Innerer Frieden

„Wenn es Deinen inneren Frieden kostet, ist es zu teuer“ – jeden Tag, wenn ich am Schreibtisch sitze, sehe ich den Zettel mit diesem Spruch. Theoretisch. Denn manchmal gucke ich nicht hin. Dann wiederum lese ich ihn, als hätte ich ihn vorher nie gesehen. Und oft genug denke ich „Du musst was ändern! Das wird zu teuer!“

Häufig geht es um die Verteilung von Aufgaben hier zu Hause. Mittlerweile kann ich wegsehen, wenn der Wäscheständer nach einer Woche immer noch den Flur blockiert. Bei einer unordentlichen Küche – in unserem Haus der Mittelpunkt der Wohnung – kann ich das nicht. Es stresst mich. Dann ist nichts mehr mit innerem Frieden.

Alle, die hier wohnen, wissen das. Wissen, dass es nur eine Frage von Zeit ist, bis ich entweder laut werde oder aufräume, was ich nicht verursacht habe.

Mittlerweile ist auch der Garten auf der Liste all dessen, was mich meinen inneren Frieden kostet. Giersch und Hopfen, Brombeeren und Löwenzahn. Ich fange an einem Ende an und am anderen wächst es wieder. Und sollte ich es doch unter Kontrolle bekommen, kommt vom Nachbargrundstück „Nachschub“. Same old. Habe ich schon so oft drüber geschrieben. Geändert hat sich nichts.

Im Gegenteil. Mit jedem Jahr, das ich älter werde, wird der Garten größer. Zumindest fühlt es sich so an.

Also habe ich vergangene Woche (mal wieder) abgewogen. Was ist teurer: der innere Frieden oder Profis im Garten? Und mit welchem „teuer“ kann ich besser umgehen? Wie es ausgegangen ist, könnt Ihr Euch denken.

Mitte Mai ist Termin. Sie werden einen Tag brauchen, haben sie gesagt. Einen Tag, um zu mähen, zu vertikutieren und zu düngen wo immer möglich. Und alle Flächen, die nur so „halb gut“ sind, bekommen neuen Rasen. Vorausgesetzt, ich habe bis dahin alles, was da wuchtert, entfernt.

Erstaunlicherweise motiviert mich das. Immer, wenn ich kann, bin ich draußen, grabe und ziehe. Vielleicht, weil ich das Gefühl habe, da packt jetzt (außer mir) jemand mit an und am Ende wird alles gut.

Wird es wohl nicht, aber es wird besser sein. Denn wenn alles getan ist, wenn neuer Rasen gewachsen ist, wird ein Mähroboter hier Dienst tun. Nie in der Nacht, damit Igeln nichts passiert. (Hier sind zwar keine, aber vielleicht ja doch). Nie unbeaufsichtigt und nur da, wo wirklich Rasen ist. Alles andere – die Tulpen, Vergißmeinnicht und Maiglöckchen – bleibt wild und schön, damit Schmetterlinge, Wildbienen und andere kleine Tiere hier unverändert glücklich sind.

Aber eben nicht nur die. Ich auch!

 

 

Verlinkt zum Samstagsplausch

MasterClass: Intarsientechnik

Manchmal ist stricken wie Gartenarbeit. Ich stricke über Stunden endlose Reihen rechter Maschen in dem Gefühl, nicht einen Zentimeter vorwärts gekommen zu sein. Eben dieses Gefühl hatte ich vergangene Woche im Garten: jeden Nachmittag habe ich gegraben, geharkt und gejätet und doch ist das Ergebnis bei weitem nicht so, wie ich es mir wünschen würde. Es dauert so lange alles …

Andererseits: beides, monotones Stricken, ebenso wie Gartenarbeit, sind irgendwie meditativ. Beides mache ich in Zeiten wie diesen lieber denn je. Und es wird Frühling! Endlich! Alles neu und frisch und zunehmend bunt da draußen!

Aus diesem Gefühl heraus habe ich mir jetzt das Caramida-Tuch wieder vorgeholt, dass seit 2016 (nichts sagen, bitte) hier liegt und endlich fertig werden soll. Wenn auch als Decke.

Na klar hätte ich lieber mit etwas Neuem angefangen. Erst Recht, wenn ich sehe, wie sich das Brambling Tuch bei Andrea entwickelt. Aber warum ein Tuch mit Intarsientechnik beginnen, wenn hier seit Jahren ein angefangenes Projekt liegt, das auf der gleichen Technik basiert? (Hier ist jetzt ein großes Seufzen zu ergänzen).

Andrea und ich haben ein Jahresprojekt, das wir bei der Zitronenfalterin zeigen: wir stricken uns durch das Masterclass Strickbuch des Stiebner-Verlages. Jeden Monat ein anderes Projekt und eine neue Technik.

Im April ist Intarsientechnik dran.

Das Tolle an dieser Technik? Jede Farbfläche hat ihr eigenes Knäuel. Es gibt nicht einen einzigen Spannfaden auf der Rückseite der Arbeit. Stattdessen werden die Fäden gekreuzt, so dass keine Löcher entstehen. Damit sind beide Seiten schön, das Gestrick ist leichter als FairIsle und auch große Flächen in unterschiedlichen Farben sind kein Problem. „Malen“ mit Wolle – ich mag das sehr.

So, wie den Moomin Pullover, den ich vor zwei Jahren gestrickt habe. Der hat wirklich Spaß gemacht. Natürlich weil ich Moomins sehr gerne habe, aber auch weil maximal drei Knäuel gleichzeitig involviert waren.

Das ist bei dem Caramida-Tuch deutlich anders … Damit komme ich zum anstrengenderen  Teil der Intarsientechnik: Jede Farbfläche hat ihr eigenes Knäuel. Zur Zeit sind es 11 Knäuel und daran wird sich bis zur Fertigstellung auch nichts ändern. Sie liegen nebeneinander in einem Pappkarton und nach jedem Farbwechsel sortiere ich neu. Elf Mal pro Reihe. In jeder Hinreihe und jeder Rückreihe. Nach maximal 25 Maschen.

Das ist nicht ganz so meditativ wie das Stricken rechter Maschen, hält auf, nervt auch, aber ich komme voran. Zwei Drittel fehlen noch – am Tuch und im Garten …

Wenn Du auch mit Wolle malen möchtest, (es ist wirklich nicht kompliziert), empfehle ich Dir (wieder Mal) das Masterclass Buch. Jede Technik ist wunderbar erklärt und die zugehörigen Projekte sind (fast) alle wirklich schön.

Im Mai lerne ich ‚Stricken aus dem Fadenring‘ – und natürlich werde ich berichten.