Vorbei

Wieder ist ein Kalenderjahr vorbei, (für mich auch) ein weiteres Lebensjahr – so schnell, schneller noch als in den Vorjahren. Oder kommt es mir nur so vor? Der Kopf ist voll und doch will (noch?) nichts davon auf den Bildschirm, bzw. in mein Blog.

Dabei habe ich Silvester eine Schreibfeder aus Zinn gegossen. Schreibfedern symbolisieren „Kreativität und die Fähigkeit, Gedanken und Ideen auszudrücken“, steht auf der Umverpackung. Sie stehen für „Neuanfänge und die Möglichkeit, eigene Geschichten zu schreiben“.

Na dann 🙂

Es könnte aber auch ein Schuh sein. Reise? Veränderung? Fortbewegung? KI sagt, die Interpretation eines Schuhs ermutige dazu, „bewußte Entscheidungen auf dem Lebensweg zu treffen und sich auf bevorstehende Veränderungen einzustellen“.  Passt auch.

Was immer kommt – 2024 ist vorbei, alles steht gefühlt wieder auf Anfang!

Vorbei sind auch die vielen linken Maschen der kleinen Jacke. Zum Glück! Erstmalig ein Projekt, bei dem ich mich tatsächlich auf die Ärmel gefreut habe. Zweifarbiges Stricken ist so viel einfacher in Runden und mit rechten Maschen.

Die Spannfäden sind hoffentlich kurz genug für Kinderfinger, die Knopflöcher habe ich umstickt und mit Pferd, Vogel, Schmetterling, Sternen, Schafen und Herzen hoffentlich den Geschmack eines Kindes getroffen. Es fehlen nur noch die Knöpfe. Schwarze hätte ich, silberne möchte ich. Oder bunte.

Aber erstmal werde ich heute Weihnachten zurück in Kisten packen und die auf den Dachboden bringen, ehe Montag wieder Alltag ist. Andrea schreibt heute, bei ihr sei alles durcheinander – ich kann das so gut nachvollziehen.

Draußen liegt seit gestern Abend Schnee … Schnee in der Stadt ist ganz weit unten auf meiner Wunschliste … Möge diese Winterepisode deshalb ebenso schnell vorbei gehen, wie die letzten Tage in 2024!

Euch allen ein Happy New Year 💫

21.594 Meter

59 Projekte habe ich 2024 begonnen und beendet. Darunter 8 Pullover, 22 Paar Socken, 9 Mützen und 7 Mal Pulswärmer.

21.594 Meter verstrickte oder verhäkelte Wolle. Und wie immer am Ende eines Jahres überrascht sogar mich (durch deren Hände die Fäden für jedes dieser Projekte gelaufen sind) diese Zahl. 21.594 Meter. Das ist verrückt!

Schließlich habe ich „nebenbei“ auch gearbeitet und geschlafen, mich um Haus und Garten gekümmert, gegessen, Freundinnen und Familie gesehen – kurz: all das getan, was man Leben nennt.

Highlights für mich waren definitiv die beiden Pullover fürs große Kind – der Nordkalottengenser und der Weihnachtspullover (in beiden verstecken sich viele Meter Wolle) – und die Erkenntnis, dass man Wolle besticken kann: geübt habe ich das an den Tor Socken und an Pulswärmern mit bunten Blumen.

Die meisten kleinen Herzen hat auf Ravelry jedoch ein anderes Projekt bekommen: der Anton Pullover mit seinen Punkten, den ich in Rowan Cotton Cashmere gestrickt habe. Wundert mich unverändert, dass den nicht Alle gestrickt haben, aber nein. Stand heute gibt es keine weiteren Verlinkungen auf Ravelry.

Am häufigsten getragen habe ich sicherlich das EasyPeasy Tuch. Am wenigsten (also tatsächlich nie) die Sneakersocken aus REGIA Virtuoso (zu warm im Sommer und mit nacktem Bein ungeeignet für den Winter), den Lakewood Cowl und den Vinnje Collar. Beide sind schön, aber für meinen Hals nicht gemacht. Warum auch immer.

Nun also 2025! Vielleicht poste ich am Ende nur eine große Collage aller fertigen Projekte. Das wäre auch mal was. Oder ich stricke weniger. Oder mehr? Wieviele Meter werden es? Wer weiß das schon …

Wie jedes Jahr hat es Spaß gemacht, hier zu zeigen, was ich mache, ein bißchen aus meinem Leben zu erzählen und ab und an „zurückzublättern“.

Danke, dass Ihr dabei wart. Danke für’s Mitlesen und für Eure Kommentare. Es ist so schön zu wissen, wie viele „da draußen“ sind, die ebenso wollverrückt sind wie ich oder einfach nur interessiert an dem, was ich tue. Ich freue mich sehr, wenn das so bleibt.

Aber jetzt stricke ich erstmal den Sophie Schal zu Ende, der hier noch liegt. Wäre doch gelacht, wenn es nicht doch noch 60 Projekte werden in 2024 😉

 

Zum letzten Mal in diesem Jahr verlinkt zu Andrea’s Samstagsplausch.

Das Geschichte vom goldenen Anhänger

Ein Anhänger in goldener, schön geschwungener Schrift, „O du fröhliche“. Der Monk in mir vermisst das Komma zwischen dem O und dem Rest, das Herz erinnert die Geschichte.

Erinnerung ist selektiv und immer wieder bin ich überrascht, welche Ereignisse es letztlich sind, die „hängen bleiben“. So, wie die Geschichte dieses Anhängers. Oftmals nichts als kurze Momente, zufällige Situationen. So war es auch hier. Darüber geschrieben habe ich vor mittlerweile fünf Jahren und weil die Muse heute offensichtlich im Winterschlaf ist (oder in Weihnachtsvorbereitungen, wer weiß das schon), erzähle ich es Euch heute einfach nochmal.

Irgendwann Ende 2019 – nach Weihnachten und vor Silvester – musste ich ins KaDeWe, Besorgungen machen für den Chef, und weil wir da tatsächlich über’s Jahr nie hinfahren, kam der Mann mit. Wir hofften auf einen Rest von Weihnachtszauber.

Aber als wir hinkamen, war fast alles schon abgebaut. Überall standen zwar noch die Weihnachtsbäume, aber ohne Schmuck. Drumherum Kartons, Verpackungsmaterial, Rollwagen, ein Besen.

Das goldene „O du fröhliche“, das noch an einem Zweig baumelte, war trotzdem nicht zu übersehen. Und sofort erkannte der Mann, dass ich es haben wollte.

Also nahm er es ab, trug es zu einer Verkäuferin und fragte, ob er es kaufen könne. Sie zuckte mit den Schultern und schickte ihn zur Kasse. Dort schien niemand mehr Lust zu haben, Weihnachtsschmuck zu verkaufen. Im Gegenteil. Weihnachten sollte sichtlich in Kisten und weg – so dringend, dass keine der Damen den Mann auch nur angucken wollte. Also stand er da.

Sie müsse erst „nach hinten“ und den Katalog holen, der dort irgendwo sei, meinte schließlich eine von ihnen. Unüberhörbar schwang ein „was wollen Sie denn noch mit dem Ding? Weihnachten ist doch eh vorbei“ mit. Ich sah den Mann, sah seinen Blick und wußte, dass er nicht nachgeben würde. Und genau so war es. Freundlich bot er an zu warten oder mitzukommen „nach hinten“ – was immer ihr lieber wäre.

Ich setzte mich auf ein Podest in der Nähe. Wir hatten Zeit

Und weil das KaDeWe das KaDeWe ist, kam die Dame wenig später mit einem Katalog zurück, den sie dann Seite für Seite durchblätterte. Zwei Mal. Den Anhänger fand sie nicht. Seufzend bat sie telefonisch einen Kollegen um Hilfe. Der brachte einen zweiten Katalog. Beide runzelten die Stirn. Dann ging der Kollege wieder. Kopfschüttelnd.

Der Mann hielt unterdessen den Anhänger fest. „Ich möchte ihn meiner Frau schenken“, sagte er, „können wir uns nicht auf einen Preis einigen?“ Sie tat mir ein bißchen leid. Also ging ich weg, machte einen kleinen Spaziergang durch den Wald der abgeschmückten Bäume.

Dort fand mich der Mann kurz darauf. In der Hand hielt er den in Seidenpapier eingewickelten Anhänger. O du fröhliche! Wie er sie überzeugen konnte, was er letztlich gezahlt hat, blieb ein Geheimnis und ist es bis heute.

Aber die schön geschwungenen, goldenen Buchstaben hängen hier jedes Jahr wieder. Auch wenn die Welt zur Zeit wenig Anlaß gibt, fröhlich zu sein.

 

Verlinkt zu Andreas Samstagsplausch

Weihnachtskarten

Seit 2004 sind Weihnachtskarten fester Bestandteil meiner Weihnachtsvorbereitungen. In den ersten Jahren ein Foto auf Karton und auf der Rückseite handgeschriebene Wünsche, wurde es bald eine gedruckte Karte.

Kleinstauflage, 50 Stück.

Immer das gleiche Motiv, an immer der gleichen Stelle, mitten in Berlin. Erst Kleinkind, dann Kind, Teenager und jetzt junger Mann. Wenn ich die Karten nebeneinander lege, erinnern sie mich an ein Daumenkino – vor gleichbleibendem Ort ist er jedes Jahr größer und älter.

Zu alt eigentlich, um sein Bild noch zu verschicken und doch … Die Weihnachtskarte im vergangenen Jahr sollte die letzte sein, aber er möchte es anders. So lange sein Bild verschickt wird, ist die Entscheidung an ihm, sagt er. Also schicken wir nochmal welche, dieses Jahr vom „Kind“ im Weihnachtspullover (was mich unglaublich freut).

Eigentlich sollten sie längst raus sein, aber sie sind es nicht. Der kleine Stapel liegt vor mir, daneben Briefmarken und Umschläge. Meine Aufgabe für heute. Aber noch prokrastiniere ich …  schreibe einen Blogpost, keine Karten.

Woran es hängt? Zu den Weihnachtskarten kommt immer auch ein Jahresrückblick auf ein Blatt, so groß wie eine Postkarte. Früher ging es da primär um’s Kind: er geht jetzt in die nächsthöhere Klasse, Lieblingsfach ist Mathe, jede freie Minute spielt er Basketball – sowas halt. Über die Jahre ist dann das Haus dazugekommen, die Renovierungsarbeiten, die beruflichen Veränderungen des Mannes, Familie.

All das möchte kombiniert, in wenigen Zeilen zusammengefasst werden, gleichzeitig soll jedes Ereignis ausreichend gewürdigt sein. Manchmal finde ich ein Zitat, an dem ich mich orientieren kann. 2021 war es eins von Erich Kästner: „Entweder man lebt oder man ist konsequent“. (Wir waren konsequent und wegen des Virus primär zu Hause). Davor war es Schopenhauer, „wir denken selten an das, was wir haben, aber immer an das, was uns fehlt“. Den Fokus auf das zu legen, was wir haben und es aufzuschreiben, hat damals gut getan und tut es noch.

In einem anderen Jahr habe ich nur die die Tage gezählt: 72 Handwerkertage, 187 Tage, die der Mann nicht in Berlin gearbeitet hat, 365 Tage das Geräusch eines dribbelnden Balles vor der Haustür.

Jetzt also 2024 …

Nicht alles war gut in diesem Jahr. Trauer und Angst, Wut, Verachtung, Ekel, Überraschung und über allem Freude – die 7 Basis-Emotionen geben es ziemlich genau wieder. Der Tod meiner Schwiegermutter, der neue Job des Mannes, das eigene und das Gast“kind“, dazu die Welt da draußen mit allem, was geschehen ist. „Es ist kompliziert“ war früher ein Status bei Facebook. So fühlt es sich an. Aber genau dazu werde ich jetzt schreiben.

Schreibt Ihr Weihnachtskarten?

 

 

Verlinkt zum Samstagsplausch bei Andrea

Advent

Bei uns sieht es nie wirklich nach Advent aus. Es will einfach nicht klappen. Zumindest nicht so, wie ich es gerne hätte.

Vorab habe ich immer Pläne („ist ja noch viel Zeit …“), speichere Dekorationsideen und Rezepte auf Instagram, aber dann ist plötzlich Ende November und wieder wird improvisiert.

Dieses Jahr hat der Sohn schon im Oktober gejubelt, wie sehr er sich auf den Advent freut. Auf Lichter und Musik und alles, was nach Weihnachten riecht – Kekse, Mandeln und natürlich auch die Weihnachtsmärkte. Ich habe mich anstecken lassen, ihm einen Weihnachtspullover gestrickt und einmal mehr überlegt, was wir tun könnten, damit es auch zu Hause adventlich ist …

Was soll ich sagen: Dezember kam dann quasi über Nacht (immer das Gleiche) …

Immerhin hing der Adventskalender pünktlich, die eine oder andere Lichterkette auch und im Wohnzimmer steht der Adventskranz. Goldene Sterne hat er dieses Jahr und rote Kerzen. Wann wir die anmachen? Nie. Leider. Dafür leuchtet der große Herrnhuter Stern im Fenster (wo er Ende 2023 einfach hängen blieb 🙃).

Wenig Advent also.

Stattdessen ein zweiter Weihnachtspullover für den Sohn. Ich finde, das zählt auch. Nadeln Stärke 6, wenig Schlaf und ein raues Garn in weihnachtlichen Farben, das nach der Wäsche dicht und deutlich weicher geworden ist, haben dazu geführt, dass der Nordkalotten Sweater (so heißt er) wirklich schnell fertig geworden ist. Nicht zuletzt durch die Größe (120cm Umfang, gut 70cm Länge) hat er jedoch ein ordentliches Gewicht, zieht nach unten und das hatte Auswirkungen auf den (Roll-)Kragen. Der saß gar nicht, wie er sollte.

Die Farben stimmen leider gar nicht (gar nicht!). Liegt nicht an mir, sondern an dem Grau da draußen.

Also habe ich ihn gestern nochmal geribbelt, den verstrickten Faden geglättet, verkürzte Reihen ergänzt, kleinere Nadeln genommen und hoffe nun sehr auf Besserung. Wenn alles klappt, wird er dann morgen erstmalig zum Weihnachtsmarkt ausgeführt – im Idealfall als Ersatz für die Winterjacke, also über dem ersten Weihnachtspullover. So die Idee des neuen Besitzers, der sich beide Pullover genauso gewünscht hat.

Vielleicht ist das Advent.

Gewünscht hat der Sohn sich auch, dass wir in diesem Jahr den Baum früher stellen. Nicht erst am Tag vor Weihnachten. Also machen wir das nächstes Wochenende. Er wird nur Lichter haben und dann, Tag für Tag, immer ein paar Kugeln mehr bekommen, bis er schließlich am 24. fertig geschmückt ist. Ich bin sehr gespannt, wie das wird.

Bis dahin habe ich dann vielleicht auch gebacken oder so. Obwohl …

Es sind eigentlich zwei Dinge, die ich mir um diese Jahreszeit immer wieder vornehme und die nie klappen: das adventliche Zuhause und ein Kühlschrank voller Köstlichkeiten. Suppen, Salate und Desserts in schönen Weck-Gläsern. Genug für alle und nie endend. Als würde jemand von hinten immer neue Gläser nachfüllen. Nur fürchte ich, dass auch das nicht klappt. Die Wichtel haben anderes zu tun 😉.

Was soll’s! Hauptsache Musik und Lichterketten. Und Weihnachtspullover für’s Kind 💫.

 

Andrea – ich habe gelesen, dass Du gebacken hast. Mehrfach gebacken sogar … 🙄. Aber wer weiß … Du bringst mich zum Bloggen, vielleicht also auch zum Backen …