Verblassende Farben

Letztes Jahr habe ich meiner Mutter das KnitPro Nadelspiel-Set Zing zu Weihnachten geschenkt. Sechs Nadelspiele aus Aluminium in sechs verschiedenen Farben: pink, violett, blau, hellgrün, dunkelgrün und rot. Meine Mutter kann nicht mehr gut sehen, bunte Nadeln helfen ihr deshalb sehr. Zing schien perfekt.

KnitPro Reklamation Nadelspiele Zing
Photo: https://www.amazon.de/KnitPro-47402-Nadelspiel-Set-Zing

Nur haben die Nadeln zwischen Weihnachten und August leider ein Großteil ihrer Farbe und Brillanz verloren. Aus pink wurde blaßrosa – nicht rundum, sondern überall dort wo sie Licht ausgesetzt waren. Violett ist jetzt partiell eher blau, blau ist mehrheitlich hellblau. Also dachte ich, ich frage bei KnitPro mal nach, ob das Problem dort bekannt ist. Mehr wollte ich gar nicht. Denn stricken kann man mit den Nadeln ja noch. Sie sind nur nicht mehr so schön.

KnitPro Reklamation Nadelspiele ZingNachfragen bei KnitPro … das war zugegeben naiv. Verwöhnt durch den überragenden Kundenservice von addi bin ich tatsächlich nicht darauf gekommen dass andere Nadelhersteller möglicherweise anders reagieren könnten …

Aber von Anfang an: nachdem ich keine Telefonnummer fand habe ich am 19.08.16 über das Kontaktformular der deutschen Seite an KnitPro geschrieben. Freundlich und fragend.

KnitPro Reklamation Nadelspiele ZingAntwort kam nach sechs Tagen auf Englisch (zum Glück kann ich mich ja auf Englisch verständigen). Vom Ausbleichen der Nadeln habe man noch nie gehört und ich möge bitte Bilder schicken als Beleg.

bildschirmfoto-2016-09-15-um-21-04-38Das eine Bild das ich hatte (lausige Qualität aber egal) habe ich also am gleichen Tag weitergeleitet. Mit Dank für alle Bemühungen und dem Angebot weitere Bilder zu machen und zu mailen, falls dieses eine nicht ausreichen sollte.

Dieses Mal dauerte es länger bis Antwort kam. Aber am 02.09.16 (also nach 10 Tagen) durfte ich lesen, dass KnitPro nun zwar glauben würde, dass ich fehlerhafte Nadeln gekauft habe, dass das aber außer mir noch nie jemand beanstandet hätte. Dennoch würden mir die ausgeblichenen Nadeln erstattet. Allerdings nicht durch KnitPro direkt sondern durch den Fachhandel der mir die Nadelspiele verkauft habe. Wenn ich da Probleme hätte könnte ich gerne noch mal schreiben.

bildschirmfoto-2016-09-15-um-21-05-04Das habe ich zwei Tage später getan. Denn über Amazon gekaufte Ware wird nach 8 Monaten nicht mehr umgetauscht.

Gestern – also nach 9 Tagen – kam wieder Antwort von KnitPro: Nadeln, die über Amazon gekauft sind werden per se nicht umgetauscht. Nie. Amazon ist kein autorisierter Händler, was im Übrigen auch auf der homepage von KnitPro in ihren Richtlinien zu Ersatzlieferungen stünde. Sie bedauern mir in dieser Angelegenheit nicht helfen zu können.

Das wars.

bildschirmfoto-2016-09-15-um-21-05-27Um es kurz zu machen: ich war sprachlos. Erst glaubt man mir nicht, dann werde ich als Einzelfall dargestellt und schließlich wird Ersatz (nach dem ich nicht gefragt hatte) abgelehnt.

Und die Begründung? Jetzt mal ehrlich: KnitPro übernimmt keine Gewährleistung für Qualität wenn ihre Nadeln über Amazon verkauft werden. Das finde ich – vorsichtig formuliert – fragwürdig.

Alles sehr höflich – ja. Und immer von der gleichen Person geschrieben. Aber ein Kommentar im Sinne von „Vielen Dank für den Hinweis – wir gucken uns das an“? – Fehlanzeige.

6 Mails, 28 Tage, für nichts.

Jetzt mal angenommen ein vergleichbares Problem wäre bei addi-Nadeln aufgetreten (hypothetisch, ich weiß): Die Telefonnummer des Kundenservice steht im Netz. Ich könnte dort anrufen und hätte im Zweifelsfall den Chef direkt dran. Ich könnte auch schreiben, denn Mailadressen sind ebenfalls angegeben. addi würde Kunden niemals in Frage stellen (ich glaube, das kränkt mich am meisten). Im Gegenteil. Man würde dort bedauern dass ich mit ihrem Produkt nicht glücklich bin – sie würden sicherstellen dass es nicht wieder vorkommt (bei niemandem) und Ersatz anbieten. Einfach so. Professionell und freundlich. Nach drei Tagen wäre alles zur allseitigen Zufriedenheit erledigt.

Danach würde ich wahrscheinlich jubelnd bloggen und noch mehr von addi schwärmen als ohnehin schon.

KnitPro ist leider nicht addi.

Rezension: Schnellstricker-Buch mit Katze

Fast zwei Jahre ist es her dass ich über das Schnellstricker-Buch von Nina (sie ist die Inhaberin von Knit-Knit, dem schönen Woll-Laden in Berlin-Mitte) gebloggt habe. (Kam mir jetzt gar nicht so lang vor). Und nun gibt es ein zweites:

Das geniale Schnellstricker-Buch für Babys & Kids. Der blv Verlag hat es mir direkt nach Erscheinen geschickt und ich habe es mir seither immer mal wieder sehr gerne angesehen.

Schnellstricker-Buch Häkelmonster Rezension25 ebenso einfache wie praktische Anleitungen „für Babys, Minis und Kids“ – so heißt es im Inhaltsverzeichnis – schön zusammengestellt, einfach erklärt und toll photographiert. Ein rundum schönes Buch.

Mein Favorit ist die Katze.

Es ärgert mich fast, dass ich dafür in meinem Stash keinen geeigneten Wollrest finde. Kann eigentlich nicht sein.

Sehr niedlich ist auch die Weste vom Titel. Die könnte ich für die kleine Schwester der Patentochter stricken. Oder den Pullunder mit Knopf. Super lustig und ungemein praktisch finde ich den Kinderwagen-Muff (den hätte ich vor 12 Jahren im Berliner Winter gut gebrauchen können, als ich Stunde um Stunde den Wagen geschoben habe …).

Kleidung, Spielzeug, Accessoires.

Mütze, Schuhe, Pullover, Jacken und eine Puppe, ein Mobile, ein Lätzchen, eine Decke und sogar eine Krone. (Und die Katze. Ich mag die Katze). Aber das ist noch lange nicht alles. Da sind noch 12 andere Anleitungen. Dazu die bewährte Strickschule im hinteren Teil des Buches, Vorlagen für Geschenkanhänger und hilfreiche Adressen.

Alles rund. Alles gut. Alles schnell gemacht.

Kaufempfehlung? Doch! Wer für Babies und kleine Kinder stricken möchte, wer schöne Bücher mag, wer was übrig hat für einfache Anleitungen die viel hermachen, macht da bestimmt nichts verkehrt.

Ich gehe jetzt nach Wolle gucken. Für die Katze.

September

Das klingt schon so nach Herbst. Ist es ja gar nicht und doch … Morgens riecht man es schon und Abends ist es dunkel. Das Einzige (wirklich das Einzige) was ich am Herbst mag sind die Farben. Alles andere macht mich traurig. Schwermütig. Jedes Jahr wieder. Umso mehr genieße ich, dass es jetzt wieder so warm und so sonnig ist. Noch einmal Akku aufladen …

Häkelmonster Elizabeth ZimmermannPassend zum Herbst habe ich der kleinen Patentochter dennoch eine Jacke gestrickt. Nach einer Anleitung von Elizabeth Zimmermann. Kennt Ihr die? „EZ“ wird sie von amerikanischen Fans genannt, also „Isett“ – schön, oder? Ich habe seit Kurzem ein Buch von ihr und das habe ich mit zunehmender Begeisterung gelesen.

Hökelmonster Elizabeth Zimmermann Kinderjacke„Knitting without Tears.“ Das passt zu meinem Herbst-Blues …Geschrieben 1973 beschreibt EZ sehr unterhaltsam (finde ich) wie man Pullover oder Jacken strickt, die genau so werden wie man sie haben möchte und die vor allen Dingen auch passen. Zu ihren Basismodellen, an denen sie aufzeigt was wie möglich ist, gehört auch diese Kinderjacke.

Hökelmonster Elizabeth Zimmermann KinderjackeEZ schreibt und denkt wie man wohl in den 70er Jahren geschrieben und gedacht hat. Das ist an manchen Stellen unfreiwillig komisch oder überaltet oder beides, aber ihre Ideen sind zeitlos: (1) Möglichst alles an einem Stück stricken und wenn das nicht geht lieber anstricken als annähen. (2) Gute Anleitungen sind so geschrieben dass man sie anpassen kann für große, kleine, dicke, dünne Menschen. (3) Stricken muss Spaß machen.

Unglaublich 70er sind auch die Bilder im Buch. Da braucht es immermal Phantasie sich vorzustellen, welches Potential in einzelnen Modellen steckt. Phantasie habe ich zum Glück. Deshalb: EZ ist klasse! Unbedingt lesen!

Häkelmonster Elizabeth Zimmermann KinderjackeBei der Kinderjacke habe ich mich weitestgehend an ihre Vorschläge gehalten, um dann doch zu experimentieren. Die Kapuze habe ich größer und „runder“ gemacht. (Der „Zipfel“, also diese sehr spitze Spitze, hat mir nicht so gut gefallen). Und anstelle des Reißverschlusses habe ich rundum eine iCord-Kante angestrickt und Knopflöcher gemacht.

Schick oder? Herbst kann kommen – für die Patentochter. Für mich bitte noch nicht …

Genau genommen gehört die Jacke nicht zu Marisas Auf den Nadeln – aber mangels Alternativen verlinke ich sie doch. Mal sehen, was noch kommt im September. Irgendwas in mir flüstert immer Maschenfein-Knit-Along … Maschenfein-Knit-Along … Maschenfein-Knit-Along …

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The Carolinas

Tomorrow morning I will leave for the Carolinas together with one of my closest friends. We will stay a few days in Charleston visiting with another forever friend. Then all three of us will go to Mount Airy, NC before going back to Berlin next Sunday.

One week. Seven days.

So far, I have packed my knitting: Heaven & Space by Martina Behm with Ponderosa’s „Nachthimmel“ (sky at night). Seriously, can you think of better names for a pattern and yarn to take on a plane?!

Heaven & Space Haekelmonster

I AM SO EXCITED!

All else to follow.

Das 1 x 1 der Maschenproben

Wenn ich die Wahl habe zwischen einem Buch und einem Film, dann möchte ich das Buch. Wenn es eine Anleitung als Text gibt oder als Video, entscheide ich mich für den Text. Wenn es keinen Text gibt, gucke ich das Video; aber nicht gerne und immer ohne Ton.

Nun hat Makerist mich gefragt, ob ich mir nicht mal eine ihrer Videoanleitungen ansehen möchte, um dann darüber zu schreiben.

Meinem Sohn sage ich immer, dass man erst über Etwas urteilen darf wenn man es kennt. Also habe ich zugesagt. Drei Videos kamen in die engere Wahl und letztlich hat dann Makerist entschieden: „Das 1 x 1 der Maschenproben,“ ausgearbeitet und vorgestellt von Marisa.

Makerist Maschenfein Maschenproben Häkelmonster

Maschenproben. Jetzt mal ehrlich: macht ihr Maschenproben? … Dachte ich mir. Ich auch nicht. Oder sagen wir: eher selten. Und wenn ich tatsächlich eine mache, dann wasche und spanne ich sie nicht, sondern ribbel die wenigen Zentimeter wieder auf, sobald ich gemessen habe was mich interessiert. Bisher ist das gut gegangen, aber bisher habe ich auch erst eine Strickjacke gestrickt.

Kein Fan von Videos und zu faul für Maschenproben – beste Voraussetzungen also für einen Kurs zum Thema.

Um es kurz zu machen: Marisa zuzuhören war unglaublich kurzweilig und interessant. Der Kurs war viel umfassender als ich zuerst angenommen habe und gelernt habe ich auch noch dabei.

Neun Episoden bauen aufeinander auf und ziemlich schnell ist klar, dass es Marisa dabei um deutlich mehr geht als um das reine Stricken von Maschenproben.

Garnkunde zum Beispiel: welche Garne gibt es und warum spricht man überhaupt von Garnen (und nicht von Wolle)? Was sind die Unterschiede und worauf sollte man achten, damit Projekt und gewähltes Material perfekt zusammenpassen?

Oder Stricknadelarten, -stärken und -typen. Was gibt es da und warum? Was gehört zu einer Basisausstattung und wie kann ich damit Stricktechniken vereinfachen?

Erst danach kommt das Stricken der Maschenprobe. Und wer glaubt das wäre schnell gemacht bzw. dafür braucht es kein Tutorial, dem sei gesagt: diese Episode dauert gute 23 Minuten. Marisa erzählt vom Lesen der Banderole, zeigt das Wickeln eines Stranges und – das fand ich total genial – verrät wie sie Maschenproben „codiert“ um später auch ohne Zettel noch zu wissen, mit welcher Nadelstärke sie diese gestrickt hat zum Beispiel. Erst dann wird gestrickt. Nicht eine, sondern drei Maschenproben.

Damit ist alles gesagt sollte man meinen – dem ist aber nicht so. Denn nun kommen vier (vier!) Episoden was mit Maschenproben möglich ist bzw. verhindert werden kann. Diese vier Episoden sind wirklich richtig gut. Und so wird aus Materialkunde und Maschenprobe ein Spiel mit fast unbegrenzten Möglichkeiten. Denn dadurch, dass alles variabel ist, ist auch das, was dabei raus kommt, immer anders.

Garn + Nadelstärke + Behandlung (also waschen, spannen oder dämpfen) führt zu einem immer anderen Ergebnis, irgendwo zwischen Erfolg und Mißerfolg.

Ich wollte zählen wie viele Maschenproben Marisa vorbereitet hat. Bei 20 habe ich aufgehört. Es sind bestimmt über 100. Am meisten beeindruckt hat mich dabei die Probe mit ein und demselben Garn, wenn auch mit unterschiedlichen Nadelstärken gestrickt. So simpel und doch – wenn mans einmal vor Augen hat – so überzeugend.

Kreativität und Inspiration pur.

Bei allem macht es Spaß Marisa zuzuhören. Ein bißchen merkwürdig am Anfang, weil wir uns kennen, da war ich dann doch in Sorge nicht objektiv zu sein. Aber das war unnötig. Sie ist unglaublich strukturiert und alles ist so aufbereitet dass man wahrscheinlich auch einzelne Episoden auslassen könnte, in der Annahme schon alles zu einem Thema zu wissen – würde ich aber nicht zu raten. Denn immer dann, wenn ich dachte „ach, das kenne ich alles“, kam doch irgendwas Unerwartetes, irgendwas Tolles.

Und bis zum Schluß stolpert sie nicht über „Strickstück stricken“! (Das kann ich schon ohne Kamera nicht dreimal nacheinander sagen, geschweige denn mit).

Wenn ich meckern wollte, wäre das zur Musik. Anfang und Ende jeder Episode sind untermalt mit etwas was ich Gitarren-Geschrammel nennen möchte. Es erinnert mich an deutsche Fernsehserien und gefällt mir nicht. Letztlich tut es aber der Professionalität des Videos keinen Abbruch. Wirklich, wenn die alle so sind, möchte ich mehr davon.

Die Gesamtzeit des Maschenproben-Kurses beträgt um die zwei Stunden. Das ist geschätzt und nicht gestoppt. Zwei Stunden sind lang. Und nachdem ich morgen noch Büro, Familie, Garten habe, um dann am Samstag nach South Carolina zu fliegen, habe ich mir die letzte Episode noch aufgehoben. Ein Bonus-Track – so wie bei Musik-CDs. Das sehe ich mir an, wenn ich zurück bin. Something to look foward to :o)

Zukünftig gibt es dann wohl auch bei mir einen Karton mit ordentlich gestapelten und codierten Maschenproben.

 

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