12°C und Regen

In den Herbstferien war ich mit dem Sohn für eine Woche in einem Freizeitpark im Emsland. Diesen Park gibt es schon ewig; Familie und Freunde, die jedes Jahr im Herbst dorthin fahren auch. Der Sohn war nicht uninteressiert, also habe ich für uns gebucht.

Zu unserer Gruppe gehörten 30 Erwachsene (Überraschung – mehrheitlich Mütter) und 90 Teenager. Der Sohn und ich teilten uns ein Ferienhaus mit einer meiner liebsten Freundinnen und ihren beiden Töchtern. Und ich wußte (schon bevor wir losfuhren) wie jeder Tag werden würde: Ausschlafen und dann Tee mit der Freundin, mit meiner Schwester (Ferienhaus schräg gegenüber), mit meiner Cousine (Ferienhaus gegenüber) und stricken. Immer und überall.

Was soll man auch sonst machen bei 12°C und Regen? Ich hatte also zwei Wollprojekte mit, außerdem Reservegarn und Extranadeln. Keine Regenjacke, keine Gummistiefel.

Nur ging mein Plan nicht auf. Vielleicht weil die Tage so unfassbar schnell vorbei gingen. Eine einzige Pixie-Mütze habe ich gestrickt und die wurde nicht mal ganz fertig. Aber Tee habe ich getrunken. Unfassbar viel Tee. Und draußen gesessen. Auf der einen Veranda oder auf der anderen. Bei Nieselregen, Landregen oder Regenschauern. Meistens bei 12°C. Abends auch gerne mal kühler …

Der Sohn war den ganzen Tag mit einem fröhlichen Trupp auf dem Fahrrad unterwegs. Ohne Mobiltelefon („das brauche ich hier nicht“). Nachts hat er geschlafen wie ein Murmeltier.

Ich hatte auf dieser Freizeitpark-Woche bestanden, obwohl wir irgendwann wußten, dass parallel dazu ein Basketball-Camp in Thüringen stattfinden würde. Der Sohn war der Einzige aus seiner Mannschaft, der nicht daran teilnahm.

Er hat in dieser Woche kein einziges Mal den Ball (der natürlich mit war) in die Hand genommen. Mehr muss man wohl nicht sagen.

Es war toll! Nächstes Jahr wollen wir wieder hin. Beide.

3 Minuten: Patent-Gestrick zusammennähen

3 Minuten – mehr braucht es in der Regel nicht, um nachzulesen was mir gerade nicht einfällt. Eine bestimmte Technik, ein Kniff, eine Eselsbrücke, eben das, was mir in genau diesem Moment beim Stricken oder Häkeln weiterhelfen würde.

Aber wo habe ich es hingeschrieben? War es online oder auf einem Zettel? Meistens dauert die Suche danach viel länger als von mir gewollt (auf jeden Fall deutlich länger als drei Minuten …) und deshalb werde ich das ab sofort hier sammeln. Um mir (und vielleicht auch Euch) das Leben Stricken leichter zu machen.

Der Loop für den Sohn ist gestrickt in Patent, was ihn (den Schal, nicht den Sohn) super voluminös macht. Das war ebenso eine Vorgabe wie (2) „doppelt um den Hals zu tragen“ und (3) in Lieblingsfarbe: Pink!

Ich habe mit provisorischem Maschenanschlag begonnen (5er Nadel, 40M / 27cm) und 130cm gestrickt. YouTube hat mir dann (sehr genial!) in zwei kleinen Videos beigebracht, wie man Patent zusammennäht, so dass die Naht unsichtbar wird (Video Teil 1 und Teil 2).

Das hat im Erstversuch nicht ganz geklappt. Meine Naht ist sichtbar. Aber das macht nichts.

Gestrickt habe ich mit Drops Merino ExtraFine in Pink (5 Knäuel); Beilauffaden war mehrheitlich Drops KidSilk in dunkelrosa (2 Knäuel) und als das Fädchen zu Ende ging, habe ich mit Pink weitergestrickt, einfach weil das hier noch lag. Auch das sieht man. Auch das macht nichts.

Mittlerweile hat die Wolle um ungefähr 10cm nachgegeben, der Loop ist jetzt 140cm lang, aber immer noch weich und voluminös. Kommentare gibt es viele („Na, hat deine Mutter dir ihren Schal gegeben?“ oder „Dir muss kalt sein, wenn du Pink trägst“), aber sowas läßt den Sohn nur müde lächeln. Es hält ihn nicht davon ab den schmuseweichen Loop zu lieben. So sehr, dass er ihn ständig trägt.

Die Farbe ist unfassbar und auch im richtigen Leben mindestens so grell wie auf dem Bild.

Konsequenz: Der Mann möchte jetzt auch einen. Genauso weich und voluminös, aber in Flaschengrün. Ich kann die Naht also noch mal üben.

Viel um die Ohren (in jeder Hinsicht)

Vergangene Woche waren Chef und Chefin in der Stadt, ich wollte unbedingt einen Kaminholz-Unterstand bauen und die Nürnberger Patentochter hatte sich zu Mittwoch für einen 4-tägigen Besuch angesagt. Nicht besser wurde die volle Woche durch all das, was sowieso gemacht werden muss (Haushalt), das, was am letzten Wochenende liegenblieb, weil wir nicht in Berlin waren (Wäsche …) und zwei Säcke (Säcke!) voller Quitten, die verarbeitet werden wollten. Der Magenvirus, der da am Donnerstag noch oben drauf kam, war dann fast schon egal … ?

Kurz: Bloggen war einfach nicht drin. Stricken eher auch nicht. Viel zu viel um die Ohren.

Jetzt sind Chef und Chefin wieder weg (der Virus zum Glück auch), der Unterstand ist gebaut und seit gestern befüllt, Quittengelee aus 6 Litern Saft ist gekocht und heute morgen (es war noch dunkel) habe ich die Patentochter wieder zur Bahn gebracht.

Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag – irre, wie schnell man sich an einen lieben Menschen gewöhnt. Wunderbar, dass wir trotz allem soviel Zeit für einander hatten. Der Sohn mit ihr, ich mit ihr, wir mit uns. Jetzt, wo sie weg ist, ist da tatsächlich ein Loch.

Und à propos „um die Ohren“: Sie hat sich so süß über den meergrünen Schal gefreut. Dabei war ich neulich ganz nah dran ihn wieder aufzuribbeln, weil ich dachte, der sitzt nie im Leben. Jetzt gefällt er mir an ihr so gut, dass ich überlege einen zweiten zu stricken.

Aber erstmal nicht. Für den Moment ist mir ein Mittagsschlaf näher als jede Stricknadel. Was immer Ihr heute macht – habt es schön!

Rezension: Happy Living

Nicoletta lebt in Berlin-Neukölln (wie ich), strickt, häkelt und bloggt (wie ich) und irgendwie fühlt es sich an, als würden wir uns kennen. Tun wir aber nicht, wenn man mal davon absieht, dass wir uns ab und an schreiben. Wir wissen umeinander, wir haben letztes Jahr (oder war das schon 2015?) #30DaysOfBlogging zusammen durchgestanden und wir folgen uns in den sozialen Medien. Gemeinsam (und doch jede für sich) taumeln wir zwischen bloggen auf Deutsch und Englisch, häkeln und stricken, online und offline.

Happy Living Häkelmonster GUNun hat sie mir ihr Buch geschickt. Happy Living, Häkeln für Zuhause (erschienen bei GU, ISBN: 9783833862373, 144 Seiten, Hardcover) und das ist genau so! Hat es mich zuerst auch irritiert, dass alle Überschriften in englischer Sprache sind und die zugehörigen Texte auf Deutsch, finde ich mittlerweile, dass das ganz wunderbar zu Nicoletta, ihrem Stil und ihren Projekten passt.

Aber, ehe ich weiterschreibe: SPOILER ALERT – klickt jetzt einfach weg und lest nicht weiter, wenn Ihr von dem Buch genau so überrascht werden wollt wie ich. Denn ich war wirklich überrascht! Ich wußte zwar, dass es das Buch geben würde, habe mich vorab aber überhaupt nicht damit befasst, wie es wohl aufgemacht sein würde und das ist meiner Ansicht nach sehr, sehr gut gelungen. Trotzdem anders als ich vermutet hätte.

Happy Living Häkelmonster GUHappy Living verspricht ein perfektes Wochenende, tiefenentspanntes Häkeln. Dem ordnet sich alles unter: Auswahl der Projekte, Zusammenstellung, Bilder. Schon beim ersten Durchblättern hatte ich gleich gute Laune. Denn zu jedem der 16 Projekte gibt es ein (fast immer) passendes Szenario. Und das macht aus dem Häkelbuch ein DIY-Buch.

Beispiel gefällig? Zu der Anleitung für zwei Topflappen gehört ein Apfeltarte-Rezept. Mit Minze. Die weissen Teelicht-Hüllen sehen (wegen der Büschelmaschen) genauso aus wie das Popcorn auf der Folgeseite (beides wird zu einem Filmabend empfohlen) und die „words of wisdom“, die zu der Wärmflasche gehören, kennen wir glaube ich alle.

fullsizeoutput_6876Manche dieser Paare finde ich sehr gelungen, andere nicht so, aber das ist (wie so oft) subjektiv. Stand jetzt ist die Decke aus Dreiecken mein Favorit. (Dazu gerne heiße Schokolade). Und die Bodenschale. Die ist auch toll.

fullsizeoutput_6874Nichts in dem Buch ist Hexenwerk, nichts sieht kompliziert aus. Soll es aber wohl auch nicht, denn es geht ja – wie gesagt – um ein entspanntes Wochenende. Dickes Garn, schöne Farben, schneller Erfolg. Einzelstücke mit Anspruch auf einen Ehrenplatz in der Wohnung, schreibt Nicoletta im Vorwort.

Kaufempfehlung? Durchaus, wenn Ihr auf der Suche nach einem schön gemachten Buch seid, in dem nicht Häkeln im Vordergrund steht, sondern Do It Yourself. Neben den Anleitungen, Bildern und Sprüchen gibt es natürlich auch ein Kapitel zu Materialkunde und einen bebilderten Anleitungsteil. Und den GU-Loop – was das ist, sage ich Euch jetzt aber nicht. Bißchen Überraschung muss schließlich bleiben. Aus dem gleichen Grund habe ich auch nicht das Inhaltsverzeichnis photographiert sondern das Suchwort-Register.

fullsizeoutput_6877Also: guckt es Euch an und gebt mir Feedback! Ich wüßte gerne, wie dieses Buch bei Euch ankommt.

Zwei Anmerkungen noch:

(1) Immer (immer!) wenn irgendwo „girls only“ dran steht, regt sich Widerstand in mir. Intuitiv. Das wird sich auch nie ändern. Meiner Ansicht nach ist dieses Buch für ALLE, sofern sie gerne häkeln, backen, lesen, malen, entspannen …

(2) Die Decke auf den Bildern ist meine und nicht nach einer Anleitung im Buch gearbeitet.

 

Beer Mitts

Dinge gibts, die gibts nicht – oder eben doch. So was ähnliches dachte ich, als mir die Chefin neulich ein Bild von einem Beer Mitt schickte. Sie war in Asien auf Geschäftsreise und kam mit einer Dame, die zu ihrer Delegation gehörte, ins Gespräch; ein Wort gab das andere und weil die Chefin bei allem, was mit Wolle zu tun hat, an mich denkt, kam dann das Bild per Mail an mich.

Ein Bier-Handschuh – verrückt, oder? Das habe ich echt noch nie gesehen. Braucht wahrscheinlich auch niemand. Es ist in der Idee sowas wie ein Fausthandschuh, der die Hand in „Becherhaltung“ zwingt. Gestrickt und um einen gehäkelten Boden erweitert. Da passt eine kleine Flasche rein oder eben ein Glas. Unisex und für Rechts- und Linkshänder gleichermassen.

Anleitungen finden sich überall im Netz. Auch in verschiedenen Größen. Profis stricken einen farblich passenden Handschuh für die andere Hand dazu, habe ich gesehen (aber nicht nachgemacht).

Und weil ich aus der Mail der Chefin zu lesen glaubte, dass sie genau so einen Handschuh gerne hätte und – ja – weil mich die Konstruktion gereizt hat und weil ich eh so wenig weniger als sonst auf den Nadeln habe, habe ich ihr gleich einen aus Wollresten gestrickt. Schurwolle, bißchen kratzig, aber warm. Passend für den Weihnachtsmarkt in USA.

Ich bin sehr (!) gespannt, was sie sagen wird, wenn sie in knapp zwei Wochen hier ist!

Für den Chef stricke ich auch noch einen. Und für meine Schwester. In Vereinsfarben. Dann hält der Kaffee länger warm, wenn sie im Winter am Fußballfeld steht, um ihre Jungs anzufeuern 🙂