur jeweils eins, hätte meine Decke an der Seite einen breiten grauen Streifen (also das, was momentan ein großes Dreieck ist an der linken Seite). Das ist jetzt nicht der Knaller, aber auch nicht schlimm.

Ich glaube, das mache ich.

Was sagen denn meine Knitwoch-Freundinnen, Andrea und Magda dazu? Machen oder ribbeln?

 

Quarantäne, Teil II

Danke für alle Kommentare am Wochenende! Zu sehen, dass das, was ich schreibe, nicht ins Leere läuft, war wieder mal ein unglaublich gutes Gefühl 💙.

Wir sind hier immer noch in Quarantäne. Allerbestens versorgt mit Blumen meiner wunderbaren Freundin und Einkäufen der Lieblingsnachbarinnen. Dennoch – ein Tag wie der andere und daran wird sich wohl bis Anfang kommender Woche auch nichts mehr ändern.

Der Teenager wurde kein zweites Mal getestet, weil das Neuköllner Gesundheitsamt keine Kapazitäten mehr hat. Fieber messen, beobachten und warten. Nach 14 Tagen ist auch die längste Inkubationszeit vorbei. Das haben sie mir auf Nachfragen mit auf den Weg gegeben.

So logisch das ist, so sehr es mir einleuchtet, ist es doch unbefriedigend. Ich hätte gerne gewußt, ob er nun infiziert war oder nicht. Ob er – im Idealfall – bis auf Fieber symptomfrei davongekommen ist und nun Antikörper hat oder nicht. Ob ich mir ab sofort weniger Gedanken über mögliche Infektionen in der Schule machen werde oder nicht. Und warum ich immer noch Halsschmerzen habe.

Aber all das werden wir wohl nie erfahren.

Seit gestern schicken die Lehrer:innen jetzt immerhin Hausaufgaben und Unterichtsmaterialien. Erwartungsgemäß führt das dazu, dass meine Stimmung sich deutlich bessert, während mein Teenager das nicht wirklich komisch findet. Alltag.

Irgendwie zumindest.

Mein Dissent Cowl ist fertig und gefällt mir ungemein gut. Der war schnell gemacht und die Mosaiktechnik erinnert mich tatsächlich an Schmuck. Regia Premium Alpaca Soft ist total angenehm am Hals und verstrickt mit 2,5er Nadeln auch so engmaschig, dass der Kragen seine Form behält. Infos zum Cowl sind auf Ravelry hinterlegt.

Ich möchte noch einen stricken. Am liebsten mit klarem Maschenbild (also ohne das fusselige, das Alpaca nun mal hat, Silk ist vielleicht eine Idee) und mit minimalem Farbverlauf, oder Speckles oder so beim helleren Garn. Mal sehen, was ich hier in der Richtung finde. Das eine oder andere Knäuel habe ich ja noch …

Totales Highlight war natürlich das Lob aus Designer-Mund auf Instagram! Ein kleines Herz hätte mich schon gefreut; die Bitte, mein Bild zeigen zu dürfen hat mich sprachlos-glücklich  gemacht.

Heute Abend stricke ich mit Sophia. Zumindest virtuell. Aber vorher lese ich noch ihren neuen Blogpost über die Sockenmaschine aus dem 3D-Drucker. (Note to Self: da müssen wir unbedingt drüber reden heute Abend 😬).

Doch, ist ein guter Tag heute. Deiner hoffentlich auch.

Mittlerweile ist Wochenende und ich schiebe meinen Post zu Andrea, verbunden mit dem Versprechen, morgen einen „richtigen“ Wochenendpost zu schreiben. Heute reicht die Energie dafür nicht mehr … 💤

Quarantäne

Mittwoch hat mich der  Teenager aus dem Unterricht angerufen. Gleich nachdem der Direktor sie informiert hat: Ein Freund und Klassenkamerad wurde positiv auf Covid-19 getestet. Der Freund, mit dem er Montag drei Freistunden verbracht hat … Also bin ich zur Schule gefahren, habe ihn aus dem Unterricht geholt (in mir ist Dwayne Johnson) und testen lassen.

Plötzlich ist alles ganz nah.

Donnerstag blieb er zu Hause und schlief sich aus. Teenager schlafen morgens gerne lange. Weiß ich, steht überall und doch … Ich fing an, Symptome zu vermuten. War das jetzt Teenager-typisches Verhalten oder Zeichen einer Infektion?

Donnerstagabend kam Entwarnung: Negativ!

Aber um einer Inkubationszeit von mindestens 5 Tagen gerecht zu werden, haben wir entschieden, er bleibt Freitag noch zu Hause. Wissend, dass er in die 11. Klasse geht. Dass jede Stunde zählt, dass Dienstag die erste Klausur geschrieben wird, dass … ach, was solls. Es gibt Wichtigeres.

Freitagmittag rief das Gesundheitsamt an. Der sehr freundliche Mann sagte, wir hätten den Test zu früh gemacht. Der Teenager sei Kontaktperson ersten Grades und deshalb müssen wir in Quarantäne bis zum 12. Oktober. Außerdem müsse der Test am kommenden Montag wiederholt werden. Ich bekam eine „Anordnung der häuslichen Isolation“ per eMail. Unter anderem mit der Maßgabe „zweimal täglich (mit einem Zeitabstand von mindestens sechs Stunden zwischen den Messungen) bei Ihrem Kind Fieber zu messen und Symptome, Temperatur sowie Aktivitäten zeitlich zu erfassen.“

Als der Sohn wenig später aufwachte, hatte er 37,7°. Keine Symptome. Keine Aktivitäten.

Den Nachmittag verbrachte er im Chat und an der PS4 mit dem infizierten Jungen und zwei anderen, die auf ihre Testergebnisse warten. Ich glaube, es hat ihm sogar gefallen. Nachmittags hatte er Fieber: 38,4°. Ab ins Bett!

Abends waren es 38,9° und meine Nerven dünn. Ich habe mich immer für pragmatisch gehalten. Bin ich es nicht?

Wenn ich krank bin – das kann ich. Wenn er krank ist – das kann ich nicht. Auch wenn er schon 16 ist. Nicht in sein Zimmer zu gehen und wenn doch, dann mit Maske. Ihn alleine essen zu lassen (ja, er ißt und der Geschmackssinn funktioniert. Kann ich irgendwann wieder normal denken?), ihn nicht umarmen zu können (zumindest nicht vor dem Ergebnis des zweiten Tests) – das ist so schwer. Weggehen, wenn ich hingehen möchte.

Heute morgen scheint das Fieber weg zu sein: 37,4°.

Wie immer das weiter geht. Es ist nur zur Sicherheit. Niemand weiß, ob er sich wirklich infiziert hat. Meine Nachbarinnen haben angeboten, für uns einkaufen zu gehen. Arbeiten kann ich von zu Hause. Draußen ist Sonne und wir haben einen Garten. Eigentlich ist alles gut. Eigentlich.

Montag kommt nach Samstag – das ist mein Mantra. Was immer jetzt kommt: es hat nach der Konfirmation begonnen. Dieses so schöne kleine Fest. 16 Menschen auf knapp 50qm. Bei offener Verandatür und offenem Fenster. Draußen 12 Grad und naß. Vielleicht haben wir uns ja einfach nur erkältet.

Meine Schwester hat mir kleine rosa Herzen gebacken.

Die esse ich jetzt. Wenn die Dose leer ist, ist der Spuk vorbei.

Geteilt in Andreas Samstagsplausch. (Stricken wir virtuell am Montag?)

 

1 Konfirmation und 104 Cotton Cashmere Quadrate

12 Grad und Dauerregen. Egal, wie oft ich mir sage, dass das gut für den Garten ist – es tröstet mich wenig. Denn heute wird der Teenager konfirmiert. Der eigentliche Termin war Anfang Juni (übrigens auch ein verregnetes Wochenende) und musste (wie so Vieles) verschoben werden. Wir waren damals sicher nicht die Einzigen, die dachten, ach, bis Ende September ist noch so lange hin …

Von wegen!  Zack – ist Ende September. Nach endlosen Wochen, in denen der Himmel blau und die Sonne fast zu warm war. Noch bis vor zwei Wochen habe ich an der Idee eines Gartenfestes festgehalten. 20 Personen, alle an einer langen Tafel und zum Dessert gegrillte Melone.

Dann sagten die Gäste ab, einer nach der anderen. Alle mit guten und nachvollziehbaren Gründen und doch waren wir traurig.

Aber es half ja nichts. Also Plan B: Kirche am Nachmittag und im Anschluß Kaffee und Kuchen im Wohnzimmer für die, die sowieso in Berlin sind und kommen möchten. Und siehe da, sie möchten. Nicht nur sie. Auch Gäste aus Halle, Münster, Hamburg. Versteh einer die Welt. Wir sind wieder 16 Personen. So alt ist auch der Konfirmand, das passt ja. Um ihn mache ich mir keine Sorgen. Um die Schwester meines Schwiegervaters (92) durchaus.

Sie hat entschieden unbedingt dabei sein zu wollen. Also kam sie bereits vorgestern, entschlossen bei den Vorbereitungen zu helfen (eine unglaubliche Frau!).

Jetzt steht ein Tisch im Wohnzimmer, einer in der Küche, einer im Garten unter einem Zelt. Da lege ich gleich noch Decken dazu. Wie vor einem Café im Winter.

A propos Decken … Gestrickt habe ich bei all dem gar nicht. Nicht eine Masche. Aber vor ein paar Wochen gehäkelt. Und jetzt, wo die Decke verschenkt ist, kann ich auch Bilder zeigen.

Ein wunderbarer, großzügiger Mensch hat mir Mitte August „eine kleine Herde Rowan Cotton Cashmere“ (so stand es in der Karte) geschickt. Einfach so. Das Garn schrie nach Granny Squares, also habe ich genau das gemacht. Ein Quadrat nach dem anderen, so weit die Wolle reichte. Eine Punktlandung sozusagen. Bei der Umrandung war das blaue Fädchen so knapp, dass die letzte Ecke grün werden musste. Außerdem sind zwei Blumen jeweils zweifarbig. Blau-blau die eine, blau-grau die andere. Handarbeit eben.

104 Cotton Cashmere Quadrate sind es geworden, die ich schließlich zusammengehäkelt (das hat zwei Tage gedauert), dann umhäkelt, verpackt und zurückgeschickt habe. BÄMM!

Danach habe ich ein paar Tage gebangt, ob dieses Geschenk so angenommen werden würde, wie von mir erhofft. Aber das wurde es. Die Cotton Cashmere Decke wird benutzt und beschmust, was mich ziemlich sehr glücklich macht gerade.

Kein Wunder bei dem Material. Wirklich – ich möchte nur noch Decken aus Cotton Cashmere haben.

Aber jetzt ist erstmal Familie dran. Frankfurter Kranz statt gegrillter Melone. Hat auch ‚was 😉. Und mein Blogpost geht (wie jedes Wochenende) zu Andrea. Wie immer Dein kaltes, nasses Wochenende aussieht – hab es schön!

RBG

Manchmal weiß ich schon montags, worüber ich am kommenden Wochenende schreiben möchte. Manchmal sitze ich sonntags vor dem leeren Bildschirm ohne Plan oder Idee. Und manchmal ist alles anders.

So, wie dieses Wochenende.

Ruth Bader Ginsburg ist gestorben und das geht mir nicht aus dem Kopf. Es beschäftigt und blockiert mich das zu schreiben, was ich sonst hätte schreiben wollen. Weil ich Amerikanistik studiert habe, weil ich beruflich viel mit Amerika zu tun habe und – das ist wohl das Entscheidende – weil ich RBG sehr bewundert habe.

Ihre eiserne Disziplin, ihr scharfer Verstand und ihre äußerliche Gelassenheit haben mich mindestens genauso beeindruckt, wie das, was sie erreicht hat. Sie war Ikone des feministischen und liberalen Amerikas, Rechtsprofessorin und Popstar, Richterin am Supreme Court, eine unglaubliche Frau. Sie nannte Trump einen Schwindler.

Notorious RBG wurde sie genannt und das soll ihr gefallen haben. Notorious heißt berühmt-berüchtigt. Auf Bildern setzte man ihr die Krone von Notorious B.I.G. auf (die übrigens gerade in einer Auktion für 600.000 US$ verkauft wurde, aber das gehört hier eigentlich nicht hin).

Ich möchte heute nicht über Wolle schreiben.

Wenn, dann nur über den Dissent Cowl von Carissa Browning. Es gibt eine Strick- und eine Häkelanleitung für diesen Kragen, der in Anlehung an RBG’s berühmtesten Kragen, den Dissent Collar, designed ist. (Wer es nicht weiß: RBG hatte zahlreiche Kragen, die sie zur Richterrobe trug. Sie waren eines ihrer Markenzeichen).

Gestern hat Carissa Browning auf Instagram angekündigt, dass der Erlös aus dem Verkauf beider Anleitungen ab sofort und bis zum Wahltag am 3. November 2020 zu 100% der ACLU, der American Cicil Liberties Union, die sich für Bürgerrechte einsetzt (z.B. Abtreibung, Meinungsfreiheit, Abschaffung der Todesstrafe, die Rechte von Homosexuellen usw.) zugute kommen soll.

Heute morgen hat sie überwältigt geschrieben, dass in weniger als 24 Stunden über 10.000 Dollar zusammen gekommen sind.

Ich habe meinen Dissent Cowl gestern Abend begonnen. In nachtblau und mint. Aus Regia Premium Alpaca Soft.

 

Verdammt, ja, ich bin traurig. Noch 44 Tage bis zur Wahl.

 

Mein Beitrag zu Andreas Samstagsplausch. Wieder mal erst am Sonntag.